Full text: Hessenland (15.1901)

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nunciatio" (1865) und die Herausgabe der Kasseler 
Stadtrechnungen (1871) bei uns bekannt. 1872 
wurde er als Kammergerichtsrath und vortragender 
Rath im preußischen Justizministerium nach Berlin 
berufen, daneben Mitglied, 1886 Präsident der 
Justizprüfungskommission, 1887 auch ordentlicher 
Honorarprofessor, 1891 Mitglied des Herrenhauses 
und Kronsyndikns. 
Alterthumsfund. Bei einer baulichen Ver 
änderung in einem Hause der Ritterstraße in 
Marburg wurde ein aus gebranntem Thon kunst 
voll hergestelltes hessisches Wappen mit der Jahres 
zahl 1680 aufgefunden. Leider ist ein Stück an 
der rechten Seite desselben abgebrochen; der untere 
Theil mit dem eigentlichen Wappen ist jedoch 
vollständig erhalten. Für Alterthumssreunde dürfte 
der Fund sehr interessant sein. Die alten Häuser 
in der Ritterstraße wurden in früherer Zeit, wie 
aus dem Namen hervorgeht, von Rittern bewohnt, 
und dürfte das Wappen damals als Kaminschmuck 
gedient haben. 
Kesfrsche Wrrchevschcru. 
Knmmer, Alexander. Die deutschen Reichs- 
münzen vom Jahre 1871 bis 1898 
und bezügliche Gesetze u. s. w. IV und 
139 S. Kleinquart. Mit sechs Tafeln. Dres 
den (Verlag von Oskar Thiele (Richard Dillerj) 
1899. Gebunden 6 Mark. 
Dieses vortreffliche Buch, das fast vollständig 
auf Grund amtlicher Quellen bearbeitet ist, bringt 
in der Weise, wie die bekannten Schwalbach'schen 
Bücher die Prägungen vor der einheitlichen Prä 
gung behandeln, die seit Erlaß der betreffenden 
Reichsmünzgesetze geschlagenen Stücke bis zum Jahr 
1898, zum Theil bis 1899. Es wird nicht lange 
dauern, dann wird man vielfach mit dem Sammeln 
unserer Reichsgeprüge beginnen, vielleicht giebt das 
Kummer'sche Buch dazu den Anstoß, wie einst 
Schwalbach zu den Thalern. Und jetzt sind die 
meisten Reichsmünzen in ihren Haupttypen noch 
leicht, meist zum Nennwerthe, zu beschaffen; was 
wird aber vielleicht in zwanzig Jahren z. B. eine 
vollständige Reihe der sämmtlichen Porträts auf 
Zwei Mark-Stücken kosten! 
Von hessischen Reichsmünzen, die theils noch zu 
Darmstadt (EL), theils schon zu Berlin (A) geprägt 
sind, führt Kummer im ganzen 69 Stück an in 
28 Geprägen, nämlich 
4 Gepräge von Doppelkronen in 8 Jahrgängen, 
6 Gepräge von Kronen in 14 Jahrgängen. 
2 Gepräge von halben Kronen (beide von 1877), 
4 Gepräge von (silbernen) Fünf Mark - Stücken in 
6 Jahrgängen. 
4 Gepräge von Zwei Mark-Stücken in 7 Jahrgängen, 
1 Gepräge von Mark-Stücken (6) in 6 Jahrgängen 
und 1 Variante, 
2 Gepräge von Fünfzig Pfennig-Stücken (H) in 4 Jahr 
gängen. 
1 Gepräge von Zwanzig Pfennig-Stücken (H) in 4 Jahr 
gängen und 1 Variante. 
1 Gepräge von Zehn Pfennig-Stücken (II) in 4 Jahrgängen 
und 1 Variante, 
1 Gepräge von Fünf Pfennig-Stücken (II) in 2 Jahr 
gängen, 
1 Gepräge von Zwei Pfennig-Stücken (II) in 3 Jahr 
gängen und 2 Varianten. 
1 Gepräge von Pfennig-Stücken (H) in 3 Jahrgängen 
und 1 Variante. 
Bemerkenswerth ist, daß es das von Hoffmeister 
und dem Prinzen Alexander angeführte Fünf Pfennig- 
Stück H von 1874 anscheinend gar nicht giebt, da 
das hessische Finanzministerium es in der ihm vom 
Verfasser zur Prüfung vorgelegten Liste gestrichen 
hat. Der Verfasser bemerkt, daß er dieses Stück 
noch nicht gesehen hat, und auch ich besitze nur 
die Jahrgänge 1875 und 1876. 
Im Ganzen sind 283 Münztypen mit Angabe 
der Jahrgänge beschrieben, zu denen letzthin frei 
lich schon wieder etliche hinzukommen sind z B. 
die preußischen Jubiläumsstücke und die neuen 
Prägungen von Sachsen-Meiningen, Oldenburg, 
Sachsen - Altenburg, Mecklenburg - Schwerin und 
Lübeck. Dann sind drei vom Staate ausgegebene 
Denkmünzen und die sechs mecklenburgischen Kupfer 
münzen in Markwährung von 1872 beschrieben. 
Die Beigabe der Münzgesetze, statistische Tabellen 
und die schönen Lichtdrncktaseln machen das Buch 
sehr werthvoll für jeden, der für Münzen Interesse 
hat, auch wenn er kein Sammler ist. 
Leipzig. Weimncister. 
Die neunte Kompagnie. Ein Unteroffizier- 
roman von Ferdinand Runkel. Berlin 
(Voll & Pickhardt) 1901. 166 S. 
Unser Landsmann — Runkel ist geborener 
Hanauer — entwirft in dem vorliegenden Werke 
frische und flotte Bilder aus dem Soldatenleben. 
Unteroffizierromane scheinen heute durch Zapp, 
Schlicht und Krauß modern zu werden, und da die 
Erlebnisse einer solchen Romanfigur nicht sehr groß 
sein können, will es schon etwas heißen, nicht nur 
eine Variation des alten Themas zu bringen. Aller 
dings geht auch RunkeUs Roman aus wie „Vizeseld- 
webel Starke" von Krauß. Da es aber dem Verfasser
	        

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