Full text: Hessenland (15.1901)

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Manches Lied Uhland's, schwungvoll und klang 
voll von Banquier St. vorgetragen, leitete prächtig 
gestellte lebende Bilder ein: das rührend liebliche 
„Goldschmieds Töchterlein", das reiche, farben 
prächtige, künstlerisch geordnete „Sängers Fluch" 
und noch vieles Andere. Die Apotheose des 
Dichters vereinte die Gestalten sämmtlicher Bilder 
um des Gefeierten Büste, über der eine Germania 
den Lorbeerkranz hielt. Die im engen Kreise der 
„Namenlosen" folgende Nachfeier zeichnete sich 
durch Reden in Poesie und Prosa glänzend aus. 
Begeisterung entzündend wirkte Dr. K. Z/s Rede, 
die Uhland als Politiker und Germanisten feierte. 
Täuscht das Gedächtniß nicht, so endete die mit jubeln 
dem Beifall aufgenommene Rede: Dann aber rathe 
ich, der Z g, Dir, Germania, „Schlag zu!" 
Wie schon erwähnt, gab die getreue „Namenlose" 
ihren Brautpaaren zu Ehren vor deren Hochzeit 
Airs elfter uv 
Einige hessische Gedenktage 
ans der ersten Hälfte des Monats Mai. 
Am 1. Mai 1236 Erhebung der Gebeine der 
heiligen Elisabeth in Gegenwart des Kaisers 
Friedrich II. und einer unzähligen Volksmenge 
aus allen Ständen und Gegenden Deutschlands. 
Seit diesem Tage ist der Name der Stadt Mar 
burg weltbekannt geworden. 
Am 1. Mai 1283 Einweihung der Elisabeth 
kirche zu Marburg. Sieben Jahre später an 
demselben Tage wurde auch der Hochaltar ein 
geweiht und damit dieses große Denkmal der 
Baukunst auf hessischem Boden vollendet. 
Am 2. Mai 1627 Plünderung und Einäscherung 
von Rotenburg an der Fulda durch die Kroaten. 
Am 3. Mai 1785 Eröffnung des von Landgraf 
Friedrich II. gestifteten Krankenhauses bei Kassel, 
seit 1822 Landkrankenhaus genannt. 
Am 5. Mai 1492 brannte das Kloster Möllen 
beck ab. 
Am 5. Mai 1553 starb Erasmus Alberns als 
Superintendent zu Neubrandenburg, bekannter Dichter 
und eifriger Reformator, gebürtig aus dem Vogels- 
berg (aus der Umgegend von Schotten), später 
Pfarrer zu Sprendlingen, dann Superintendent zu 
Hanau und an andern Orten. 
Am 5. Mai 1650 wurde die Universität Gießen 
wieder von Marburg getrennt und nach Gießen 
zurückverlegt. 
Am 6. Mai 1620 kaiserliche Bestätigung der 
Universität Rinteln. 
einen Polterabend. Besonders schön und mannig 
faltig verlies der Festabend für die Brautpaare 
D.-H. und H.-St. Von dem „Zuge der Hand 
werker", die dem erstgenannten Paare ihre Dienste 
anboten, sind wenige noch unter den Lebenden, 
sowie auch das damalige Brautpaar schon draußen 
ruht, wo „unserer Lieben Gräber stehen", wie 
Karl Altmüller sang. — Die Namenlose Gesell 
schaft war eine Blume, die sich aus's Schönste 
in dem Kassel vor 1866 entfalten konnte. Nach 
her fehlte ihr der eigentliche Nährboden. Als auf 
den Schwingen des preußischen Adlers die neue 
Zeit einzog, als der Traun: so Vieler von einem 
großen, einigen Deutschland sich wenige Jahre 
später auch erfüllte, verwehten die Spuren einer 
schwärmerisch-poetisch, etwas sentimental angehauchten 
Zeit, mit ihr schwand auch, als überlebt, die 
„Namenlose Gesellschaft". 
neuer Jett. 
Am 6. Mai 1796 starb Adolf Franz Friedrich 
Ludwig Freiherr von Knigge als Stadthauptmann 
in Bremen, einst auch in hessen-kasselschen Diensten, 
ein bekannter Jlluininat und Schöngeist, der in 
seinem Buche „Roman meines Lebens" eine Reihe 
hessischer Zustände, freilich in seinem Sinne, ge 
schildert hat. 
Am 10. Mai 1587 starb der Kanzler Reinhard 
Scheffer der ältere, einer der ausgezeichnetsten 
hessischen Staatsmänner des 16. Jahrhunderts. 
Seine Familie besteht noch heute. 
Am 10. Mai 1647 Eroberung von Friedberg 
durch den hessen-kasselschen Generallieutenant Kaspar 
Cornelius Mortaigne de Potentes. 
Am 10. Mai 1660 erlosch das ehedem reiche 
und mächtige Adelsgeschlecht der Hunde zu Kirch- 
berg mit Kaspar Hund. 
Am 11. Mai 1625 Verlegung der Universität 
Gießen nach Marburg. 
Am 12. Mai 1800 starb Leonhard Johann 
Karl Justi, Superintendent und Professor zu 
Marburg, 46 Jahre alt. 
Am 13. Mai 1604 starb Christine, Herzogin 
von Holstein, Tochter Philippus des Großmüthigen, 
eine Gelehrte und bekannte Uebersetzerin ihrer Zeit. 
Am 13. Mai 1792 starb zu Hanau der Super 
intendent Schiede, dessen Name noch jetzt in seinen 
Stiftungen fortlebt. 
Am 14. Mai 1645 wurde Kirchhain von dem 
bayrischen General Mercy belagert. 
Am 14. Mai 1834 starb der Professor der 
Philosophie Suabedissen zu Marburg.
	        

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