Full text: Hessenland (15.1901)

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naheliegenden, immerhin auch nach Vs Stunde 
vom genannten Orte entfernten Dörfer wie Helden 
bergen , Ostheim, Kilianstädten, Noßdvrf mit 
höchstens 5000 Mann zu belegen waren, so nmß 
ein Theil der Truppen mtf der erwähnten Höhe 
in der Nähe des Rendezvousplatzes das Lager 
bezogen haben. Diese Ansicht bestätigt auch 
von Netzow, wenn er schreibt: „Er (Ferdinand 
bezw. sein Heer) brachte die Nacht bei Windecken 
unter betn Gewehre zu." 
Die Truppen des Herzogs von Holstein, der 
über Ortenberg das Nidderthal herunter marschirte. 
lagen am weitesten zurück; ihre äußersten Can- 
tonnements am 12. waren 2—3 Stunden von 
Windecken entsernt und befanden sich in Eichen, 
Altenstadt, Langenbergheim. Der Herzog von 
Holstein erläßt am 12., vermuthlich von Eichen 
aus, an den Generallieutenant von Wntginan 
die Ordre: „sämtlichen Jnfanterieregimentern zu 
befehlen, um 3 Uhr morgens Generalmarsch zu 
schlagen ... und sehet sich um 4 Uhr alles in 
Marsch. Das General-rendäs-vvus ist unweit 
Windecken zwischen Kilianstädten und Novsdorfs 
auf deren anhöhen, allwo die Bataillone und 
Escadrons Zugweise neben einander sich placiren. 
Bon jedenl Regimente werden Excellence belieben, 
mir Einen ofsicier noch heute abend hierher zu 
schicken, damit diejenige Befehle, so ans dem 
Haupt-Quartier bekvmnien, Ew. Ercellence zu 
schicken können." *) 
Der Herzog von Holstein konnte, selbst wenn 
er mn 4 Uhr ausbrach, um 7 Uhr erst auf dem 
Nendezvousplatz eintreffen. Es will uns scheinen, 
als ob die Holstcin'sche Kolonne gar nicht ans 
den Nendezvousplatz marschirt sei. Es ist höchst 
zweifelhaft, daß die gesammte Armee der Ver 
bündeten sich aus der Windecker Höhe versammelt 
hat; noch unmöglicher ist es, daß solche Truppen 
massen, und wenn auch nur im Anfange, sich 
auf der einzigen, sogenannten „hohen Straße" 
haben bewegen können, selbst wenn auch Herzog 
Ferdinand mit der Avantgarde unc 6 1 , / 2 Uhr 
abgerückt ist. 
Da der Herzog von Holstein von Altenstadt- 
Eichen kommend, den nordwestlich von Windecken 
in einer Entfernung von 20 Minuten gelegenen 
Ort Heldenbergen berühren mußte, so lag nahe, 
die von Heldenbergen über Büdesheim, der Nidder 
abwärts nach Gronau und Vilbel führende Straße 
zu benutzen, anstatt noch eine Stunde zum Nendez 
vousplatz zwecklos zu vergeuden. Selbst wenn 
der Herzog non Holstein diese Straße nicht benutzt 
hätte und er durch das Städtchen Windecken 
*) Marburger Archiv-Akten: Relations etc. 
marschirt wäre, so war es praktischer, da er ans 
dem äußersten rechten Flügel nach Gronau hin 
marschiren mußte, den 20 Minuten steil aus 
führenden Weg nach der Höhe nicht zu benutzen, 
sondern auf der unmittelbar vor Windecken ab 
führenden Straße nach Kilianstädten zu marschiren. 
Ganz falsch ist es, wenn von einem Darsteller 
behauptet wird, der Herzog von Holstein sei mn 
9 Uhr aus dem Rendezvousplatze angekommen. 
Da feststeht, daß die Holstein'sche Kolonne von 
Gronau ans vorrückte und Gronau von der 
Windecker Höhe 3 Stunden entfernt liegt, so 
wäre der Herzog erst um 12 Uhr eingetroffen, 
als die Schlacht schon beinahe beendet war. 
Ueber den Marsch nach dem Schlachtfelde von 
Bergen von Windecken ans läßt sich Folgendes 
wohl bestimmt annehmen: Um 6 Uhr standen 
auf der Windecker Höhe beim Wartbamn zum 
Abmärsche bereit das Jsenburgische Corps, das 
zum Theil dort in der Nacht vom 12. auf den 13. 
lagerte, und das Corps des Erbprinzen von 
Braunschweig. Die Avantgarde, bei der sich der 
Herzog befand, ging auf der hohen Straße zuerst 
vor; die Artnee des Erbprinzen folgte. Vor 
Kilianstädten schwenkte das Gros derselben rechts 
ab und marschirte über Kilianstädten, Ober- lmd 
Niederdorfelden. Der Prinz von Isenburg rückte 
etwas später ab, benutzte anfänglich gleichfalls die 
hohe Straße, schwenkte hinter Wachenbuchen links 
ab und marschirte über Hochstadt und Bischoss- 
heim ans Bergen. 
Der Herzog von Holstein rückte von Heldcn- 
bergen nach Büdesheim, Gronau, oder er benutzte 
den Weg von Windecken über Kilianstädten. Ober 
und Niederdorfelden, Gronau. 
Es steht fest, daß die Armee der Verbündeten 
in diesen 4 Richtungen nach Bergen marschirte. 
Die leichten Truppen waren jedenfalls bis 
Kilianstädten und Dorfelden vorgeschoben, da sie 
am 13. schon früh mit dem Feinde bei Vilbel 
zusammentrafen. Falls sie direkt von Windecken 
aus vorgegangen sein werden, mußten sie schon 
um 2 Uhr Morgens abmarschirt sein, da sie 
schon nach 7 Uhr den Feind aus Vilbel ver 
trieben hatten. 
Der Angriff auf Bergen. 
An einem Charfreitage Morgens früh setzte 
sich die Armee der Verbündeten in den Marsch 
gegen Bergen, wo nach eingelaufener Mittheilung 
die Streitinacht des Herzogs Broglie stand. Die 
Angrisfsarmee war eingetheilt in die Avantgarde 
und in die Kolonnen zur Rechten ttnb zur Linken. 
Die Avantgarde, bei der sich der Herzog 
Ferdinand befand, führte der Erbprinz von Braun
	        

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