Full text: Hessenland (15.1901)

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Zur Geschichte der fuldischen 
Z u den Ausführungen des Frhrn. Dr. Schenk 
zu Schweinsberg, betreffend die Familien 
v. Luder, Döring v. Lüder und v. Lauter*), er 
laube ich mir zu bemerken, daß, wenn ich auch 
die mir seither unbekannten Daten über eine 
thüringische Familie v. Luter durchaus nicht un 
beachtet lasse, dieselben jedoch vorerst nur mit 
dem Beinamen „Döring" eines Zweiges der zu 
Großen-Lüder angesessenen Adeligen in Zusammen 
hang bringe, doch die folgenden Thatsachen 
bestehen: 
1) Siegel Hermann's v. Luter, 1403: 
Dasselbe stellt einen von der uuteren Spitze des 
Schildes bis fast zur oberen Kante gehenden 
senkrechten Mittelbalken dar, an welchen oben 
ein zweiter Balken in etwas spitzem Winkel mit 
scharfkantiger Ecke angesetzt ist. Vom anderen 
Ende dieses zweiten Balkens verläuft ein dritter 
Balken nach dem unteren Ende des ersten. Er 
ist jedoch verdrückt, und seine Ausbildung, etwa 
zu Zähnen, nicht mehr zu erkennen; aber er 
verläuft in gerader Richtung. 
Diese scharfkantige geradlinige Figur stellt 
gewiß nicht die v. Lüder'sche Heppe dar, sondern 
einen Winkel oder eine Baumsäge. 
2) Siegel Herbord's v. Luter, 1403: 
Nach Mittheilung des Kgl. Staatsarchivs zu 
Marburg scheint die Figur ein Schrägbalken zu 
sein. Thatsächlich geht das Bild bis zum Schildes 
rand und ist gerade an diesem rechts oben und 
links unten noch scharf ausgeprägt erhalten, 
während es in der Mitte verdrückt ist. Sollte 
eine Heppe dargestellt sein, so könnte das Bild 
sicher nicht gerade am Rande gut erhalten sein, 
*) Vgl. „Hessenland" l. Jahrg. S. 158 ff. u. 170 ff. 
D Ned. 
Familien mit Namen Luter. 
da diese den Rand nicht derart berührt hätte. 
Durch die scharfe Zeichnung am Rande läßt sich 
die Darstellung eines Querbalkens mit Gewißheit 
behaupten. 
Das Fehlen des Schildeshauptes in dieser Zeit 
ist unwesentlich. Auch Abt Wilhelm führte das 
selbe bald über, bald unter dem Querbalken. 
Herbord's Helmzier stellt einen aus einer Säule 
wachsenden Büschel dar, hat also gewiß mehr 
Aehnlichkeit mit derjenigen der v. Lauter als der 
v. Lüder. 
3) Siegel Simon's v. Luter, 1380: 
Dasselbe stellt entweder zwei Schrägbalken dar, 
von denen der erste am oberen Ende nach innen 
zackenartig verdickt ist, oder doch ein zwei solchen 
Balken ähnliches Geräthe. Da jedoch beide Balken 
gerade verlaufen, können sie unmöglich Bestand- 
theile einer Heppe sein?) 
Jedenfalls ist die Schildfignr, auch nach Ansicht 
des Kgl. Staatsarchivs zu Marburg, von der 
jenigen der beiden erstgenannten Siegel ganz 
verschieden. 
Die Behauptung des Frhrn. Dr. Schenk zu 
Schweinsberg, daß um 1400 beim fuldischen 
Landadel die Familienwappen ganz fest gewesen 
seien, wird sowohl durch seine Ausführungen über 
Aenderung des Helmwappens, Wappenwechsel nach 
Todttheilung und infolge Heirath, als auch durch 
die vorhergehenden drei Wappenbeschreibungen 
widerlegt. 
*) Hier entgeht dem Herrn Vf., daß Frhr. Dr. Schenk 
zu Schweinsberg S. 158 seines Aufsatzes, Sp. 1, Z. IO 
v. u. ff. und Sp. 2, dritter Absatz, ein zweites Exemplar 
des Siegels Simon's von 1880 erwähnt, wonach die Frage 
zweifellos gelöst scheint. D. Ned. 
Darmstadt. 
Zlitdoks Schäfer.
	        

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