Full text: Hessenland (15.1901)

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reise mitgegeben hatte, auf den wies man scheu 
wie auf den Foliant (I486), den „Teufel." — 
Zum Schluß noch einige Namen, die aus 
imperativischen Sätzen hervorgegangen sind. Der 
schönste unter ihnen ist Lach mund ' (1626). 
Deuttehorn (1577) forderte den Kuhhirten 
oder Nachtwächter auf, in sein Horn zu tuten. 
Eyschebrot (1463; — „fordere Brot") machte 
sich durch Bettelei lästig; am Mittelrhein wird 
ein Bettler „Heeschemann" genannt. Schinde 
wolf (1626) sollte einem Wolfe das Fell über 
die Ohren ziehen. Schitisch (1463; Schittich 
1575) einen Tisch von der Stelle schieben. 
Schlathuch (1575) ist der Zuruf an einen 
Walker, der das Tuch zu schlagen hat. Schmecke 
(1626) könnte vielleicht, wie Schmeckebier, auch 
zu diesen auffordernden Geschlechtsnamen gehören. 
Der Verfasser hat sich bemüht, die Familien 
namen scharf auf's Korn zu nehmen und womöglich 
in's Zentrum zu treffen. Wer aber besser zu visiren 
versteht, der wird freundlichst gebeten, der verehr- 
lichen Redaktion dieses Blattes Nachricht zu geben. 
L. A. 
Eine alte hessische Rangliste. 
Vor uns liegt handschriftlich aus einem Bogen 
in Großsolioformat „Enciennete-Liste derer 
Staabs- und Oberollieiers vom löbl. Jhro 
Hochsürstl. Durchlt. Prince George zu Hessen 
Regimen t", wie sie am 8. Januar 1741 aus 
Ziegenhain abgeschickt ist. Der Tag der Ab 
sendung der Liste gerade am Ansang des Jahres 
läßt daraus schließen, daß es schon zu jener Zeit, 
als es gedruckte Ranglisten der hessischen Truppen 
noch nicht gab, üblich war, daß die Befehlshaber 
der einzelnen Truppentheile zum Beginn des neuen 
Jahres eine Altersliste ihres Ossiziercorps an den 
Landgrafen absendeten. 
Die Liste enthält die Vor- und Zunamen von 
31 Offizieren des Regiments, bei jeden dieser 31 
Namen ist die Heimath seines Trägers und sein 
Dienstalter hinzugefügt, sind die Daten sämmtlicher 
Offiziers-Reskripte des Einzelnen, Angaben über 
das Regiment, in welchem er etwa vorher in 
hessischem Dienst gestanden, oder eventuell über den 
auswärtigen Dienst, in welchem er sich vorher be 
funden, sowie über die mitgemachten Feldzüge ein 
getragen. 
Da das Osfiziercorps des Regiments Prinz 
Georg am Schluß des Jahres 1740 manchen be 
kannten althessischen Namen ausweist, glauben wir 
mit Veröffentlichung der Zusammensetzung desselben 
gleichzeitig einen kleinen Beitrag zur Geschichte 
hessischer Familien liefern zu können. Außerdem 
dürfte daraus sich aber noch weiter erkennen lassen, 
daß auch von ; Auswärtigen der hessische Dienst 
geschätzt und begehrt wurde, weil das hessische Heer 
wegen seine'r Tüchtigkeit einen besonders guten Ruf 
hatte. Ferner ist aus den hier gegebenen Daten 
auch auf die Gestaltung des Aufrückens im hessi 
schen Heere der damaligen Zeit zu schließen. Die 
Feldzüge, an denen die Hessen in den Jahren 
1700—1740 theilgenommen haben, werden alle 
erwähnt. 
Die Namen und Personalien der Offiziere sind 
folgende: 
1. Oberst Johann Rudolf von Baumbach aus 
Kirchheim in Hessen diente 33 Jahre und 9 
Monate, wurde Fähnrich am 15. Februar 1706, 
Leutnant am 1. August 1708, Kapitän am 20. 
Dezember 1713, Major am 22. August 1719, 
Oberstleutnant am 7. April 1725, Oberst am 7. 
März 1735. 
Er war am 20. Dezember 1713 als Kapitän 
aus dem Regiment Prinz Maximilian versetzt 
worden. Gefochten hatte er 1705 als Page in 
Brabant, in den Jahren 1706 bis 1712 als 
Offizier ebendaselbst, 1717 in Ungarn, 1734 und 
1735 (im polnischen Erbfolgekriege) am Rhein und 
an der Mosel. 
2. Oberstleutnant Joh. Friedrich Gundlach aus 
Altenseld in Thüringen diente 38 Jahr 6 Monate, 
wurde Fähnrich am 13. Januar 1707, Leutnant 
am 13. Februar 1710, Kapitän reforme*) am 6. 
August 1714, Kapitän eonforme*) am 16. März 
1717, Major am 1. Februar 1735 und Oberst 
leutnants am 7. Oktober 1738. Bei seiner Er 
nennung zum Kapitän am 6. August 1714 war 
er aus der Garde zu Fuß in das Regiment ver 
setzt worden. Er hatte 1702 in Brabant, 1703 
und 1704 am Rhein, Donau und Mosel, > 1705 
an der Mosel und in Brabant, 1706 und 1707 
in Italien und Provence, in den Jahren 1708—1712 
in Brabant, 1734 und 1735 am Rhein und der 
Mosel gefochten. 
3. Major Eitel Philipp von Gilsa (der Aus 
fertiger dieser Liste) aus Gilsa in Hessen diente 
23 Jahre und 5 Monate, wurde Fähnrich am 1. 
Oktober 1715, Leutnant am 1. Februar 1718, 
Kapitän am 4. März 1726, verabschiedet am 15. 
*) Reforme vielleicht — ohne die volle Besoldung des 
betr. Ranges, eonforme mit solcher?
	        

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