Full text: Hessenland (15.1901)

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Seitdem war sie nie wieder am Bahnhof, haben 
wir nie mehr zusammen gespielt und von des 
Pfarrers Obst genascht. 
Wir waren ja auch indessen zu groß geworden, 
und es wäre „unschicklich" gewesen. 
Lange, lange sah ich das Käthchen nicht. Oder 
doch — als sie zur „heiligen Kommunion" ging, 
sah ich sie vom Altar gehen, sehr fromm, sehr 
züchtig, wie sich das gehörte. 
Und später dann noch, wenn ich in den Ferien 
heim kam, ebenfalls in der Kirche. Sie betete dann 
immer sehr fromm und eifrig und ließ ihren schönen 
weißen Rosenkranz geschickt durch ihre kleinen Hände 
gleiten. 
Ob sie mich auch sah! — sehen wollte! ? — 
Ich war indessen ein stattlicher Jüngling ge 
worden und — sehr stolz. 
(Schluß folgt.) 
<^>.<4. 
Die Insirrimz/) 
(Gedicht in Schwälmer Mundart.) 
Dä Rombelmellesch Konnerad 
War Wascht I beim Äxelänz 
On krecht — es war ver Chreesdack grad — 
Die bese Jnstuänz. 
Hä docht: „Ach wer ich dach drheem!" 
On bie's halbmehlig^) gung, 
Do schrew^hä schwingt) in Brieb naheem, 
On en däm Briew do stung: 
„Zu Chreesdak komm ich Dajer aachtJ 
Os Allöb^) äß Soldat, 
Es eß zwar nach net öusgemacht. 
Ich hon nach net gefrat. 
Dach macht^Er") Uch als droff gefaßt 
On sarjt ver wahrmes Bett, 
Wahrscheinlich breng ich Uch in Gast, 
Die Jnstuänza met." 
Bie do seng Vater lusJ dett Schreft, 
Do fährte: „Liewe Zeit! 
Baß dam seng Schreiwe obetrefft, 
Do wär^) ich net gescheit! 
Dä brengt die Jnstuänza met? 
Bas sill da das wull seng?! 
Das näsche Watt^) versteh ich net — 
Das weeß die Kreizschwerneng!" 
Os emol fangt seng Frä do 0: 
„Geweß, etzt feilt nllrsch en, 
Die Menscher heeße dattrem") so, 
Ich honn se schond hehrn nenn. 
Banns ehe sex on sättig eß, 
Höt dä e Mensch") datt steh! 
Mer ohnts, so secher on geweß! 
Ich meecht ver Brast 12 ) vergeh!" — 
Dä Meller säht: „Die Schwereuoth! 
— Verzeih nstr Gött die Seng")! — 
Verdammt, mD' ärjet sich nach doot — 
So musserawle") Keng! 
*) Aus dein „Hessischen Dichterbuch" (3. Ausl. Mar 
burg, 1901). 
Baß denkt wull so e Jangensdenk")?! 
Köum tracke heugern Ohn, 
On schond e Mensch? Die Döusigkrenk")! 
Dä Kälte eß velohn! 
Bär weeß, baß ser e Klonder") eß? 
Bär kennt die schläächte Wält! 
Die höt so secher on geweß 
Kin eenzge Häller Gäld!" 
„Die höt," fangt Se nach 0 se schälln, 
„Kin Lompe oseduh, 
Die beugt") sich, met Respäkt se mästn, 
D's Hemm met ^nol^e 19 ) zu! 
Nu Wells schond met, deß sräche Dier, 
— Ja, denk b’x ackescht nur!" — -- - 
On hattig 2 I langt se sich Papier 
On schrebb d'm Jang reduhr: 
„Du Nechtnatz, engerschteste 22 ) Dich, 
On denzt 29 ) däs Mensch dohär. 
Da beste"che kreizanglecklich, 
Das süj ich Der verhär! 
Bei ins do wann die dreißig öus, 
Bie mer ins hon gefreit, 
On Du? — Weeß Gött, do wätt nechts röus! 
Du best net rüächt gescheit! 
Brengst Du die Jnstuänza met, 
— Ja, schlo DKsch nur en stöend ! — 
Söst seng nstr Denge Ellen net 
On Du net mie ins Kend! 
Mr docht, in gurre Jang se zieh, 
Kin Brurer Lerrerlich! 
Velohn eß inse gahnze Mich — 
Pfui, Nechtnatz, besser Dich!" 
Kcinrich Kranz. 
tz Bursch. ") allmählich. geschwind, si etwa acht 
Tage. °) Urlaub. 6 ) Ihr. 7 ) las. 8 ) werde. 9 ) närrische 
Wort. ") Dort herum. ") Schatz, Geliebte. 'h Schmerz, 
vgl. mhd- bru8t. 1S ) Sünde. ") franz. uimärablk. 
15 ) „Junges Ding", dummer Junge, 'si — tausend Krenke 
(vgl. hochd. „die tausend Schwerenoth kriegen"), 'h Plunder, 
schmutziges Frauenzimmer. 18 ) bindet. 19 ) Knoten, ch halt. 
") hurtig. unterstehst du. ziehst, schleppst.
	        

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