Full text: Hessenland (15.1901)

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Berliner Bildern", sagt Mielke*), „hat Rodenberg 
gezeigt, was er uns Deutschen hätte werden 
können — ein Washington Irving der Skizze, 
wenn nicht gar ein Dickens des Romans." 
Die dramatischen Versuche Rodenberg's sind 
ohne dauernden Werth. Es sehlte ihm hier ebenso 
wie seinen Landsleuten Koch und Dingelstedt an 
ursprünglicher Begabung. 1858 erschienen von 
ihm in Kassel „Dramatische Idyllen", 1862 die 
Operndichtung „Das Mädchen von Korinth" und 
1871 zwei patriotische Festspiele „Zur Heimkehr" 
und „Vom Rhein zur. Elbe". 
Julius Rodenberg ist den Freunden moderner 
Poesie seit Jahren ein bekannter und geschätzter 
Name. Gleich bei seinem Auftreten zu Anfang 
der fünfziger Jahre errang er sich nicht nur die 
wohlwollende Meinung der Kenner, sondern auch 
die Gunst des Publikums durch seine Dichtungen, 
und er hat es verstanden, sich diese Gunst dauernd 
zu erhalten. Er gehört zu den wenigen Hessen- 
*) Der deutsche Roman des 19. Jahrhunderts. 3. Aufl. 
Berlin 1898, S. 308 ff. 
dichtern, deren Name über die roth-weißen Grenz- 
psähle hinausdrang und in die deutsche Literatur 
geschichte Ausnahme fand. Sicher mag auch das 
Wohlwollen als Leiter der „Deutschen Rundschau", 
mit dem er ausblühenden Talenten wie Gottfried 
Keller*), Theodor Storm, C. F. Meyer, M. v. 
Ebner-Eschenbach u. A. s. Zt. entgegenkam, an 
diesen Erfolgen Antheil haben, doch darf auch 
nicht geleugnet werden, daß seine zahlreichen 
lebenswahren und sittlich reinen Lieder und Dich 
tungen unvergängliche Schönheiten enthalten und 
mit Recht Zierden unserer deutschen Literatur 
bilden. So kann Rodenberg mit hoher Be 
friedigung auf all das Schöne, das er geschaffen, 
zurückblicken. Ein gesegnetes, köstliches Leben liegt 
hinter ihm, und wir Hessen haben alle Ursache, 
mit Stolz ihn den unsrigen nennen zu dürfen. 
Möge es ihm vergönnt sein, noch manches Jahr 
in segensreichem Schaffen unter uns zu weilen. 
Das ist unser aufrichtiger Wunsch. 
*) Bgl. die Briefe Keller's an Rodenberg bei Baechtold: 
„Eottfr. Keller's Leben. Seine Briefe und Tagebücher." 
1893. 
; 
Beiträge zur hessischen Familienkunde. 
Von Gustav Freiherrn Schenk zu Schweinsberg. 
II. 
Die Samilieti von £üder, Döring von Lüden 
und von Lauten. 
(Fortsetzung.) 
In den beiden Aprilnummern habe ich mich, 
anläßlich eines in der Viertelsahrsschrist des Ver 
eins „Herold" erschienenen Aufsatzes, kurz über die 
Abstammung und die Wappen dieser drei Familien 
geäußert. Ich legte dar, daß ich, im Gegensatz 
zu dem Verfasser der erwähnten Arbeit, diese, 
sich auch durch ihre Wappenbilder unterscheidenden 
Geschlechter, wie es seither geschehen ist, für- im 
Mannsstamm ganz verschieden halte, wenn auch 
zwei derselben ihre Ansitze im selben Dorfe 
Großenlüder bei Fulda gehabt haben. 
Damit ist Herr Rudolf Schäfer, wie aus 
seiner Antikritik in der vorigen Nummer des 
„Hessenland" erhellt, nicht überall einverstanden. 
Er nöthigt mich dadurch, nochmals ausführlicher 
auf die Punkte einzugehen, in denen er sich un 
gerecht kritisirt glaubt. 
Herr Schäfer beruft sich für seihe neue Be 
hauptung , daß die von Lüder mit der Hepe im 
Schild und die Döring von Lüder mit der Säge 
im Wappen eines Stammes seien, auf die 
Sühneurkunde aus dem Jahre 1394, die Schannat, 
als Beleg 378 seines Fuldischen Lehnhofes, im 
dürftigen Auszug veröffentlicht hat. Er erwähnt 
in seinem Regest als Quelle, außer Schannat, 
auch eine Abschrift derselben Urkunde in einem 
Fulder Kopialbnche des Marburger Staats 
archivs, sodaß man annehmen mußte, der von 
ihm gelieferte weitergehende Auszug stütze sich 
auf von Schannat nicht wiedergegebene Daten 
dieser Sühneurkunde. Das ist nun aber in keiner 
Weise der Fall! Herr Schäfer kann die Urkunde 
überhaupt nicht vollständig gelesen haben! 
Die von mir verglichene Vorlage Schannat's 
besagt, daß Wiczel und Syman v. Lutere, Gebrüder, 
und Herman und Heinrich (nicht Henne = 
Johann, wie Herr Schäfer stets irreführend an 
gibt) v. L., Gebrüder, mit ihren Angehörigen, 
Helfern und Knechten, einer Seits, wegen 
ihrer Fehde mit dem Abte und dem Stifte zu 
Fulda, Friedrich Herrn v. Lisberg, den v. Eisen 
bach und S. v. Schlitz genannt v. Homberg, 
ihren Angehörigen, Helfern und Knechten, anderer 
Seits, vertragen seien. In diese Sühne schloß 
der Abt von Fulda und der Herr v. Lisberg
	        

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