Full text: Hessenland (15.1901)

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Aus ctsfer unö neuer Zeit. 
Zur Kasseler T h e a t e r g e s ch i ch t e. Im 
Frühjahr 1763 kam die AckermannIche 
Truppe (mit Friedrich Ludwig Schröder, Döbbelin 
u. A) uach Kassel, um dort, aus eine Einladung 
des Landgrafen hin, Vorstellungen zu geben. Aber 
„hier herrschte Noth und Elend schlimmster Art; 
in den ersten vier Wochen war kein Brot zu haben, 
und in dem MaximilianJchen Palais (dem 
jetzigen Theater), in welchem der Truppe Quartier- 
angewiesen ward, hausten sie allerdings in Pracht 
räumen, mußten sich aber aus Streu behelfen, da 
kein Bett aufzutreiben war; auf dem wüsten Platz 
um das Palais lagen französische Schädel und 
Knochen umher." Leider auch „wollte es Acker 
mann nicht glücken, in Kassel auf einen grünen 
Zweig zukommen". (Litzmann, Friedrich Ludwig 
Schröder Bd. I, S. 207-210.) 
Somit ist bereits im Jahre 1763 aus unserer 
jetzt noch an derselben Stelle benutzten Bühne 
gespielt worden, und Friedrich Ludwig Schröder, 
vielleicht der größte Mime, den je die Welt gesehen, 
ist einer der Ersten gewesen, die sie betreten haben. 
Robert Prntz in seinem Buch über Ludwig Holberg 
sagt (S. 224): „Bon dem Hofe zu Kassel bemerkt 
Schröder ausdrücklich, daß Trauerspiele daselbst 
kein Glück gemacht hätten, desto mehr aber Moliäre 
und Holberg." 
Von alll diesen interessanten Thatsachen findet 
sich in Lyncker's Theatergeschichte nichts erwähnt. 
Im Gegentheil heißt es dort sogar: „— keiner 
der großen Mimen jener Zeit betrat den Boden 
Kassels —" (S. 283). Kcms Attmüsser. 
Hessische Kolmlsiigeir ans dem Kellei- 
nmlde und Mirrgevimg 
dem Volksmund nacherzählt von K. v. und z. Hil'sa. 
Das Glöckchen des untergegangenen Dorfes 
Wernigerode. 
Der „Keller" bildet mit feinen Vorbergen eine 
kleine Welt für sich. Seltene Pflanzen und Steine 
belohnen den mühsamen Ailfstieg im Gebiete der 
eigenartigen Kellerwaldgrauwacke, Hochwild ver 
schiedener Art zieht durch die Schläge, in welchen 
das Köhlergewerbe noch ausgeübt wird. 
Vor 70 — 80 Jahren bestand noch eine gewisse 
Scheu unter den Leuten, die Heitbergskuppe mit 
dem „wüsten Garten" zu betreten. Noch manche 
Waldnamen erinnern an die graue Vorzeit, wo 
der altehrwürdige Wald der Gottheit geheiligt war: 
Ringelplatte, Exhelmerstein, Ungeröder Dunderstatt 
und Knhteich. Von allen Seiten betrachtet das 
Landvolk denselben als Barometer bei Wetter 
beobachtungen. Zeigen über dem Waldmeere im 
hohen Sommer sich nebelartige, kräuselnde Dünste, 
so sagt mau den Kindern: „Die Füchse (Wölfe?) 
ans dem Keller kochen, das Wetter schlägt um!" 
Manche Theile des 3 Stunden langen Waldes 
sind im 13. Jahrhundert zu Ansiedlungen benutzt 
worden. So hieß ein Dörfchen, welches etwa 
2OO Jahre bestand, Bernigerode. Man zeigt noch 
jetzt im Jesberger Felde den Trümmerhaufen der 
hier bestandenen kleinen Kapelle mit undurchdring 
lichem Gestrüpp überwuchert. An gewissen Tagen 
im Jahre hörten zuweilen Hirten und Jäger um 
die Mitternacht den klagenden Ton ihres Glöckchens, 
an den kurzen Bestand menschlicher Dinge erinnernd. 
(Vergl. Mittheilungen. des Vereins s. Hess. Gesch. 
u. Landeskunde von 1883 unter von Gilsa.) 
Sage aus einer alten Burg bei Hundshansen. 
Ueber dem Dorfe Hundshausen (Hunold) sind 
noch Umwallungen von einer uralten Burg sichtbar. 
Ans derselben hat in der Vorzeit ein unterirdischer 
Gang unter der Schwalm her bis in das Kloster 
Spießkappel geführt, welcher hinter dem Altar der 
Kirche seinen Ausgang gehabt hat. Im Falle der 
Noth flüchteten die Bewohner der Burg aus diesem 
Wege. 
Sage v o m ' „ w i l d e n Jäger" aus d e in 
K e l l e r w a l d. 
Vor langen Jahreil sammelten eine Anzahl 
Weiber und Kinder Kräuter aus Himmelfahrt arn 
„hohen Kellerwald". Eine Frau kam von ihren 
Gefährten ab und hörte aus einmal das donnernde 
Geräusch einer Jagd mit Hornrnf.nnd Hundegebell, 
welches plötzlich verstummte. Der Richtung, woher 
das Getöse erschollen, neugierig sylgend, sah sie 
einen Jäger von hoher Gestalt mit langem Barte 
auf einem Eichstamme sitzend, umgeben von seinen 
Waidgenossen und zahlreichen Hunden und Rossen, 
welche sich aus einem Waldbache labten. Die 
Jäger waren in seltsame Tracht gekleidet, wie die 
Frau noch niemals in ihrem Leben geschaut, und 
trugen Spieße in der Hand. Erschrocken eilte sie 
zu dem Weg zurück und ries den Andern zu, ihr 
rasch zu folgen. Als die Leute an dem Eichstamme 
und Bache ankamen, war alles spurlos verschwunden 
und die tiefste Stille ruhte auf dem ganzen Walde. 
Sage von den dreifachen Wällen der 
Altenburg an der Schwalm. 
Am ersten Pfingsttage, bei Sonnenaufgang, sahen 
in früheren Jahren zuweilen Leute, welche heilsame
	        

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