Full text: Hessenland (15.1901)

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sehr gründlich ausgearbeitete und in freier Rede 
schwungvoll gehaltene Vortrag wurde mit großem 
Beifall ausgenommen und der Vorsitzende dankte 
dem Redner in anerkennenden Worten. Hierauf 
berichtete Herr Museums-Direktorial-Assistent Di-. 
Boehlau von Kassel über die von ihm und Herrn 
Lehrer Vonderau zu Fulda gemachten Ausgrabungen 
im Fnldaischen, insbesondere bei Unterbimbach und 
aus der Milseburg, und zeigte zahlreiche Fundstücke 
vor, was beifällige Aufnahme fand. 
Nach Schluß der Versammlung wurde die Stadt 
besichtigt, insbesondere die Stiftskirche in der Neu 
stadt und das Rathhaus in der Altstadt, in welchem 
der Ortsausschuß in kurzer Zeit eine sehr schöne 
Ausstellung von Urkunden, Alterthümern, Bildern 
u. dergl. vorgenommen hatte, die große Anerkennung 
fand. 
Das im Gasthause „Zum Engel" 4 Uhr Nach 
mittags gehaltene Festmahl, an dem Damen und 
Herren sich betheiligten, wurde durch mancherlei 
schöne Trinksprüche gewürzt. Bei einbrechender 
Dunkelheit fanden sich die Theilnehmer gemüthlich 
im Kasino zusammen und ein Tänzchen vereinigte 
dieselben bis in die Nacht hinein. 
Am 31. Juli begaben sich ca. 70 Personen, 
zuerst mittelst Bahn, dann zu Wagen, an manchen 
interessanten Orten und Burgsitzen vorbei, zur Burg 
Tannenberg bei Nentershausen. Herr Ober 
vorsteher v. Baumbach von Kassel empfing im 
Hose der Burg, zum großen Theile Ruine und 
seiner Familie zu 13 /ig gehörig (zu 3 /ig staatlich), 
die Theilnehmer, beschrieb im Näheren die Ge 
bäulichkeiten und hielt sodann einen ausführlichen 
Vortrag zur Geschichte der seit alter Zeit im 
Hessenlande angesehenen Familie von Baumbach 
und der ihnen gehörigen Schlösser, welcher mit 
großem Beifall ausgenommen wurde, woraus auch 
der Vorsitzende besonders dankte. Die Theilnehmer 
traten sodann den Rückweg zur Heimath an, auch 
von der diesjährigen Jahresversammlung hoch be 
friedigt. tz. A. 
Universitätsnachrichten. Zum Rektor der 
Universität Marburg für das Jahr 1901/2 wurde 
Professor Dr. Jülich er gewählt. Als Dekane 
wurden gewählt in der juristischen Fakultät Pro 
fessor Oetker, in der medizinischen Fakultät 
Professor Rippert, in der philosophischen Fakultät 
Professor Natorp und in der theologischen Fakultät 
Professor Budde. — An Stelle des mit Ende 
dieses Semesters zurücktretenden ordentlichen Pro 
fessors der Landwirthschast Dr. Albr. Thaer ist 
der außerordentliche Professor an der Universität 
Göttingen Dr. Konrad v. Seelhorst nach Gießen 
berufen worden. — Unser Landsmann Dr. jur. 
Reinhard Frank, Professor für Straf- und 
Völkerrecht an der Universität Halle (früher in 
Gießen), hat einen ehrenvollen Ruf an die Uni 
versität Tübingen angenommen. 
In den Tagen vom 29. Juli bis 1. August 
feierte die Landsmannschaft „Hasso- Borussia" in 
Marburg unter zahlreicher Betheiligung ihrer alten 
Herrn ihr 45jähriges Stiftungsfest. 
Ausgrabungen. Aus der Milseburg haben 
die Herren Dr. Boehlau aus Kassel und Lehrer 
Vonderau aus Fulda Ausgrabungen gemacht, 
die von einem günstigen Erfolg begleitet gewesen 
sind. Es wurde hierdurch festgestellt, daß die 
Besiedelung und die Befestigung der Milseburg 
aus der Zeit vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis 
2. Jahrhundert n. Chr. stammen. Die Milseburg 
ist demnach eine germanische Volksburg gewesen. 
Die Grabungen auf dem Haimberg ließen eine 
Ansiedelung aus dem Ende der Steinzeit erkennen, 
während die Gräber bei Bimbach, die ebenfalls in 
Betrachtung gezogen wurden, dem Ende der Bronze 
zeit angehörten. Die Untersuchungen geschahen für 
das Königliche Museum in Kassel und das städtische 
Museum in Fulda. 
Die Kugelburg bei Volkmarsen. Am 
4. August wurde die von dem Zweigverein Volk 
marsen des Niederhessischen Tonristenvereins mit 
Unterstützung des Hauptvereins bewirkte Treppen 
anlage in dem Thurme der Kugelburg von dem 
Vorsitzenden des Zweigvereins Kaufmann Paulus 
dem Bürgermeister von Volkmarsen von Ger- 
meten für den freien Verkehr übergeben. Ingenieur 
Happel aus Kassel, welcher dem Ausbau der 
Kugelburg von Ansang an ein reges Interesse 
entgegengebracht hat, hielt einen eingehenden und 
sehr belehrenden Vortrag über den Bau und die 
Geschichte der Burg, wobei er in Aussicht stellte, 
daß weitere Nachgrabungen sowie die Abrüumung 
des Schuttes noch manche Aufklärung bringen 
dürsten. 
Schiffstaufe. Am 31. Juli fand in Geeste 
münde der Stapellaus eines vom Norddeutschen 
Lloyd erbauten Dampfers statt, welcher den Namen 
„Kassel" empfing. Eine Deputation ans der 
hessischen Residenzstadt, an deren Spitze Geheimer 
Regierungs- und Landesrath Dr. Knorz stand, 
war zu diesem feierlichen Akt dort eingetroffen. 
Dr. Knorz hielt die Festrede, welche er also schloß : 
„Indem ich nun diesem Kind hiermit im Aufträge 
unserer Stadt den Namen „Kassel" beilege, wünsche 
ich ihm und seiner dereinstigen Bemannung allzeit
	        

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