Full text: Hessenland (15.1901)

M 12. XV. Jahrgang. Kassel. 17. Juni 1901. 
6edichte von Julius Rodenberg. > 
B«rgab. 
lum meeFt der Frühling mit Sonnenschein 
Am Zweiglein die knospenden Triebe, 
Die blauen Beilchen am Wiesenrain 
Und im Kerzen die alte Liebe. 
M seliger Traum der Erinnerung, 
Willst du zur Wahrheit heut werden? 
Es wird die Seele noch einmal jung. 
Und grün wird es wieder ans Erden. 
Die Bögel singen wie dazumal, 
Uud die silbernen Bächlein rinnen, 
Als sollte, dem Lenz gleich in Berg und Thal, 
Die fugend noch einmal beginnen. 
Ein Bangen und Sehnen zieht durch die Brust, 
Und ich weiß nicht, von Zweisel beklommen, 
Bab' ich ein Echo verrauschter Lust 
Ans weiter Ferne vernommen? 
Wie drängte sich einst der bunte lfanf 
UUt Sang und mit Klang ans den Wegen! 
Wie zogen wir munter den Berg hinauf, 
Dem Frühling, dem Frühling entgegen! 
*) Aus „ttieber und <Prt>id;tc", 6. Aufl. S. >85 brzw. 
Doch still ist es hier und einsam heut, 
Berstnmmt sind die frohen Gesänge; 
Mir ist, als ob nur noch Abendgelänt 
Ans der lfeimath herüber mir klänge. 
Wo die Wand'rnng am Morgen begonnen ich hab', 
Sinkt die Bacht ans Wiesen und Matten, 
Und langsam steig' ich bergab, bergab 
In den länger werdenden Schatten. 
» » p- 
IUoikI und goldnr Sterne glimme». 
Mond und goldne Sterne glimmen 
Freundlich noch im Abenddnst; 
Lantenklang und Mädchenstimmen 
Schaukeln durch die weiche Luft. 
Wie das Lied mit lieben Klängen 
Sich an lgerz und Seele schmiegt, 
Wird des Tages lautes Drängen 
In den schönsten Traum gewiegt. 
Fern die hohen Wälder düstern, 
Wind und Blumen rauschen sacht, 
Und die schönsten Lippen flüstern: 
Müder Sänger, gute Bacht!
	        

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