Full text: Hessenland (15.1901)

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fache n" des Herrn Schäfer im Nachstehenden 
nochmals näher beleuchten. 
IV. Herr Schäfer hielt das Bild in dem unter 
Nr. 5 der Tafel abgebildeten Siegel eines 1403 
urkundenden Herman's o. Lut er zuerst für 
ein Beil, dann für eine Baumsäge, jetzt fügt 
er zur Auswahl noch einen Winkel hinzu. Ich 
halte es, nach wie vor, für die ungeschickt geschnittene, 
gerade stehende Hetze der v. Lüder. Zur Er 
leichterung der Prüfung habe ich unter Nr. 6 
der Tafel ein besser erhaltenes Exemplar desselben 
Siegels abbilden lassen, das an einer Urkunde 
vom 25. Mai 1401 hängt. Laut derselben sühnt 
sich der in einer Fehde gefangene Herman v. Luter 
mit den Herren v. Hanau und ihren Helfern. 
Er hatte versprochen, Hanau seinen Theil an 
Luter zu öffnen, was aber bei seinen Ganerben 
ans Widerspruch gestoßen war?") Betrachtet man 
die beiden Siegel, so ergibt sich, daß Nr. 5 be 
schädigt und nicht scharf abgedrückt ist, während 
man an Nr. 6 Schneide und gebogene Spitze 
der Hetze erkennt. Die Siegelumschrift lautet: 
* S H6RMÄM D IjITTGR. 
V. Das unter Nr. 7 vergrößert abgebildete 
Wappensiegel Herbort 'sv. L n t e r, eines Vetters 
des ebcnerwähnten Herman's v. L. und feiner 
Geschwister, hängt an derselben Urkunde von 1403. 
Bezüglich der Helmzierde ist es gut erhalten, die 
Schildfigur dagegen ist durch Druck, zur Zeit als 
das Wachs des Siegels noch weich war, ganz 
luibeutlid) geworden. Ich hielt sie für einen 
schrägrechts gestellten, unbestimmbaren Gegenstand, 
keinensalls für einen Schrägbalken; Herr Schäfer 
dagegen sagt, cs fei mit Gewißheit ein Schräg- 
balken. Dem Marburger Staatsarchiv schien es 
nur so. Bei genauer Untersuchung aber fand 
sich eine schlagende Bestätigung dafür, daß man 
es in Herbort mit einem Glied der Familie 
von Lüder zu thun hat: an dem rechten Rand 
des kegelförmigen Helmaufsatzes (Spitzhut?) sieht 
man deutlich eine senkrecht gestellte Hetze gelehnt, 
deren gebogene Klingenspitze in das Siegelseld hin 
einragt. Das Argument daraus, daß die Lüder'sche 
Hepe nicht den Rand berührt haben würde, beruht 
ans Unkenntniß der älteren Siegel; die Abbildungen 
Nr. 1 und 4 widerlegen das schlagend. Da Herr 
Schäfer eine Ähnlichkeit mit dem Lauter'schen 
Wappen herausfinden möchte, so erklärt er das * * * * * 
°) Staatsarchiv Marburg, Fulder Stiftsarchiv, Urkunde 
vom 11. Februar 1403. 
Staatsarchiv Marburg, Hanauer Urkunden, Krieg 
und Frieden 419. Diesen Herman hat Herr Schäfer, 
sich auf einen schlechten gedruckten Auszug verlassend, für 
einen v. Lauter gehalten, während sich doch 1394 ein 
zu Luder bnrggesessener Herman v. L. mit Fulda sühnte. 
Fehlen des Schildeshauptes „in dieser Zeit" 
für unwesentlich, ich dagegen hielt das für 
ganz entscheidend gegen die Schäfer'sche Hypothese. 
Ich kenne kein Lanter'sches Siegel ohne Schildes 
haupt oder Theilung, auch Abt Wilhelm führte es 
stets. Wie Herr Schäfer aber gar die Helm- 
zierde Herbort's mit der Wilhelm's v. Lauter 
(Nr. 3) in Vergleichung stellen kann, ist mir, 
und wohl jedem Beschauer, unverständlich. 
Inzwischen hat sich meine Auslegung auch noch 
anderweit als richtig erwiesen, wie das unter 
Nr. 8 vergrößert wiedergegebene Siegel eines 
Hans v. Lueter zeigt. Es hängt an einer 
Urkunde vom 23. Juni 1401, in der sich der 
Aussteller, ebenso wie Herman v. L.. mit den 
Herrn v. Hanau rc. nach seiner Gefangeilnahme 
sühnt.n) Die Schildfigur stellt die senkrecht ge 
stellte Lüder'sche Hepe dar. Aus dem Helm sitzt 
ein, einem Kegelhut ähnlicher, mit 5 langen 
Federn besteckter Aufsatz. Bei Prüfung des 
Originals durch die Lupe glaube ich, mitten an 
ihm, ebenfalls eine kleine aufgelegte Hepe zu er 
kennen. Die Photographie ist all dieser Stelle 
durch scharfe Seitcnbeleuchtung undeutlich; sie zeigt 
die Klinge der Hepe hornartig hervorstehend. Bei 
Vergleichung dieser roh geschnitteneil Helmzierde 
mit der weit besseren Herbort's wird nian soviel 
zugeben müssen, daß auf beiden Siegeln derselbe 
Gegenstand dargestellt werden sollte. Jedenfalls ist 
der Beweis erbracht, daß eine Linie der v. Lüder 
nicht die sedergeschmückte Hepe als Helmschmuck 
führte. Herr Schäfer hat auch diese Urkunde 
nicht verglicheil; er hat mit diesem Hans seine 
Lauter'sche Tafel bereichert. 
VI. Schließlich kommt Herr Schäfer, trotz 
meiner früheren Ausführungen, nochmals aus das 
verletzte Siegel Simvn's v. L. aus dem Jahre 
1380 zurück. Ich habe deshalb dieses Siegel, 
nach dem Exemplar von 1353, unter Nr. 4 der 
Tafel abbilden lassen, daulit er sich davon über 
zeugen kann, daß beide Abdrücke sonst in jeder 
Beziehung identisch sind. Das Marburger Exem 
plar ist am Nande besser erhalten; es zeigt vier 
Buchstaben mehr, als das Darmstädter. Auch 
in Marburg sonnte sich Herr Schäfer übrigens 
darüber vergewisserll, wie bedenklich sein negativer 
Erkennungsversuch ist. Da in der Urkunde von 
1380 Simon gemeinsaln mit seinen älteren 
Brüdern Otte und Wicel v. L. handelt, so hätte 
es nahe gelegen, nachzusehen, ob benn nicht etwa 
an einer anderen Urkunde wenigstens das Siegel 
eines dieser Brüder erhalten sei. Das ist z. B. 
") Staatsarchiv Marburg, Hanauer Urk., Krieg und 
Frieden, 420.
	        

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