Full text: Hessenland (15.1901)

M 11. 
XV. Jahrgang. 
Kassel, 3. Jam 1901. 
w i 
Kn meine Kritiker. 
Ruft doch, ihr Strengen, nicht so laut, 
Ts drohe mir der Hölle Schlund, 
weil »reines Herzens reiner Braut 
Ich gern geküßt den süßen Mund. 
weiß Gott, ich that's vieltausendmal 
Und noch ist mir zu klein die Zahl. 
Doch habt Geduld! Auf Lrden währt 
Ja nie zu lang der Liebe Flor 
Und unser alter Jährmann fährt, 
wenn langsam auch, in's dunkle Thor, 
Das Tuch und mir geöffnet ist 
Und hinter dem man nicht mehr küßt. 
Rur hört auch dies: Ich träuin' im Grab 
von jedem Ruß, den ich bekam, 
von jedem, jedent, den ich gab; 
Und jeder soll — nur Tuch zum Grain — 
Doch Gott zu Dank, als Rose blüh'» 
Und roth wie ihre Lippen glüh'n. 
J\. Crabert. 
IRors triumppator. 
von allem Guten, allem Großen, 
von einer Welt voll Glanz und Ruhm, 
von dieses Lebens Sonnenloofeit 
Bleibt nichts des Menschen Ligcnthum. 
Doch all' die Leiden, all' die Schinerzen 
Und eine Welt von (Dual und Pein, 
Sie werden im gebroch'nen Herzen 
Als „Tod" einst Triumphator fein. 
Dassel. AugUSt 6otWai'(l. 
Vichterloos. 
Tinsam geh' ich und ging ich stets, 
Tinsaine Wege in Schatten und Stille — 
■ Also wollt' es das Schweigen in mir, 
Also befahl es der göttliche Wille. 
. Ging ich hinein in das große Gewühl, 
ward ich gestoßen und ward ich geschlagen, 
Hab' ich für And're die Last und die Müh', 
Hab' ich von And'ren Beschimpfung ertragen — 
Haben in mir nur die Iremde geseh'n, 
Raut ja von fernher aus göttlichen Landen, 
war nicht dem Treiben der Großen verknüpft, 
Hab' nur die Sprache des Volkes verstanden, 
wollte die Wahrheit des göttlichen Worts — 
Also befahl mir's ein ewiger Wille. 
Einsain geh' ich und ging ich stets, 
Tinsame Wege in Schatten und Stille. 
Regensburg. tberese Kei terKelliKr.
	        

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