Full text: Hessenland (15.1901)

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Im Jägerhänschen begrüßte Herr Baron zu Gilsa 
die Erschienenen, die sodann eine Ersrischung ein 
nahmen. Die herrliche Aussicht lohnte die kleine 
Mühsal des Aufstiegs. Im Bahnhofshotel zu 
Zimmersrode speiste man zu Abend, und dann trat 
man kurz nach 10 Uhr die Heimfahrt an. 
Hessischer Geschichtsverein in Mar- 
bürg. Die am 19. Juni unternommene neunte 
Burgenfahrt galt der alten Mainzischen Beste Eln- 
hoch, jetzt Melnau, bei Wetter. Zur -Zeit der 
Herzogin Sophie von Brabant (also um das Jahr 
1260) von dem Erzbischof von Mainz zum Schutze 
des damals Mainzischen Amts Wetter gegen Hessen 
erbaut, seit dem 14. Jahrhundert Lehen der Familie 
v. Hatzfeld, kam die Burg 1464 nach Beendigung 
des Mainzer Stistskrieges pfandweise an Hessen 
und blieb seitdem hessisch, wurde Lehen der Milch 
ling v. Schönstadt, zerfiel aber seit dem 16. Jahr 
hundert, nachdem der Sitz des Amtmanns von der 
Burg in die Stadt Wetter verlegt worden war. 
Seit der Modifikation der Lehen im 19. Jahr 
hundert ist sie Milchlingisches Privateigenthum und 
jetzt in bäuerlichem Pachtbesitz. Seit dem 16. Jahr 
hundert sich selbst überlassen und deshalb immer 
mehr verfallend, im Innern zum Gemüsegarten 
eingerichtet, bietet die Burg noch genügende Reste, 
um sich ein ungefähres Bild ihrer einstigen Anlage 
zu machen. Leider wird der 1329—1331 er 
baute feste Berchsrit bei weiterer Vernachlässigung 
immer mehr zusammenstürzen, wenn nicht bald 
Schritte zu seiner Erhaltung gethan werden. Deut 
lich erkennbar ist der innere Wehrgang, dessen in 
den Baudenkmälern Hessens von Lotz keine Er 
wähnung geschieht. Ein spitzbogiges Fenster ist 
offenbar ein Rest der Burgkapelle. Das unterste 
Geschoß der Burg ist völlig verschüttet und unter 
Gemüsegärten fast verborgen; zwei Räume, die einen 
Einblick von oben gestatten zeigen, daß eine um 
fassende Nachgrabung bezw. Ausräumung einen deut 
lichen Grundriß der ganzen Anlage ergeben würde. 
Hermann Grimm f. Eine reiche Ernte hat 
der Schnitter Tod in den letzten Wochen im Hessen- 
lande abgehalten. Am 17. Juni ist wieder eine 
der bedeutendsten hessischen Persönlichkeiten, Geh. 
Regierungsrath Professor Dr. Hermann Grimm, 
der Sohn Wilhelm GrimnUs und Schwiegersohn 
Bettinas von Arnim, ans dem Leben geschieden. 
Der Verblichene war am 6. Januar 1828 zu 
Kassel geboren, studirte 1846 — 49 in Berlin und 
Bonn die Rechte, wandte sich aber in der Folge 
mehr philologischen und historischen Studien zu, 
die er namentlich in Italien fortsetzte, und lebte 
dann, mit literarischen Arbeiten beschäftigt, in 
Berlin. Seit 1870 Privatdozent für neuere Kunst 
geschichte, wurde er 1873 zum ordentlichen Professor 
an der dortigen Universität und 1884 zum Geh. 
Negierungsrath ernannt. Als Schriftsteller trat 
er als 23jähriger Mensch zuerst mit dem Drama 
„Armin" hervor, dem die Dichtung „Traum und 
Erwachen", das Trauerspiel „Demetrius" und die 
„Novellen" folgten. Seine Studien über Literatur 
und Kunst legte er in den „Essays" und „Neuen 
Essays", in den „Vorlesungen über Goethe", „Homer" 
n. a. Werken nieder. Sein Hauptwerk bildet das 
„Leben Michelangelos". — Wir müssen uns für 
heute mit diesen trockenen Daten begnügen, behalten 
uns aber eine volle Würdigung seiner Persönlich 
keit und seines Schaffens aus der Feder eines 
seiner Schüler für später vor. Mit Hermann 
Grimm ist der letzte der großen deutschen Grimms 
ans dem Leben geschieden. Er hat zwar nur einen 
kleinen Theil seines Lebens in Hessen verbracht, 
aber ihm ist Kassel die Vaterstadt und Hessen die 
Heimath geblieben, und noch viele Jahre später, 
in der Vorrede zu einer neuen Ausgabe der Kinder- 
und Hausmärchen sagt er: „Ich selbst habe nur 
die wenigen Jahre in Hessen gelebt, als wir Göt 
tingen verlassen mußten und nach Kassel zurück 
kehrten, nie aber ist das Gefühl in mir schwächer 
geworden, daß ich in Hessen zu Hause sei, und 
nirgends erscheinen mir Berg und Thal und die 
Aussicht in's Weite so schön." *) 
*) Kinder- und Hausmärchen. Große Ausgabe: Berlin, 
Wilhelm Hertz, 1895. S. V, VI. — Wieder abgedruckt 
in: „Beiträge zur deutschen Kulturgeschichte", Das. 1895, 
S. 217, 218. 
Universitätsnachrichten. An der Universität 
Marburg habilitirle sich der erste Assistent am 
pathologisch-anatomischen Institut Dr. mack. Robert 
Borrmann mit der Antrittsvorlesuug: „Ueber 
das Zusammentreffen von Krebs unb Tuberkulose." 
Der ord. Professor der Gesnndheitslehre an der 
Gießener Hochschule Geh. Medizinalrath Dr. Georg 
Gassky wurde zum außeretatsmäßigen Mitglied 
des wissenschaftlichen Senats bei der Kaiser Wilhelm- 
Akademie für das militärärztliche Bildn,tgswesen 
ernannt. — Der ord. Professor der Philosophie 
Dr. K. Groos aus Basel ist zum ordentlichen 
Professor an der Landesuniversitüt Gießen ernannt 
worden. 
Das 6 O j ä h r i g e D i e n st j n b i l ü u m konnte 
am 26. Juni Generalmajor z. D. Georg von 
Bauer zu Kassel feiern. Der Jubilar ist ein 
Sohn des knrhessischen Generalleutnants Bauer 
und gehörte vom 26. Juni 1841 bis 1866 dem 
kurhessischen Artillerieregiment an. 1881 wurde
	        

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