Full text: Hessenland (15.1901)

171 
und Wettereiba S. 202). Bei Landau hätte Herr 
Schäfer sich auch über sein „Montsorts" Raths 
erholen tonnen, das 1453 „Mudesors" genannt 
wird (a. a. O. S. 349). — 
Die jedem Kenner Hessischer Heraldik und 
Genealogie anstößigste Behauptung des Herrn 
Schäfer, daß die Familienwappen beim 
Fnldischen Landadel um das Jahr 1400 
noch nicht ganz fest gewesen seien, sucht 
er, außer durch die im Vorstehendeil widerlegten 
Angaben über die Siegel der v. Lüder, noch 
durch das Beispiel der Familie Winolt zu 
stützen. Er hat in seiner Abhandlung erwähnt, 
daß 1355 ein Volpert Windolt und 1386 ein 
Lutze Windolt, die in Urkunden aus der Gegend 
von Schlüchtern vorkommen, mit zwei Schräg 
balken im Schilde siegeln, während das Lauter 
bacher und Ulrichsteiner Burgmannengeschlecht 
Windolt oder Winnolt, das 1372 mit Hans W., 
Dyderich's Sohn, dem Gott gnade (Baur, Hess. 
Urk. I, Nr. 1061), etwa gleichzeitig nachweisbar 
ist, ein Wappeubild wie die Schleisraß (Kessel 
haken und Beil) führten. Diese letzteren Winnolt's 
erloschen zu Alsfeld in oder kurz vor den: Jahre 
1578; über den Verbleib der Familie W. bei 
Schlüchtern weiß man bis jetzt gar nichts. 
Darauf ist zu sagen, daß der agnatische Zu- 
samnlenhang der genannten Personen keineswegs 
feststeht. Ließe er sich aber etwa auch nachträglich 
ermitteln, so würde der Wappenwechsel eines 
Familienzweiges nach erfolgter Todttheilung 
anzunehmen sein, eine Gepflogenheit, die keineswegs 
selten ist. Die Lauterbacher Winnolts führten 
übrigens bereits im 14. Jahrhundert denselben 
Schild wie die Schleisraß. Es liegen mir Siegel 
zweier Fricze Winnolt's vor (Darmstädter Staats 
archiv, Sammlung loser Siegel, und ein jüngeres an 
Urkunde von 1394 unter Lanterbach). Auch 
Wappenwechsel in Folge von Heirath mit einer ver 
mögenden Erbtochter ist gerade im Fnldischen wohl 
noch hänsiger als anderwärts, wegen der Be 
sonderheit des dortigen Lehnrechts, das die Erb 
töchter vor den Agnaten begünstigte. — 
Endlich ist noch über die Abstammung des 
1722 erloschenen Geschlechts von Lauter zu 
handeln, das den Anlaß zu der Arbeit des Herrn 
Schäfer gegeben hat. Mit Sicherheit ist es seither 
nicht über Wilhelm hinauf zu verfolgen gewesen, 
der seit 1370 als Abt zu Schlüchtern erscheint. 
Wahrscheinlich aber gehörte bereits ein 1330 zu 
Neu hos erwähnter Heinrich v. Luter zu ihm, 
wo die späteren Lauters ein Fuldisches Burglehen 
besaßen. Die Vergleichung dieser im Marburger 
Staatsarchiv verwahrten Urkunde vom 16. Juni 
1330 ergab, daß deren Inhalt wesentlich anders 
lautet, als Herr Schäfer angegeben hat. Abt 
Heinrich von Fulda ermächtigt darin seinen Kaplan 
Johann an der Burgkapelle zu Nuwehof, daß er 
die vom Abt dem Heinrich äs Imsttsrs*) für 
54 Pfund Heller verpfändeten Güter zu Rimundes, 
Riedde und vor Neuhos selbst einlösen dürfe. Für 
die Frage nach der Herkunft dieses Heinrich v. L. 
ist damit wenig gewonnen. Man kann höchstens 
folgern, daß er damals in der Burg Neuhof oder 
deren Nähe ansässig war. 
Dagegen können wir Herrn Schäfer empfehlen, 
eine andere, von ihm nur höchst flüchtig er 
wähnte Spur gründlicher zu verfolgen, daß 
nämlich im Jahre 1322 ein Heinrich v. L. zu 
Schloß Straus an der Koburgischen Grenze an 
gesessen gewesen sei. 
Die eingehendere Vergleichung der Hennebergischen 
historischen Literatur ergab zu meiner Ueber- 
raschung die von Herrn Schäfer übersehene That 
sache, daß sich nach einem der Dörfer Lauter 
bei Koburg schon 1162 ein Geschlecht benannte, 
das in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts 
von dort bereits verschwunden war. Es finden 
sich z. B. 1317 Heinrich v. Luter und seine 
Brüder als Burgmannen auf Straus. Mit zahl 
reichen anderen Hennebergischen Lehngütern waren 
damals beliehen: Dieterich, Apel (Albrecht), Hein 
rich, Eberhart und Heinrich der Jüngere 
v. Luter (I. A. Schnltes, Diplomatische Geschichte 
des gräflichen Hauses Henneberg 1, S. 183 ff., 
II,'Urknndenbuch, S. 30 ff.; Coburgische Landes 
geschichte I, S. 104, Urkundenbuch, S. 11, 14). 
Heinrich v. Luter war noch 1323 Hennebergischcr 
Vasall (Henneb. Urknndenbuch, V, S. 53). Ein 
Apel v. Luter findet sich sodann noch um 1370 
in der ' Gegend von Schweinfurt (Henneb. Ur 
kundenbuch, 111, Nr. 103). Ein seit 1408 vor 
kommender Apel v. Luter ist der Ahnherr der 
hessischen Linie. Er war Burgmann zu Neuhof. 
Es wäre Sache des Herrn'Schäfer gewesen, dem 
Verbleib des Koburgischen Geschlechtes nachzugehen 
und womöglich sein Wappen zu ermitteln. 
Das erste Auftreten des Neuhöfer Heinrich 
v. Luter im Jahre 1330 schließt sich unmittelbar 
an diese Nachrichten über das Koburger Ritter 
geschlecht an, das recht wohl theilweise in's be 
nachbarte Fuldische übergezogen sein könnte, unter 
Beibehaltung seines alten Wappens. 
Auch die völlige Gleichheit des Ortsnamens mit 
dem Namen des Geschlechts unterstützt diese Ver 
muthung. 
*) Das 6 ist übergeschrieben.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.