Full text: Hessenland (15.1901)

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Niemals werd' er mehr genommen 
Aus den Mauern Arnsburgs fort, 
Er soll nicht als Geißel kommen 
Hin an einen bösen Ort, 
Kein Franzos') soll ihn mehr schrecken 
Und kein Bataver ihn necken. 
Wetzlar, Altenburg und Gießen, 
Engelthal, Marienschloß, 
Die ihm ihre Lieb bewiesen, 
Seiner Freunde ganzer Troß, 
Die Frau Meisterin") vor allen 
Suchen ihm nur zu gefallen. 
Er soll gut sich conservireu, 
Bis die Jubelzeit erscheint, 
Fünfzig Jahr zu celebriren. 
Und dann rufen wir vereint: 
Lange lebe unser Stock, 
Stehe fest sowie ein Block! 
') Dies bezieht sich auf die Drangsale, die das Kloster 
Arnsburg in den Nevolntionskriegen, des. in den Jahren 
1762 und 1795, erduldete. — 2 ) Küchenmeisterin. 
Dr. August Ztoescheu. 
Ueber das G e b tl r t s h a u s Her in a n n 
Grimm's und andere Erinnerungen an die 
Grimm'sche Familie erzählt der „Spaziergänger" 
des „Kasseler Tageblatts" Folgendes: Das Licht 
der Welt hat Hermann Grimm, nach dem Kasseler 
Adreßbuch seines Geburtsjahres 1828 zu schließen, 
in der Bellevue Nr. 6, dem Eckhaus an der Georgen- 
straße, erblickt, welches als die Wohnung der beiden 
kurfürstlichen Bibliothekare Jakob und Wilhelm 
Grimm (irrthnmlich steht Dr. C. Grimm im Adreß 
buch) und des Malers Ludwig Grimm angeführt 
Airs Keirncrth 
Universitätsnachrichten. Zum Rektor der 
Universität Gießen für das Rektoratsjahr 1901/02 
wurde der ordentliche Professor der Botanik Dr. 
Hansen gewählt. — Professor Dr. Olt von der 
thierärztlichen Hochschule in Hannover hat einen 
Ruf an die Universität Gießen erhalten und an 
genommen. — Zum Nachfolger Professor v. Below's 
zu Marburg ist der ordentliche Professor der Ge 
schichte an der Universität Straßburg, Dr.Barren 
trapp, berufen worden, der bereits früher ander 
Marburger Hochschule gewirkt hat. — Zum Nach 
folger des verstorbenen a. o. Professors Dr. Joseph 
in Marburg ist, wie verlautet, der a. v. Professor 
für neuere Literaturgeschichte in Halle, Dr. Ernst 
Elster, der bekannte Heineforscher, ernannt worden. — 
Der außerordentliche Professor zu Straßburg Die. 
tbeol. Dr. phil. Friedrich Schwally ist zum 
außerordentlichen Professor an der philosophischen 
wird. Ein vierter Bruder, Sprachlehrer Karl 
Grimm, wohnte untere Köuigsstraße 1146. Bon 
diesem, einem früheren Kaufmann, der in einer 
norddeutschen Handelsstadt um sein Vermögen 
gebracht worden war, geben die „Hessischen Er 
innerungen" ein sehr anschauliches Bild, das um 
so bemerkenswerther ist, als über diesen Träger 
des berühmten Namens sonst wohl nichts aus die 
Nachwelt gekommen ist. „Er ' lebte ganz zurück- 
gezogen", heißt es in dem genannten Büchlein, 
„war ledigen Standes und hatte nur Verkehr mit 
seinen Schülern. Er wohnte meist im Hessischen 
Hofe zu Kassel und man sah ihn täglich zu be- 
stiuunien Nachmittagsstnnden aus dem Friedrichs 
platz spazieren gehen. Er hatte meines Wissens 
nur einen einzigen Anzug, Sommer und Winter 
denselben, einen hellblauen Oberrock von Camelot 
und graue Beinkleider, trug stets, auch beim schönsten 
Wetter, einen rothen Regenschirm und im Winter 
einen kurzen, grauen Tuchmantel mit langem 
Kragen. Er war ruhig und streng als Lehrer, 
achtete auf die kleinsten Fehler bei der Anssprache 
und wies mit Milde zurecht. Seine Gesichtszüge 
waren regelmäßig, aber ernst und fast leblos; seine 
großen, blauen Augen matt und trübsinnig; er 
lächelte selten und lachte nie. Sein Bruder Louis 
Emil hat uns sein Bild in einer sinnigen Radirnng 
hinterlassen." Mit seinen berühmten Brüdern 
scheint Karl Grimm die Vorliebe zu der Sprach 
wissenschaft getheilt und besonders als Lehrer des 
Französischen eine Schaar sehr anhänglicher Schüler 
gefunden zu haben. Er war 1787 geboren und 
erreichte ein Alter von 65 Jahren. 
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und gfremde. 
Fakultät der Universität Gießen mit Wirkung vom 
16. August an ernannt. — Der Grundstein zu 
der neuen Universitäts-Bibliothek in Gießen wird 
zu Beginn des Wintersemesters gelegt werden. 
Mit der Grundsteinlegung wird voraussichtlich eine 
Festlichkeit verbunden werden. 
Jubiläum. Seinen 70. Geburtstag feierte 
am 28. Juni Wirkt. Geh. Regierungsrath Professor 
Dr. zur. vt phil. Adolf Stölzel, eine auch in 
Hessen hochgeschätzte Persönlichkeit. Geboren 1831 
in Gotha, stndirte er in Marburg und Heidelberg 
die Rechte, trat in den kurhessischen Justizdienst, 
war 1861—72 Richter in Kassel und machte sich 
als solcher durch sein 1861 anonym mit mehreren 
Andern herausgegebenes „Handbuch des knrhessischen 
Zivil- und Zivilprozeßrechts", durch seine ebenfalls 
in Kassel erschienene „Lehre von der operis novi
	        

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