Full text: Hessenland (15.1901)

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Ohmthales ihrer schweren Erreichbarkeit vor Er 
bauung der Eisenbahn wegen bisher von dem Ge 
schichtsverein noch niemals aufgesucht worden war. 
In der That bieten die erhaltenen Reste der 1852 
zumeist theils abgetragenen, theils einem gründlichen 
Umbau gewichenen Burg weder für die Erkenntniß 
der Gesammtanlage mehr ausreichendes Material, 
noch enthalten sie bemerkenswerthere Einzelheiten. 
Dafür erfreute aber das Auge dD schöne Aussicht 
von ihrer Höhe über das Städtchen hinweg in das 
liebliche Waldthal zu Füßen und gegen Süden, 
sowie der weite Blick über die frühlingsgrüne 
Wiesenniederung der Ohm im Norden, von den 
Höhen des Bnrgwaldes und seiner Nachbarn begrenzt 
und belebt durch den gleich einer Insel malerisch 
in schönen Formen aus der grünen Fläche auf 
steigenden Basaltselsen von Amöneburg. Im Orte 
selbst erweckten das noch alte Theile bergende 
Rathhaus, einige Neste der Stadtmauer mit einem 
„Fünfspitz"-Thurme,die auf symmetrischer Unterlage 
ausgebaute Stadtkirche und die malerische Friedhos- 
kapelle mit ihrer Schindelverschalung Interesse. — 
Weiter sind folgende Fahrten für diesen Sommer 
geplant: Dienstag den 28. Mai (3. Pfingsttag) 
nach Altenburg und Felsberg (volle Tagestour); 
Mittwoch den 19. Juni nach der Melnau; Sonn 
abend den 6. Juli nach Nordeck; Sonnabend den 
24. August nach Wölkersdorf; Mittwoch den 11. Sep 
tember nach Blankenstein (Gladenbach). 
Der Verein für hessische Geschichte und 
L an d e 8 k u n d e in K a s s e l unternahm am 12. Mai 
seinen ersten diesjährigen Ausflug, welcher die alte 
Bergstadt Spangenberg mit ihrem sagen 
umwobenen Schlosse zum Ziele hatte. Wie gewöhn 
lich war auch heute die Betheiligung eine starke, 
denn es hatten sich weit über 80 Personen Morgens 
a /2 9 Uhr ans dem Bahnhof versammelt, welche 
zunächst mit der Eisenbahn bis Melsungen und 
von hier auf einer größeren Anzahl Wagen das 
Psieffethal hinaus dem Ziele zufuhren; ein kleiner 
Theil zog jedoch die etwas mühsamere, aber lohnendere 
Fußwanderung über den Schöneberg durch den im 
Morgenthau funkelnden Frühlingswald mit seinem 
frischen Grün vor. Aus der Terrasse des Schlosses, 
woselbst seitens der Stadt ein gastlicher Trunk ge 
reicht wurde, sprach Herr Dr. Schwarz köpf in der 
ihm eigenen poetischen Weise über die Geschichte des 
Schlosses und der Stadt und brachte bei dieser 
Gelegenheit auf Grund eigener archivalischer Studien 
manches Nene bei, so besonders zu der Periode der 
Regiernngszeit des Landgrafen Moritz bezw. des 
30jährigen Krieges. Nachdem von 3 Uhr Nach 
mittags an ein vortreffliches Mittagsessen in den 
mit Tannengrün und Fahnen geschmückten Räumen 
des „Deutschen Kaisers" eingenommen war, be 
sichtigte man unter ortskundiger Führung noch die 
Kirche und sonstigen Sehenswürdigkeiten und ver 
brachte dann die kurzen Stunden bis zum Abgang 
des Zuges nach Kassel aus der malerisch in den 
Trümmern des Nonnenklosters angelegten Terrasse 
des Frankfurter Hofs bezw. in dem schattigen 
Schröder'schen Garten. Der Ausstug, begünstigt 
durch das herrlichste Maiwetter, muß als ein nach 
allen Richtungen hin wohlgelungener bezeichnet 
werden. L. 
Universitätsnachrichten. Mit der Ver 
tretung des beurlaubten Professors Dr. Ko sch Witz 
in Marburg ist Privatdozent Dr. Wechsler in 
Halle a. d. S. beauftragt worden. — Zum Direktor 
der thierärztlichen Poliklinik in Gießen als Nach 
folger des Professors Winckler ist Professor 
Preuße ernannt worden. — Unser Landsmann 
und geschätzter Mitarbeiter Dr. Philipp Losch, 
Hülssbibliothekar der Universitätsbibliothek Greifs 
wald, ist in gleicher Eigenschaft an die Uni 
versitätsbibliothek in Marburg versetzt und zugleich 
für ein Jahr beurlaubt worden, um eine Biblio 
thekarstelle an der ständischen Landesbibliothek in 
Kassel zu übernehmen. 
Ernennung. Dem bisherigen Stadtbibliothekar 
zu Kassel Dr. Oscar Uhlworm ist die Direktion des 
neu begründeten, dem Reichsamte des Innern unter 
stellten „Deutschen Bureaus für internationale 
Bibliographie" in Berlin übertragen worden. Gleich 
zeitig ist Dr. Uhlworm, wie schon gemeldet, unter 
Verleihung des Charakters „Oberbibliothekar" zum 
Bibliothekar an der königl. Bibliothek in Berlin er 
nannt worden. Dr. Uhlworm, der seit dem 1. März 
1881 die Murhard^sche Stadtbibliothek geleitet hat, 
ist 1849 geboren, studirte in Göttingen und Leipzig 
Naturwissenschaften, nahm an dem Feldzuge 1870/71 
Theil und trat am 1. März 1874 in den königl. 
sächsischen Bibliotheksdienst an der Universitäts 
bibliothek zu Leipzig ein, woselbst er bis zu seiner 
Uebersiedelung nach Kassel, zuletzt als Kustos der 
Universitätsbibliothek, thätig war. Dr. Uhlworm, 
der durch Einführung des Titeldruckes in die 
Bibliotheken Deutschlands und ein damit zusammen 
hängendes neues Katalogisirungsversahren, das in 
verschiedenen Bibliotheken des In- und Auslandes 
eingeführt wurde, bekannt geworden, ist auch auf 
literarischem Gebiete durch Begründung und Her 
ausgabe der in allen Erdtheilen verbreiteten an 
gesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften „Botanisches 
Centralblatt". „DibUotllsoa botanica“ und des 
„Centralblattes für Bakteriologie, Parasitenkunde 
und Infektionskrankheiten" erfolgreich thätig gewesen.
	        

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