Full text: Hessenland (15.1901)

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In vollständiger Täuschung befand sich der 
Herzog Ferdinand, als er auf feinem Rekvgnoszir- 
ritt wahrzunehmen glaubte, der Feind fei noch 
nicht geordnet, das Dorf und die Höhe von 
Bergen seien mit etwa 4000*) Mann besetzt. 
Der Erbprinz von Braunfchweig bekam hieraus 
Befehl, das Dorf mit der Spitze feiner Avant 
garde zu nehmen. „Den Angriff thäte der 
General-Major Gilsa um halb 9 Uhr mit denen 
Grenadier-Bataillons von Dehne, von Gramm, 
und 1 Bataillon Zastrow, Braunschweiger, auf 
das lebhafteste eben zu der Zeit, daß die übrigen 
Trouppen der avant Oaräs sich rechts auseinander 
zogen und so ordre de bataille rangirt." **) 
Den Vereinten Kräften der 3 Grenadierbataillone 
gelang es, den Vor der Ostfeite Von Bergen her 
ziehenden hohlen Weg zu nehmen, den Feind aus 
den Hecken und Gärten Vor diesem Orte heraus 
zuwerfen und zum Rückzüge in den Flecken zu 
nöthigen. Die braven Grenadiere gaben kein 
Pardon, hieben alles nieder und eroberten sogar 
einige Kanonen. Wäre ihnen die nöthige Unter 
stützung zur Hand gewesen, so hätten sie Bergen 
nehmen können. So konnten sie sich nur darauf 
beschränken, das Feuergefecht von den Gärten 
aus zu unterhalten, bis ihnen Hülfe zu Theil 
werden würde. 
Es war bereits 9ff^ Uhr; das Gefecht währte 
schon bald eine Stunde, und noch befanden sich 
die Grenadiere auf ihrem isolirten Posten. Nach 
dem sie ihren Führer, den Generalmajor von Gilsa, 
der schwer verwundet wurde, verloren hatten, 
mußten sie, da sie den größten Theil ihrer 
60 Patronen verschossen hatten, weichen. 
Um diese Zeit kam die links marschirende 
Kolonne unter dem Prinzen von Isenburg auf 
dem Schlachtfelds an. Sofort schickte der Prinz 
von seiner Avantgarde das hessische Grenadier 
bataillon Mirbach und 2 Schwadronen han 
növerscher Dragoner von Hammerstein sowie 
4 Schwadronen von Dachenhansen den weichenden 
Grenadieren zu Hülfe. Diese machen wieder Halt 
*) Die Unterschätzung des Feindes seitens des Herzogs 
wird auch in der „histoire de sept ans“ durch den 
König Friedrich bestätigt: „II crut n’y trouver. que 
quelques bataillons, qui trop faibles pour lui resister, 
seraient obliges de se retirer.“ 
D. Retzow (Charakteristik der wichtigsten Ereignisse 
des 7jähr?Krieges w. Von einem Zeitgenossen so. Retzowj. 
11. Bd. Berlin 1802) meint: Angesichts des festen Postens 
von Bergen und dessen zweckmäßige, zur Vertheidigung 
eingerichtete Position habe der Herzog gezaudert, ob er 
schlagen oder sich wirklich zurückziehen sollte, indem ihm 
der Sieg sehr zweifelhaft vorkam. Da ihm Letzteres un 
rühmlich erschien, habe er den Versuch gewagt, um sich 
den Weg nach Frankfurt zu bahnen. 
**) Marburger Archiv-Akten. 
und dringeil mit den Jsenburgischen Truppen bis 
an die Mauer und sogar ein Stück in den Flecken 
selbst vor. 
Als Broglie das Anrücken der Jsenburgischen 
Truppen wahrnahm, sandte er durch die Haupt 
straße des Ortes 5 Bataillone der Regimenter 
Piemont und Royal Roussillon nach der Ostseite 
des Ortes vor. Gleichzeitig rückten 6 Bataillone 
der Regimenter Elsaß, Castella und Diesbach 
durch die Gärten nach der Nordecke vor und 
stellten sich hinter dem Hohlwege aus. 
Die vier Bataillone der hessischen und braun 
schweigischen Grenadiere werden von den Ba 
taillonen Piemont und Roussillon unter Feuer 
genommen und müssen weichen. 
Prinz Isenburg rückt mit frischen Kräften, den 
beiden hannöverschen Bataillonen Marschalck und 
Wreden, zur Hülse herbei. Zum dritten Male 
gelingt es, den Feind in den Ort zurückzuwerfen. 
In demselben Augenblicke rücken die 6 Bataillone 
der Regimenter Elsaß, Castella und Diesbach 
von der Nordecke vor und eröffnen ihr Feuer, 
dem die verbündeten Truppen nicht Stand halten 
können. Zum weiteren Unglücke stürzt Prinz 
Isenburg tödtlich getroffen vom Pferde. Die 
Truppen, ihres Führers beraubt, gerathen in 
Unordnung und ziehen sich gegen 10 72 Uhr in 
wilder Flucht zurück. 
Angriff des Erbprinzen um 9 7* Uhr 
nach der Nord oft ecke von Bergen. 
Während Isenburg mit den Bataillonen Mar- 
schalck und Wreden nach der Ostseite des Fleckens 
vorging, richtete der Erbprinz mit seinen Truppen 
im Vereine mit den noch übrigen Jsenburgischen 
Mannschaften einen Angriff nach der Nordostecke 
des Ortes. Die Jsenburgischen Truppen mußten 
sich mehr links halten, während der Erbprinz 
beabsichtigte, den rechten Flügel der Feinde an 
zugreifen. 
Broglie sandte von der' Westseite des Ortes 
2 Bataillone des Regimentes Beauvoisis durch 
den Ort selbst vor; 2 Bataillone des Regiments 
Rohan wurden an die Nordecke beordert. Die 
in Reserve stehenden Regimenter Dauphin und 
Enghien wurden gleichfalls herangezogen. 
Die französischen Batterien fuhren vom Wart- 
selde aus an dem hohlen Weg nach Vilbel aus 
und richteten ihr Feuer gegen die rechte Flanke 
des Erbprinzen. Dieser wurde zwar Anfangs 
genöthigt, zu weichen, machte jedoch bald wieder 
Halt und ging auf's Neue vor. Auf die Dauer 
konnte er sich jedoch nicht behaupten, und er 
mußte sich allmählich zurückziehen.
	        

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