Full text: Hessenland (15.1901)

M 16. XV. Iahrgllnc,. Kassel. 16. iiiQiilt 1901. 
Zur krutereit. 
Segnend schreitet durch die Flur 
Gott, mit vollen fänden spendend. 
Und das Werk der Allnatur 
wie alljährlich still vollendend. 
was ich that, thu' ich auch heut: 
Sammle die verlornen Aehren, 
Die Er auf dem weg verstreut — 
Bis sie sich zu Garben mehren, 
Daß ich sie nicht kann nach Lsaus 
Aus den schwachen Schultern tragen: 
Jauchzend steck' ich einen Strauß 
Auf den vollen Erntewagen. 
Ober kl in gen. Karl kfNSl KllOClt. 
IKein Baum. 
Fürwahr, in Frieden laßt mir meinen Baum, 
Den ich gepflanzt im jungen Sonnenlicht, 
Und seinen stillen, glückgeweihten Raum 
Betretet nicht, 
Der Stamm braucht Zeit zum Wachsen und Gedeih'n 
Und Ruhe, Ruhe, bis er einst verzweigt 
Und blätterschwer sich vor dem Sonnenschein 
voll Dank verneigt. — 
Fürwahr, in Frieden laßt mir meinen Baum, 
Der in die Sonne treibt so jung und schlank, 
Damit er blüh' in seinem stillen Raum 
Auch Euch zu Dank. 
München. 6uslrw Adolf Müller. 
Der Mutter Stimme. 
. . . Und als er an's Ende der Erde gekommen, 
Ist die Welt vor seinen Blicken verschwommen . . 
Auf's, grüne Lager, von Palmen beschattet, 
Sank der Bestaubte, versehnt und ermattet. . . . 
Und da er zum Schlummer die Lider geschlossen, 
Sind bseimathblumen dem Boden entsprossen: 
Eine lebende Hecke, ein Näuerlein traut, 
Haben die Zarten um ihn gebaut . . . 
Und haben zu reden angefangen — 
Sic plauderten, lockten, weinten und sangen. . . . 
Der Einen Laute klangen gebrochen. 
Mit der Mutter Stimme hat sie gesprochen. 
Tief beugte sich jene Blume nieder 
Und fragte nur leise: „Wann kehrst Du wieder?" 
Raboldshausen. §A8d)2 6lftt.
	        

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