Full text: Hessenland (15.1901)

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„Du Lieber, Lieber! Gelt, bist mir nicht böse 
wegen dem Walzer hcnt. Es war zur Strafe wegen 
— der Braut auf der Wiese. Ich hätt' ja weinen 
mögen. Gelt, fei mir nicht bös, gelt, sei mir gut, 
du Lieber!" 
Das stürmte sie so heraus. 
„Noch einen Kuß: nun geh!" 
Sie ging ein paar Schritte und blieb stehen. 
„Du! — wann krieg' ich wieder einen Kuß?" 
„Das frag' ich dich!" 
„Wenn du erst fragst. — Gut Nacht!" 
Der Kies knirschte von ihren raschen Schritten. . . 
Leiser und leiser . . . 
Am zweiten Kirchweihtag kam das Käthchen nicht 
zuin Tanz. 
„Wenn du erst fragst!" 
Im Schatten des Haselstranches stand ich bis tief 
iu die Nacht an der Mauer des Pfarrgartens. Und 
der Mond grinste durch die Zweige über mir. 
Das Käthchen war wohl behütet im Pfarrhaus. 
Ich wartete vergebens. Und am folgenden Tage 
reiste ich ab. 
Es find nun schon ein paar Jährchen her. 
„'s Pfarrers Käthche ist jetzt in's Kloster 
gangen — —" 
Wenn ich damals gefragt hätt' — um sie —! 
Schade um das liebe, frische,, fröhliche Ding! 
Wenn die schwarzen Buben einen Sin'n haben 
für schöne dunkle Augen und rothe volle Lippen, 
werden sie gute Christen werden. 
Und das wird das Käthchen freuen und — glück-- 
lich machen. Armes Käthchen! 
Im Manöver. 
Immer ohne Ruh' und Rast 
In dem weltgebrause, 
Ueberall ein fremder Gast, 
Ueberall zu pause; 
Pier 'mal freundlich angeblickt, 
perzlich gern willkommen, 
Dort am liebsten fortgeschickt, 
Mürrisch aufgenommen. 
Zn der Ruh' die eine Nacht 
Warme Lagerstätte, 
Morgen Biwak initgemacht, 
freies Feld zum Bette; 
Gestern droben im Palast 
Bei dem reichen Grafen, 
Morgen armer pirten Gast, 
Muß im Stalle schlafen. 
Liebe Wirthin, murre nicht, 
's ist mir kein Vergnügen, 
Thu' nichts weiter als die Pflicht, 
Daß ich hier muß liegen, 
rr a n z h a u f e n. 
pabe auch ein Vaterhaus 
So wie Deine Kleinen, 
Ging viel lieber ein und ans 
Bei den lieben Meinen. 
Wenig noch der Jahre find, 
Rasch die Zeiten gehen, 
Dann vielleicht von Dir ein Kind 
Muß zur Fahne stehen, 
Und es klagt von fern und spricht 
Dir zum Mutterherzen: 
Draußen find' ich Liebe nicht, 
Gelt, das macht Dir Schmerzen! 
Das bedenk" Dir in der Zeit 
Und sei nicht so bitter, 
Auch wir deutschen Reitersleut' 
pabon unsre Mütter, 
Unsre Lieben sind zu paus, 
Die Dich gerne segnen, 
Wenn Du ihren Söhnen draus 
Freundlich wirst begegnen. 
iKiiirid) Naumann 
Airs crl'ter: und neuer: Jert. 
Beiträge zur hessischen Gtockrnkimde. 
Von tz. K. 
Hans Berge, Glockengießer von Eschwege. 
Sein Name findet sich an der großen Glocke in Solz: 
„ . . . Durch Hansen Bergen ein Meister werth 
von Eschwcg, da man 1592 schreiben that." ') 
Im Jahre 1595 goß er eine Glocke in Wetter: 
„Meister Hanß Berge von Eschwege goß mich" st 
und eine in Mitterode mit der Inschrift: 
Anno Christi der weniger zahl 
neuntzig und fünf fast überall 
der edell gestreng und ehrnvest 
Hans Diedt zum Fürsten Stein mich lest 
also sormiren auf begern 
Stephani Franc! seines pfarheren 
durch Hans Bergen zu Gottes Ehr 
und zu gemeinem Nutzen mehr 
Soli Deo Gloria 
Anno clomini 1595.
	        

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