Full text: Hessenland (15.1901)

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namentlich die Gebrüder Tolde und Wiczel 
Doringe mit ein. Wenn es daraus vielleicht nicht 
genügend klar geworden sein mag, daß diese beiden 
Doringe damals auch Feinde der v. Lüder ge 
wesen sind, so läßt doch eine spätere Bestimmung 
des Sühnebrieses darüber nicht den geringsten 
Zweifel offen. Die sechs Schiedsrichter ordneten 
nämlich über die Gebrechen, die zwischen den 
v. Luter, einerseits, und Tolde und Wiczel Doringe, 
Gebrüder, andererseits, um Erbe und Gute 
vorhanden seien, gütlichen oder schiedsgerichtlichen 
Ausspruch binnen bestimmter Frist an. Es war 
also Streit gerade zwischen den Personen, die 
Herr Schäfer, ohne allen Grund, für Väter 
und Söhne angesehen haben will! 
Iw der Sühne wird nur eine Kemenate und 
Husunge der v. L. in dem Dorfe Luter er 
wähnt, die nicht von Fulda zu Lehen ging; also 
die Ob er bürg. Die Nieder- oder Froschburg, 
die vor dem Dorfe lag, jenseits des Baches, 
unter dem Lindenberg, wird gar nicht genannt. 
Sie war, wie Schannat sagt, bereits 1390 
Fuldisches Lehen. 
Aus der Sühne erhellt ferner, daß Fulda 
denen v. Luter ein Kapital von 500 fl. nebst 
rückständigen Zinsen schuldete, und daß ihnen 
weiter die fuldische Vogtei und das Amt zu Luter 
verpfändet war. An dieser Schuld- und Pfand 
summe hatten auch die an der Fehde unbetheiligten, 
nicht namentlich genannten Kinder des verstorbenen 
Otto v. Luter Theil. Deren Antheil sollte von 
den Gebrüdern Wiczel und Siman v. Luter der 
Abtei ledig und los gemacht werden; nicht auch 
von den Gebrüdern Herman und Heinrich von 
Luter, die überhaupt in der Urkunde mehr zurück 
treten. Sie sind auch nicht an der Zahlung der 
Schadensersatzsumme von 1400 fl. betheiligt, die, 
je zur Hälfte, an den Abt und den Herrn v. Lis- 
berg gezahlt werden mußte. Dazu stimmt es 
völlig, daß, laut einer Herrn Schäfer bekannten 
Urkunde von 1380, die Gebrüder Ölte, Wicel 
und Symon v. Lutere von der Abtei Wiesen 
zwischen Lüder und Bimbach für ein Darlehen 
von 100 Pfund Heller in Pfand erhalten hatten. 
Die Kinder Ottos v. Luter waren also die 
Bruderskinder von Witzel und Simon. An dieser 
Urkunde aus 1380 hängt nur noch das Siegel 
des Simon v. Luter, das zwar verdrückt ist, aber 
doch deutlich-eine schrägrechts gestellte Schildfigur 
erkennen läßt. Auch der größte Theil der Um 
schrift ist erhalten, der es ermöglicht, das Siegel 
in einem zweiten, besser erhaltenen Exemplar 
wieder zu erkennen. 
Endlich wird in der Sühne von 1394 auch 
noch eine weitere, an der Fehde mit Fulda nicht 
betheiligte Linie der o. Luter erwähnt. Es ist 
Conrad v. Lutere und seine Brüder, die, ebenso 
wie die Doringe, in Streit mit den die Sühne 
abschließenden Brüderpaaren v. Luter lagen. 
Herr Schäfer wird sich hiernach wohl davon 
überzeugen, daß alle seine Folgerungen ans der 
Sühneurkunde falsch gewesen sind, daß seine 
Hypothesen aber, die er als „ganz natürlich" 
ansah, in sich zusammen fallen. 
Die mir bekannt gewordenen älteren Wappen 
der v. Luter und der Döringe sind folgende: 
Im Jahre 1346 siegelt ein Ziegeuhainischer 
Burgmann zu Schwarzenborn, Gerlach v. Luter 
der Jüngere, mit der schräggestellten Hepe im 
Schilde (Original-Urkunde im Marburger Staats 
archiv). Aus dem Jahre 1353 liegen mir zwei 
sehr deutliche Siegel von Witzel und Simon 
v. Luter mit demselben Bilde vor (Baur, Hess. 
Urk. V, Nr. 386). Das Siegel Witzel's gehört 
nach Größe und Styl etwa dem zweiten oder 
dritten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts an. Es 
trügt die Umschrift: S’.Wigandi. fili. Echar(di 
de) L(u)tere. Daraus erhellt, beiläufig bemerkt, 
daß damals der noch heute in Hessen häufige 
Name Witzel (Weitzel) eine Koseform für Wigand 
war, nicht für Werner. Das Siegel Simon's 
ist weit kleiner und jünger; bei Prüfung seiner 
Umschrift ergab sich mit Sicherheit, daß es ein 
Abdruck desselben Stempels ist, mit dem 
die obenerwähnte Urkunde von 13 8 0 besiegelt 
ist. Dieser Simon von 1353 ist also derselbe, 
der 1380 Otto und Wiczel zu Brüdern hatte, 
und der mit seinem Bruder Wiczel die Sühne 
von 1393 abgeschlossen hat. Diese drei Brüder 
gehören also einer Generation an, die spätestens 
um das Jahr 1330 geboren war. 
Die Familie v. Lüder ist also im 14. Jahr 
hundert scholl derart verzweigt gewesen, daß ihre 
Ahnen bereits im 13. Jahrhundert das Schild 
mit der Hepe geführt haben müssen. 
Von der Familie Döring kennt man ein vor 
trefflich erhaltenes Siegel aus dem Jahre 1344. 
Bertold Turing führte damals eine schrägrechts ge 
stellte Stoßsäge, nebst der Initiale seines Vornamens 
als Beizeichen (Baur, Hess. Urk. I, Nr. 829). 
Im Jahre 1388 besiegelt der Lisbergische Burg 
mann zu Grebenau, Wyczel Doryng, eine Ver 
äußerung an die Johanniter mit demselben Säge 
wappen (Darmst. Staatsarchiv, Urk. Grebenau). 
Auch er wird in der Siegelumschrift als Wigand 
bezeichnet. 
Die Gebrüder Eckard und Rudolf genannt 
Thuringe finden sich ferner bereits in den Jahren 
1285, 1287 und 1291 in längst gedruckten, von 
Herrn Schäfer übersehenen Fulder Urkunden vor,
	        

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