Full text: Hessenland (15.1901)

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hängende Schildsiegel des Witzel v. Luter 4 ), 
eine schräggestellte Hetze darstellend. Inzwischen 
habe ich es noch an einer Urkunde vom 2. März 
1345 bemerkt, laut welcher Wigand v. Lueter, 
seine Ehefrau Jutte und seine Geschwister Dytzel 
und Nese, von Bertold Düring ein halbes Vor 
werk zu Ulricheshnsen erkauften (Staatsarchiv 
Marburg, Abth. Fulda, Propstei Petersberg). 
Diese Figur behielt das, seit der Mitte des 
13. Jahrhunderts vorkommende und 1760 er 
loschene Geschlecht von (Großen-) Lüder stets bei, 
mit dem einzigen Unterschied, daß die Hetze später 
nicht mehr schräg, sondern senkrecht gestellt erscheint. 
Bei der starken Verzweigung der Familie ist es 
begreiflich, daß sich die Linien auch heraldisch 
schieden: es sind bis jetzt drei verschiedene 
Helmzierden bekannt geworden. Die v. Lüder 
besaßen zwei Burgen zu Großen-Lüder: die 
Nieder- oder Fröschburg unter dem Linden 
berg, dicht südwestlich am Dorfe, zwischen den 
beiden Bächen, und die Oberburg oder das 
Schloß, die heutige Oberförsterei mit ihrem jetzigen 
und ehemaligen Zubehör?) 
II. Unter Nr. 2 der Tafel ist das Siegel des 
Bertold Tu ring aus dem Jahre 1344, im 
vergrößerten Maßstabe, abgebildet worden. Es 
stellt deutlichst eine Stoßsäge dar, in der Art 
der heute als Fuchsschwanz bezeichneten, ohne 
Gestell. Auch dieses, seit 1285 erwähnte und 
bald nach 1530 erloschene Geschlecht behielt sein 
Schildwappen stets bei. Nur von den Gebrüdern 
Tolde und Witzel D. wird es im Jahre 1398 
so geführt, daß die Säge schrüglinks gestellt ist 
und die Zähne nach oben gerichtet sind?) Da 
gleichzeitig ein anderer Witzel D. das Wappen 
wie 1344 führte, so darf man an absichtliche Um 
stellung, zur besseren Linienunterscheidung, denken. 
Die Döring saßen in einer Kemnate auf ihrem 
fuldischen Lehnhofe zu Großen-Lüder, der urkund 
lich als hinter dem Kirchhofe oder bei dem 
Kirchhofe liegend bezeichnet wird, also wohl am 
Südostrande des Dorfes lag. Auch von diesem 
Ansitz soll nichts mehr erhalten sein, obgleich der 
letzte Lüder ihn noch als Döringsburg oder Hinter 
burg kannte. 
III. Die Abbildung Nr. 3 stellt das vergrößerte 
Siegel des Wilhelm v. Lauter dar, des Ahn 
herrn der älteren Linie eines 1722 erloschenen 
Geschlechts, das wahrscheinlich erst im 14. Jahr- * 6 
0 Von mir beschrieben: „Hessenland" Nr. 12, S. 158. 
*) Ich verdanke der gütigen Mithülfe des Herrn Forst 
meisters Martin zu Großen-Lüder die endliche Klärung 
der Frage über die Lage der heute verschollenen Fröschburg. 
6 ) Staatsarchiv Marburg, Fulder Stiftsarchiv, Urkunde 
vom 6. Setzt. 1398. 
hundert von Lauter bei Koburg nach Schloß 
Neuhos im Fuldischen und dann in die Gegend 
von Schlüchtern übergesiedelt ist?) Das Wappen 
zeigt ein Schildeshaupt mit darüber gezogenem 
rechten Schrägbalken. Auch die Helmzierde' stellt 
ganz deutlich eine getheilte, also zweifarbige, 
Mondsichel dar, mit darin steckendem kleineil 
Federbusch. Ganz dasselbe Wappenbild zeigt 
das meisterhaft geschnittene rautenförmige Siegel 
seines jüngeren Bruders Apel v. L., das an 
drei Urkunden des Marburger Staatsarastvs 
(aus den Jahren 1408, 1416 und 1432) erhalten 
ist. Auch diese gar nicht zu verwechselnde Helm 
zierde muß also bereits der bis jetzt unbekannte 
Vater der Gebrüder geführt haben. Eine Schwester 
Else, die Gattin des Lotze und Mutter des 
Hans Windolt, lernt man ans einer Fulder 
Stiftsurkunde vom 16. Juni 1408 kennen. Sie 
findet sich bereits 1386 als vermählt, muß also, 
da auch ihr Sohn 1408 schon ein eigenes Siegel 
führte, spätestens um 1370 geboren sein. Das 
ergibt für den Vater der Geschwister v. Lauter 
als Geburtsdatum spätestens das Jahr 1345. 
Da Abt Wilhelm von Schlüchtern, der. von 
1370—98 regierte, mit ganz demselben Schild 
siegelt, wie Wilhelm und Apel, die sich bei 
Schlüchtern ansässig machten, so wird er ihr 
Vaters- oder Großvatersbruder gewesen sein. 
Der den Lanter'schen Schild führende gemeinsame 
Ahnherr kann also nicht später als 1320 (eventuell 
um 1295) geboren sein; es mag sich um einen 
Sohn des 1330 zu Nenhof begüterten Heinrich 
v. L., oder um diesen selbst handeln. ^) — 
Was verbindet nun eigentlich Herr Schäfer 
für einen Zweck mit seiner letzten Erwiderung, 
nachdem sich der vorstehend zusammengefaßte, 
einfache Sachverhalt durch meine Kritik heraus 
gestellt hat? Er klammert sich an das Vor 
handensein einiger undeutlicher Siegel, aus denen 
er in seiner Geschichte der Familie v. Lauter, 
ohne Kenntniß des Sachverhalts, eine Stammes 
gemeinschaft dreier ganz verschiedener Geschlechter 
konstruirt hat. Trotz des in den hessischen Archiven 
vorhandenen reichen Materials, behauptete er, daß 
diese drei Familien sich erst um 1400 getrennt 
und ihre Wappen geändert hätten! Seit wann 
darf denn ein Genealog und Heraldiker so gewagte 
Schlüsse aus mangelhaften Unterlagen ziehen, 
wenn es an gutem Vergleichsmaterial nicht ge 
bricht? Trotzdem will ich die angeblichen „Th at- 
9 „Hessenland" Nr. 8, S. 95, und Nr. 13, S. 171. 
3 „Hessenland" Nr. 13, S. 171. Alle von Herrn 
Schäfer der Familie sonst noch in den ersten Generationen 
zugetheilten Personell sind zu streichen. Sie gehören zur 
Familie v. Lüder.
	        

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