Full text: Hessenland (15.1901)

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sich ungestört* **) ), ohne daß sich der Feind zeigte. 
Obschon am 14. St. Germain mit 10 000 Mann 
bei Bergen eintraf, unterließ der Herzog Broglie 
jede Verfolgung des Feindes. Es galt ihm nur, 
Friedberg zu sichern, wofür er die betreffenden 
Vorkehrungen durch Abordnen verschiedener Detache- 
ments traf.' 
Die beiderseitigen Verluste am 13. April. 
Die Angaben über die französischen Verluste 
in der Schlacht bei Bergen sind sehr widersprechend 
und unzuverlässig. Während nach einigen fran 
zösischen Berichten der Verlust auf 500 Todte 
und 1300 Verwundete berechnet wird, erwähnen 
andere Zusammenstellungen einen Verlust von 
4000 Mann. Nach Sodenstern sei sogar der 
Verlust der Franzosen seitens der Verbündeten 
auf 2225 Todte und 4000 Verwundete, also 
insgesammt auf 6225 Personen geschätzt worden. 
Auf alle Fälle ist die Angabe 500 Todte und 
1300 Verwundete zu niedrig. Da nach geg 
nerischen ' Berichten die Heftigkeit des Geschütz- 
feuers der Verbündeten erwähnt wird, so müssen 
die Verluste bedeutender gewesen sein. Abgesehen 
von dem großen Verluste, den das Regiment 
Beauvoisis durch den Angriff des Reitergenerals 
von Urff erlitt, erforderte auch das heftige Feuer 
gefecht bei dem dreimaligen Vorgehen ans der 
Ostseite von Bergen trotz der theilweise gedeckten 
Stellung der Franzosen viele Opfer, da der Sturm 
der Grenadiere nach dieser Seite hin mit seltener 
Bravour unternommen wurde. 
Nach Renouard erlitt die französische Armee 
einen Verlust von 4 höheren Offizieren einschließ 
lich des einige Tage daraus an seinen Wunden 
verstorbenen sächsischen Generals von Dyherrn. 
Verwundet wurden von höheren Offizieren 2, 
Prinz Camille von Lothringen und Oberstlieutenant 
von Wurmser. Das Regiment Piemont zählte allein 
43 todte und verwundete Offiziere, das Regiment 
d'Alsace 18 todte und verwundete Offiziere. 
Nehmen wir an, daß der Verlust der Franzosen 
mindestens derselbe war, wie der der Verbündeten, 
so läßt er sich aus rund 2600 Mann**) schätzen. 
*) Nach Mauvillon soll der Feind schon am 
folgenden Tage den Verbündeten nachgesetzt sein, mit 
welcher Ansicht er allein dasteht. 
Tempelhoff rechnet es dem Herzog von Broglie zu 
großer Ehre an. daß er den Feind nicht verfolgte, und 
daß er damit nach richtigen Grundsätzen gehandelt habe. 
„Denn in der That machen die Maasnahmen des Herzogs 
Ferdinand es sehr wahrscheinlich, daß er nichts mehr 
wünschte, als die französische Armee in eine Gegend zu 
ziehen, wo er sie mit Vortheil angreifen konnte." 
**) In dem „Theatre de la guerre present en 
Allemagne“ heißt es: ,4/68 Francois perdirent 3 ä 4 
mille hommes.“ 
Aus dem einem Briefe*) an den Landgrafen 
von Hessen beigefügten „Extract von dem Verlust 
der sämtlichen Infanterie, Kavallerie und Artillerie, 
auch leichten Truppen in der Affaire vom 13. April 
1759" geht hervor, daß auf Seiten der Ver 
bündeten ein Verlust von 122 Offizieren und 
2521 Gemeinen, insgesammt von 2643**) Personen 
zu beklagen war, unter denen sich allein an 
Todten 12 Offiziere und 458 Mann, an Schwer 
verwundeten 65 Offiziere und 1134 Mann be 
fanden. 
Aus der Lifte der Todten stehen an höheren 
Offizieren aus den hessischen Regimentern General 
lieutenant Prinz von Isenburg, Major von Can 
stein , stellvertretender Brigademajor Rittmeister 
von Gilsa, die bei den ersten Angriffen aus der 
Ostecke von Bergen fielen. Von den höheren 
Offizieren der Hannoveraner blieben todt: der 
Oberstlieutenant von Dinklage, der Braunschweiger: 
Oberst von May. 
Unter den Schwerverwundeten erwähnen wir an 
höheren Offizieren Oberstlieutenant von Buttlar, 
Oberstlieutenant Heister, Major von Kniphausen, 
Major von Bülau. 
Unsere Angabe von einem Gesammtverlust von 
2643 Mann, die insofern Anspruch auf größere 
Genauigkeit machen darf, als sie später wie die 
von dem Generalstabswerk, Renouard und Soden 
stern benutzten Listen aufgestellt wurde, stehen die 
Verlustziffern von 2373 bei Sodenstern und 
2379 in dem Generalstabswerke entgegen. 
Bei der Angabe der Verluste der einzelnen 
Kontingente gehen die Zahlen gleichfalls ausein 
ander. Während unsere Quelle von hessischen 
Offizieren erwähnt: 6 todt, 53 blessirt und 2 
vermißt, zusammen 60, giebt Sodenstern nur 58 
an. Die Verluste der Hannoveraner betrugen 
nach der Liste: „Von den 5 Bataillonen Han 
noverscher Infanterie Jägers zu Fuß und Artillerie 
in der Action am 13. April bey Bergen Ver- 
lohrenen" 4) 25 Offiziere, 544 Mann, nach Soden 
stern abzüglich der Verluste der Kavallerie mit 
7 Offizieren und 105 Mann: 22 Offiziere und 
502 Mann. 
Die größten Verluste hatten die hessischen 
Regimenter mit einer Gesammtanzahl von 60 
Offizieren und 1101 Gemeinen, mithin an Offi 
zieren die Hälfte, an Gemeinen vier Zehntel des 
Gesammtverlustes. 
*) Marburger Archiv-Akten. 
**) Nach dem „Theatre etc.“: ä pres de 6000 hommes 
tant tues queblesses“, welche Verlustziffer der Wirklich 
keit durchaus nicht entspricht, 
t) Marburger Archiv-Akten.
	        

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