Full text: Hessenland (15.1901)

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Neformvorschläge, die dem Gesammtbuchhandel nur 
zum Segen gereichen können. Einerseits sind sie 
geeignet, die geschäftliche Lage des Buchhandels 
zu heben, andererseits auch, dem Stande die ihm 
gebührende Stellung wieder zu geben. Zunächst 
empfiehlt Luckhardt die Begründung einer deutschen 
Buchhändlerbank in Leipzig. An Stelle der bis 
herigen sogenannten Baarsortimente wünscht er 
Spezialgrossogcschäste zur Vermittlung zwischen Ver 
lag und Sortiment. Einer weiteren Erleichterung 
des geschäftlichen Verkehrs würde nach des Ver 
fassers Ansicht die Begründung einer allgemeinen 
Zentralspedition in Leipzig dienen. Zum Schluß 
kommt Luckhardt aus das oft recht unerquickliche 
Verhältniß zwischen Verleger und Autor, das neue 
Verlagsrecht und seine event. Folgen zu sprechen. 
Die anregend geschriebene kleine Schrift wird be 
sonders in buchhändlerischen und Schriststellerkreisen 
nicht ohne Nutzen gelesen werden. H. M. 
Christrosen. Dichtungen und Nachdichtungen 
(5.Theil). Von Albert Weiß. I. Martinelli, 
Verlagsbuchhandlung, Berlin. 1900. 178 S. 
Wie aus dem kurzen Vorwort ersichtlich, be 
stimmte den Verfasser dieses fünften Theils „seiner 
bereits vielfach einzeln veröffentlichten und mehrfach 
in Musik gesetzten" Dichtungen und Nachdichtungen 
die überaus günstige Beurtheilung der vier ersten 
Theile. In der That ist denn auch der Verfasser 
in der neueren Zeitschriftenlyrik kein homo novus 
mehr. Aber uns dünkt, daß die Stärke des Dichters 
mehr auf seinen meist nach dem Polnischen ge 
schaffenen Nachdichtungen als aus seinen eigenen 
Produktionen beruht. Wieweit in seinen Ueber- 
setzungen die Anlehnung des Verfassers an die 
Originale geht, vermögen wir nicht zu unter 
suchen. Jedenfalls wird neben der sorgfältig be 
handelten Form ein feinfühliges Verständniß für 
den Geist der fremden Poesie und die Fähigkeit, 
sich in die Stimmung der betreffenden Dichter zu 
versetzen, rühmlichst anerkannt werden müssen. 
Manche der Uebertragungen erscheinen geradezu als 
Originalarbeiten. Auch unter den eigenen Poesieen 
wird man manches ganz ansprechende Poem 
(„Strandlieder") finden. Aber etwas Neues weiß 
der Verfasser nicht zu sagen. Die Behandlung 
des Stoffes erscheint zu oft trivial, während die Form 
meist die geübte Hand des Uebersetzers erkennen läßt. 
W. S. 
Im Banne der Dichtung von Paul Dietz. 
Kassel 1900. Verlag von Max Siering. 
133 S. 
In dem vornehm ausgestatteten Bändchen stellt 
sich uns ein neuer Dichter des Hessenlandes vor. 
Ich habe das Büchlein mit einem für alle lands- 
münnische Poesie begreiflichen Interesse aufgeschlagen 
und mich gleich zu Anfang über den Patriotismus 
und die lautere Gesinnung des jungen Dichters 
gefreut. Ich hatte die Empfindung es mit einem 
braven, tüchtigen und im innersten Wesen edeln 
Menschen zu thun zu haben, der das, was 
ihm die Seele bewegt, hier einem größeren Kreis 
zugänglich .zu machen wünscht. Aber wozu das 
gleich in Versen? Ich bin überzeugt, daß der 
Verfasser mit schlichter, einfacher Prosa viel weiter 
gekommen wäre. Denn ein Dichter ist er nicht. 
Zu dieser unfehlbaren Erkenntniß gelangt man schon 
nach wenigen Stichproben. Alles gereimte Prosa, nett 
und gut gemeint, hier und da ein wenig unfrei 
willige Komik, das ist alles, was ich an dem 
Büchlein habe entdecken können. Daß dem Ver 
fasser zuweilen auch Anklänge — natürlich 
unbewußte — an berühmte Vorbilder entschlüpfen 
wie „Wer kennt die Dichter, nennt die Namen, 
die jemals schon gesungen haben?" soll ihm gern 
verziehen sein, nachdem wir uns von seiner 
dichterischen Beanlagung genugsam überzeugt haben. 
Undankbarer Berus des lyrischen Dichters! Noch 
undankbarer der des Rezensenten. W. s. 
Seit „der Mai gekommen ist", steht auch die 
Wanderlust wieder in voller Blüthe. Wer z. B. die 
liebliche Wetterau durchstreifen oder im weiten 
Gebiet des Vogelsberg es wandern will, der greife 
zu den von uns bereits früher eingehend gewürdigten 
Führern von Dr. Röschen bezw. Prof. Büchner 
(Verlag von Emil Noth, Gießen). Ein weiteres gutes 
Hülfsmittel zu Vereisung dieser Gegenden, sowie 
des ganzen Großherzogthums ist die vortreffliche 
Karte von Max Frommann (ebenda, Preis 
2,80 Mk.). Sie liegt bereits in 28. Auflage vor, 
gewiß ein Beweis für ihre Brauchbarkeit. Hand 
licher ist die in 2. Auflage erschienene Spezi al 
karte von Oberhesseu, Vogelsberg, Westerwald. 
Taunus und Lahnthal desselben Verlags. Sie em 
pfiehlt sich nicht nur durch ihre leichte Uebersicht- 
lichkeit und Genauigkeit — sie ist Touristen- und 
Radfahrerkarte zugleich —, sondern namentlich auch 
durch ihre Wohlfeilheit bei hübscher Ausstattung 
(Preis 1 Mk.). K. Z». 
Zur Besprechung eingegangen: 
Therese Huber. 1764 — 1829. Leben und 
Briefe einer deutschen Frau. Von Ludwig 
Geiger. Nebst einem Bildniß von Therese 
Huber. VIII u. 436 S. Stuttgart (I. G. 
Cottaffche Buchhandlung Nachfolger) 1901. Preis 
brosch. Mk. 7,50.
	        

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