Full text: Hessenland (15.1901)

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Sodann sprach er allen, die mitgewirkt haben an 
dem Werk der Restauration, seinen Dank ans. 
Noch weitere Ansprachen wurden gehalten. Zum 
Schluß solgte ein Rundgang durch die Ruine, 
welcher allseitig befriedigte und allen Theilnehmern 
die Ueberzeugung gab, daß hier etwas ganz Vor 
treffliches geschaffen sei. Mit dem Abeud-Sonderzug 
kehrte die Mehrzahl der Theilnehmer, die dem 
Hessischen Geschichtsverein, dem Niederhessischen 
Touristenverein und dem Verein der Althessen an 
gehörten, wieder nach Kassel zurück. 
Auszeichnung. Dem Füsilierregiment 
von Gersdorfs (Hess.) Nr. 80 in -Wiesbaden, 
welches aus dem kurhessischeu Garderegiment hervor 
gegangen ist, ist ans Wunsch seines Chefs, der Kaiserin 
Friedrich, von dem Kaiser eine am Kragen und auf 
den Aufschlägen zu tragende Stickerei verliehen worden. 
Kessische Müctzerrsctzcru. 
Julius Rodenberg. 26. Juni 1831 — 1901. 
Berlin, Verlag von Gebrüder Paetel, 1901. 
8°. VII und' 133 S. 
Als Festgabe zu Julius Rodenberg's kürzlich statt 
gehabtem 70. Geburtstag ist für die Freunde und 
Verehrer des Dichters soeben ein Rodenberggedenk- 
bnch erschienen, das wegen seiner Eigenart in hohem 
Grade Beachtung verdient. Auf Einladung und An 
regung der Gebrüder Paetel haben sich namhafte 
Dichter, Gelehrte und Schriftsteller zusammen ge 
sunden, um in gebundener und ungebundener Sprache, 
in Ernst und scherzender Laune den Jubilar in den 
verschiedenen Phasen seines Lebens und aus den 
verschiedenen Gebieten seiner segensreichen Thätig 
keit zu feiern und ihn als Menschen, als Schrift 
steller, als Dichter, Berliner Wanderer, Gast 
freund, Familienvater, Freund, Herausgeber und so 
weiter zu schildern. Eröffnet wird der bunte Reigen 
ernster und heiterer Ansprachen durch Marie Ebner- 
Eschenbach, die dem Freunde, Förderer und Be 
schützer ihrer geistigen Kinder gebührenden Dank 
zollt. Pauline Israel, geb. Rodenberg, 
die noch lebende der beiden Schwestern des Dichters, 
feiert ihn als Bruder zu Hause und giebt interessante 
Erinnerungen aus der Jugendzeit der Beiden. Ihr 
schließen sich in ungebundener Rede Wilhelm ine 
von Hillern, die Jugendfreundin Rodenberg's, 
Erich Schmidt mit einem trefflichen Charakter 
bilde, das wir an anderer Stelle wiedergeben, 
Ernst von Wildenbruch („Rodenberg als Ber 
liner Straßenbummler"), Bernhard Suphan 
(„Weimar"), Paul Schlenther („Rodenberg als 
Erzieher"), Gebrüder Paetel („Redaktions 
geheimnisse aus Lützowstraße 7") und der Berliner 
Stadtbibliothekar Dr. Arend Buchholtz mit 
einer äußerst werthvollen, genau verzeichneten 
bibliographischen Uebersicht der Werke Rodenberg's 
an. In gebundener Rede sind vertreten Karl 
Frenzel („An Julius Rodenberg. Eine Berliner 
Epistel") und Paul Heyse („An Julius Roden 
berg zum 70. Geburtstag"). Hermann Grimm, 
den Landsmann und Freund Rodenberg's, haben 
wir leider vergebens unter den Mitarbeitern des 
Gedenkbuches gesucht. Er hat den Geburtstag 
und das Erscheinen des Werkes nicht mehr erlebt. 
Vielleicht hätte eine literarhistorische Würdigung 
Rodenberg's, etwa aus der Feder Erich Schmidt's, 
als würdiges Seitenstück zu der Bibliographie der 
Werke den Werth des Festbuches noch erhöht, 
Aber auch ohnedies ist es ein prächtiges Büchlein, 
das als eine eigenartige Biographie Rodenberg's 
den Leser von Ansang bis zu Ende fesselt. 
' W. S. 
Iuliana oder die Macht der Liebe. Trauer 
spiel in einem Auszug von August Gotthard. 
E. Pierson's Verlag, 1897. 
Der Dichter hat sich einen dramatisch sehr wirk 
samen Stoff gewühlt: Ein in römischem Gladiatoren 
dienst stehender germanischer Fürstensohn wird zum 
Wächter der Vestalin Juliana gesetzt, deren Ver 
brechen der Uebertritt zum Christenthum ist. Da 
für soll sie vor den Augen Domitian's im Colosseum 
wilden Thieren vorgeworfen werden. Valerius, ihr 
Wächter, hat Juliana lieb gewonnen und will sie 
zur Flucht bewegen. Da sie ihm nicht folgen will, 
beschließt er mit ihr zu sterben. Er tödtet seine 
Geliebte, damit sie nicht in die Zähne der Raub 
thiere falle. Der Aufseher des Colosseums tödtet 
Valerius, der ihn um die kaiserliche Gunst gebracht 
hat und vergiftet sich. — Meiner Ansicht nach 
hätte der wohlgelungene Aufbau des Aufzugs zu 
einem vollaktigen Drama verwerthet werden können. 
Dazu stehn dem Dichter offenbar die Mittel bereit. 
Die spannende Führung der Handlung ersetzt die 
ihm abgehende Charakteristik der poetischen Sprache. 
Doch entbehrt diese einer wirksamen Gehobenheit 
durchaus nichts Kleinere Verstöße sollten um so mehr 
vermieden werden, wie Wälderen S. 10 Z. 2 v. o. 
und wers' S. 21 Z. 10 v. o. statt Wäldern und
	        

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