Full text: Hessenland (15.1901)

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Witzel Döring, deren Fehde ohne weitere Auflage 
mitgesnhnt wurde, die Väter derselben waren. 
Die.1394 genannten Witzel und Simon werden 
aber als v. Luder in Anspruch genommen. Wenn 
Freiherr Schenk zu Schweinsberg meint, daß sie 
die Oberburg besaßen, hatten wohl Hermann 
und Henne die Fröschbnrg inne, deren damalige 
Besitzer er nicht erwähnt. Denn beide Brüder- 
paare waren, wie sich ans der Theilung des 
Lösegeldes ergiebt, gleich berechtigt. Es kann 
daher schon ans rechnerischen Gründen Hermann 
nicht, wie „Estor" angiebt, ein Sohn Otto's ge 
wesen sein. „Estor" erwähnt auch nachher ganz 
recht von Hermann, daß sich sein 7g von Lütter 
(woran natürlich der von ihm garnicht genannte 
Henne Miteigcnthnm hatte) die Witzel'sche Linie 
anmaßte. 
Es wäre doch merkwürdig, wenn zu gleicher 
Zeit an einem Orte in zwei verschiedenen Familien 
die Stammgüter eines Eckard an einen Witzel 
gefallen sein sollten, der sich Güter von Ver 
wandten anmaßte. Simon v. Luter führt 1380 
nicht ein Rebmesser inj Wappen, sondern ein 
schlecht erhaltenes Bild, das aus den ersten Blick 
ans zwei Schrügrechtsbalken zu bestehen scheint. 
Bei genauer Prüfung findet man den ersten 
Balken am oberen Ende nach innen ausfällig 
verdickt, wie zwei Zacken, und weiter unten zwischen 
beiden Balken eine Verbindungslinie. Sollte da 
mit am Ende auch eine Handsüge dargestellt sein? 
III. 
Wenn die v. Lauter und die v. Lüder 
mit den Döring von Luter geschlechtsverwandt 
sind, ergiebt sich eine beiderseitige Geschlechts 
gemeinschaft eigentlich schon von selbst. Bestärkt 
wird die indirekt bewiesene Thatsache und die 
Verwandtschaft wird dargelegt durch meine Auf 
stellung, nach welcher die 1394 genannten Brüder 
Hermann und Henne die Stammväter der Familie 
v. Lauter sind. Daß Beziehungen zu Großen- 
Lüder bestanden, zeigt allein schon die Säge im 
Wappen Hermann's von 1403. 
Das Verschwinden des v. Lauter'schen Stammes 
ans Großen-Lnder zu Ende des 14. Jahrhunderts 
fällt zusammen mit seinem Erscheinen im Hanau- 
ischen. Der Grund lag, neben neuem Gütererwerb, 
in der bereits erwähnten Anmaßung Witzel's 
v. Lüder. 
Im Hanauischen wird vorher eine Familie 
v. Lauter ebensowenig genannt, wie in Lütter 
a. d. Haardt. In letzterem Orte, den Freiherr 
Schenk zu Schweinsberg als Stammsitz der v. Lauter 
vermuthet, waren allerdings 1368 Dolde und 
Kunz Döring und vor 1393 Eckard Döring be 
gütert. 
Daß die Familienwappen beim fuldischen Land 
adel um 1400 noch nicht ganz fest waren, zeigen 
die Siegel von Simon v. Luter 1380, Lutz Winolt 
1386 und Herbord v. Lauter 1403. 
Zum Kriegszahr 1759. 
I. Die Operationen des Herzass Ferdinand non Krairir schweig gegen die 
Franzosen in Heften im Frnftfahre 1759. 
Von Dr. phil. Vergor in Gießen. 
(Fortsetzung.) 
Die Operiltioiicil des Kerzogs Ferdinand gegen Frankfurt. 
1. Der Marsch nach Fulda. 
Der Plan des Herzogs war, wie ans seinem 
Briefe vom 21. März an Lord Holdernesse her 
vorgeht, nach Fulda zu rücken, „von Fulda gegen 
Franken sich in Marsch zu setzen, um dort die 
Kaiserlichen zu erreichen und sie womöglich znm 
Rückzug nach Bamberg zu zwingen. Gelingt 
diese Absicht, so hoffe ich, mich dann gegen die 
Franzosen wenden zu können, in welchem Falle 
ich von Fulda über Büdingen gerade auf Frank 
furt losgehen werde, um die Franzosen zu zwingen, 
ihre bei Friedberg* *) errichteten großen Magazine 
*) König Friedrich bezeichnet in seiner „Histoire de 
la guerre de sept ans“ als Absicht des Herzogs, „de 
aufzugeben, wodurch sie in ihrem Feldzugsplane 
bedeutend zurückgeworfen werden würden." *) 
Wenn es auch wichtig war, beim Vormarsch 
auf Frankfurt sich den Rücken zu decken, so mußte 
doch der Marsch auf Fulda und die Unternehmung 
von dort gegen den Feind in Franken und Thü 
ringen den Hauptzweck der ganzen Expedition 
stören und das Gelingen derselben noch fraglicher 
erscheinen lassen. Da Eile geboten war, so war 
ein Hilsscorps nach Fulda zu entsenden, und der 
Marsch ungesäumt mit der ganzen Armee fort 
zusetzen. Dann würde man auch den kürzeren 
detruire los magasins rpie les Fran^ais avaient 
ä Fritzlar, a lJamui et dans ses environs“, wobei 
wohl Fritzlar mit Friedberg verwechselt sein dürfte. 
*) von dem Knesebeck, Briefe rc.
	        

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