Full text: Hessenland (15.1901)

Zum 70. Geburtstag Julius Nodenberg's. 
Von Wilhelm Schoos. 
m 26. Juni d. I. feiert unser Landsmann 
Julius Rodenberg in körperlicher und 
geistiger Frische in aller Stille auf seinem Landsitz 
in Schottland seinen 
70. Geburtstag. Von 
nah und fern werden 
dem in der deutschen 
Schriftstellerwelt hoch 
geschätzten Jubilar 
Glückwünsche zu seinem 
Ehrentage zugehen. 
Auch wir versäumen 
nicht, dem langjährigen 
Freund und Mit 
arbeiter unserer Zeit 
schrift unseren Gruß 
und Glückwunsch aus 
der Heimath zu ent 
bieten und unseren 
Lesern ein kurzes Bild 
seines Schaffens zu 
geben. 
Geboren 1831 zu 
Rodenberg im Schaum 
burgischen als Sohn 
wohlhabender jüdischer 
Eltern Namens Levy, 
wurde er von den 
sorgsamen Eltern ltnb 
tüchtigen Hauslehrern 
gut vorgebildet und 
bezog dann, um sich 
für den Kausmanns- 
skand vorzubereiten, die 
höhere Bürgerschule zu 
Hannover. Dört er 
regten seine metrischen 
Versuche die Aufmerk 
samkeit des durch eigene 
poetische Arbeiten bekannten Professors Tellkampf, 
durch den die Eltern bewogen wurden, den Sohn für 
eine wissenschaftliche Laufbahn vorbereiten zu lassen. 
Er bezog nun das Gymnasium zu Rinteln, studirte 
auf den Universitäten Heidelberg, Göttingen, Berlin 
(Aus K v IIII c ck e' s „SBitbevntsaS", 2. Allst > 
und Marburg die Rechte und erwarb sich in 
letzterer Stadt 1854 die juristische Doktorwürde. 
In Berlin hatte er das Glück, in die dortigen 
literarischen Zirkel, ins 
besondere in die Varn- 
hagen'schen Kreise ein 
geführt zu werden. Im 
Jahre 1855 trat er 
ein Wanderleben an, 
ging zuerst nach Paris, 
von wo er die inter 
essantesten Berichte für 
eine große deutsche Zei 
tung lieferte, dann nach 
London, wo er durch 
Beziehungen seiner 
hochgebildeten Mutter, 
die eine geborene Eng 
länderin war, sich bald 
heimisch fühlte und mit 
F r e i l i g r a t h und 
Kinkel in nähere 
Berührung trat. Mit 
kurzen Unterbrechun 
gen, die er zum Besuch 
seiner Eltern in Han 
nover und zu Streif 
zügen durch Belgien, 
Holland,Friesland und 
Dänemark verwandte, 
lebte er mehrere Jahre 
lang auf den britischen 
Inseln, durchwanderte 
England, Schottland 
und Irland nach den 
wesentlichsten Richtun 
gen und lernte hier 
das englische Leben in 
allen seinen Höhen und 
Tiefen kennen. Ende 1861 unternahm er eine 
größere Reise nach Italien, verheiratete sich in 
Triest und wählte nach seiner Rückkehr Berlin 
zu seinem bleibenden Wohnsitz. Hier redigirte er 
zuerst (1862 — 1864) die illustrirte Monatsschrift
	        

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