Full text: Hessenland (15.1901)

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in die Höhe getrieben wurde, während es gleich 
zeitig ans den Treppen heranssprang und bei 
deren Begehen die größte Vorsicht geboten war. 
In der Villa Aldobrandini daselbst aber sand 
mail einen Wasser speienden „Niesenkopf unter 
dem Felsen mit den Armen hervorragend", „für 
allem aber einen Oontaurus" „welcher ans einem 
grüngefärbten messingenen Horn einen solchen 
starcken Laut von sich gibt, daß, wer nahe dabey 
stehet, die ohren zuhalten muß, gegenüber spielet ein 
ander Bild ans 12 flutes douces.* **) ) Alle diese 
inventiones werden durch einen unterirdischen 
Wind und das Wasser also getrieben". Auch 
befand sich daselbst eme Fontaine, die „das Wasser 
bey 30 schuh hoch in die höhe wirfst" und eine 
prachtvolle Orangerie. Auch in Tivoli wurden 
merkwürdige Wasserkünste mit zahlreichen wasser- 
speienden Figuren, Fontainen, Girandolen und 
einer Wasserorgel gesehen. Haben wir hier die 
wesentlichen Vorbilder namentlich der Kasseler 
Anlagen vor nns, so erinnern wir uns gleich 
zeitig, daß die Orangerie^) sowohl als auch das 
Oktogon mit den Kaskaden nebst Zubehörß) 1701 
begonnen worden sind. 
Am 17. Februar reiste der Landgraf mit 
seinem Gefolge von Rom nach Neapel ab, durch 
die polltinischen Sümpfe zu Schiffe, außerdem zu 
Wagen oder mit Reit- und Packpferden. Die 
Reise wurde jetzt wegen der bevorstehenden Ver 
mählung sehr beschleunigt, weshalb der Aufenthalt 
in Neapel nur vier Tage dauerte. Dort wurde 
der Karneval mitgemacht, das Fiudelhaus be 
sichtigt, der Vesuv und die schwefelreiche Gegend 
von Pozzuoli (von Klaute Puozzoli genannt) 
besucht, auch lernte der Landgraf den Principe 
di Tribisario kennen, der ihm viel Annehmlich 
keitei! erwies und zum fürstlichen Kammerherrn 
ernannt wurde. Die Rückreise sollte anfangs zu 
Wasser gemacht werden, da aber zu stürmisches 
Wetter eintrat, so wurde sie von Nettuno an zu 
Lande fortgesetzt. Am -28. Februar waren die 
Reisenden wieder in Rom, wo „abermalige beweg 
liche axeitatoria zur Rückkehr von Berlin und 
Kassel" vorgefuuden wurden. Es wurde daher 
die Reise schleunigst fortgesetzt. In Siena erregte 
das Haus der heiligen Katharina großes Auf 
sehen, auch mußten Karl, der Oberhofmarschall 
und Klaute ihre Namen nebst einem Denksprnch 
in ein Buch eintragen, das zwei Abgeordnete 
„von der Teutschen Nation" der Universität zum 
Einschreiben brachten; es hielten sich nämlich dort 
*) Wohl eine Panflöte. 
**) Gerland a. a. O. S. 16. 
f) Landau. Malerische Ansichten von Hessen. Kassel 
1842, S. 148. 
viel' studierende Deutsche auf, weil sie daselbst 
„besondere Freyheiten zu geniesten" hatten, weil 
daselbst „wolfeil Zehren" war und weil dort „die 
Toscanische Sprache in ihrer pnrskot geredet" 
wurde. Ju Floreuz kaufte der Landgraf von 
den dortigen Dominikanern gefertigte Essenzen 
und Balsame für 10 Doppien und ferner „eine 
quantität Mosaischer steine", die durch Bankier- 
vermittelung an den Hosrentmeister Rumpel zu 
Kassel verschickt wurden und daselbst „richtig und 
wohl eonditionirt" angekommen sind, sich auch 
vielleicht noch in den Kasseler Sammlungen be 
finden. In Pistoja ließ man sich die Mär aus 
schwätzen, daß von hier „die beyden Brüder 
Guelphus und Gibellus, davon dieser au Kayser 
Xridorieo Barbarossa, jener aber am Pabst 
OrsKorio IX gehangen und grosse Unruhe an 
gerichtet . . . bürtig gewesen seyen." 
In Pisa wurde den Reisenden in der Kirche 
8. Maria de Sasso der wahre Eingang zur Hölle 
in Gestalt eines mit einem doppelten eisernen 
Krenzverschluß versehenen Loches gezeigt, in dem 
„eine solche glut wäre, wann man eine gerupfte 
ganss an einem stock nur in etwas hinabliesse, 
und wieder heraufziehe, seye sie in zeit von 2. 
ä 3 Minuten gebraten"; als aber der Land 
graf sofort die Probe machen und eine Gans 
holen lassen wollte, erklärte der geistliche Führer, 
er habe den Schlüssel verloren und könne deshalb 
nicht öffnen. Klaute mußte daher aus den 
Wunsch Karl's sich auf den Bauch legen und 
seinen entblößten Arm neben dem Verschluß durch 
in das Loch stecken, verspürte dabei jedoch keine Hitze, 
wohl „aber vielmehr eine heraus steigende kühlung". 
Von Genna aus besah der Landgraf die bei 
zahlreichen Orten an der Riviera befindlichen 
Fabriken von Sammet und Seide, in Genna 
selbst die Orangerien und Lustgärten, auch kaufte 
die Reisegesellschaft dort allerhand Seidenwaaren, 
namentlich Handschuhe und Strümpfe, die dort 
sehr billig waren, ein. Dann wurde die Reise 
über Tortoua und Pavia nach Mailand fort 
gesetzt, wo der Landgraf trotz seines angenommenen 
Namens erkannt und durch einen schleunigst vom 
Gouverneur eingerichteten Ball gefeiert wurde. 
Weiter ging die Reise und zwar zu Pferde über 
die Borromäischen Inseln, Como, Bellinzona bis 
Airolo, wo der Landgraf wie. auch folgenden 
Tags zu Urseren einige Bergkrystalle kaufte und 
wo zu Mittag gespeist wurde. „Inzwischen 
wurden die Pferde von neuem beschlagen und 
geschärfft. Jhro Hoch-Fürstl. Durchl. nebst deren 
Herrn Ober-Marschall wollen ans schlitten den 
Gotthard hinauf fahren, welche nur schlechter, 
wie Unsere holtzschlitten, und unten mit einem
	        

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