Full text: Hessenland (15.1901)

128 
veröffentlichte diese in Poppendorffs Annalen, 
und gerade auch Pöppendorf war es, der mir 
schrieb: „Sie haben sich durch die Veröffentlichung 
Ihrer Abhandlungen ein Anrecht erworben, in 
dem Gelehrtenlexikon, das ich soeben herauszugeben 
bestrebt bin, aufgeführt zu werden, und bitte ich 
Sie, mir die entsprechenden Personalnotizen zu 
senden zu wollen." Es wurde mir von der 
philosophischen Fakultät gestattet, eine dieser Ab 
handlungen zugleich als Habilitationsschrift gelten 
zu lassen. Auf sie hin habilitirte ich mich an: 
21. November 1860, hielt meine Probevorlesung 
über „Das Nordlicht" in der Aula der alten 
Universität und ward hiermit in das Corpus 
acaderaicum der Universität Marburg auf 
genommen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Aerchr) of da 
(Gedicht in Schwälmer Mundart.) 
Kamm do schie nauw ogedoh 2 ) 
Leßt 3 ) b'S Olwerehrer 4 ) Jerche, 
Donnert ganz barwalisch o 5 ) 
Bei d'm Pastamt en Nauwkerche. H 
Dös gung Jerche dach zu weit, 
On hä schempt öus vollem Rache: 
„Meuter u ) da. Ehr willt die Leit 
Of da Past hei älwer mache?! 
„Holla!" raffet, „hettesch da? 3 ) 
Macht m'r däch mol hattig offer, 0) 
Well in Brieb he'i äbbergah 42 ) 
O ins Häns of Ke ln don offer!" 
Ewer dam Gedommenier ll ) 
Efsnet sich soglich de Schalter, 
On da Jerj gabb mit Plässier 
Senge Brieb d'm Pastverwalter. 
Ne, do hettche alles off! 
Sech, itr’r ment, das wißt dach jerer: ls ) 
Klebt m'r nach e Freimark droff, 
Wätt dä Brieb staats lichter — schwerer? 2 ) 
On bär 22 ) sovel nach net weeß, 
Maat sich äscht e A-Buch lese! —" 
Waandt dä Reck 2 ^) on säht: „Adjees! 
Na, dä Alwet höt in Strefe 22 )!" 
Dä gung bei die Wooj 42 ) d'rmett, 
Maächt mit Jerj da senge Fraxe, 13 ) 
Säht, so bellig dähres 14 ) net, 
Abbes hecher wenn die Daxe. 15 ) 
Senge Brieb wer vel zu schwer, 
Däshalb mißt he'i öusewennig, lß ) 
Bo die ene Freimark wer. 
Nach e Marke fer zah Pfennig. 
Keinrich Kranz. 
h Deminutioum von Georg; 0 neu angezogen; 0 jüngst, 
letzthin; si fingirter Ortsname 0 barbarisch, gehörig; 
3 ) Neukirchen; 7 * ) rief er; s ) hört Jhr's denn? °) hurtig 
auf; 10 ) abgeben; 11 ) Spektakel, Lürm; ") Waage; 
") Faxen, Possen; ") thäte er's; 15 ) etwas höher wäre die 
Taxe; '0 müßte hier außen hin; 'h meint Ihr; '0denn 
ich denke, das weiß doch jeder; '0 wird der Brief statt 
leichter schwerer; ") wer; ^') wandte den Rücken; "h einen 
Striefen — der ist verrückt. 
Die „Namenlose Gesellschaft". 
Eine Kasseler Erinnerung von Jeannette Bramer. 
^ie herrliche Feststimmung, die an Schillert 
hundertjährigem Geburtstage wie Frühlings 
sonnenschein über Deutschland leuchtete, wurde zu 
Kassel, am Fuldastrande, die Begründerin der 
„Namenlosen Gesellschaft". Künstler, Gelehrte, 
schwärmerische Menschen (längst ausgestorbene 
Species),. Schönheit und Jugend feierten in dem 
Hanuschffchen Saale am Ständeplatz den hundertsten 
Geburtstag des nationalen Lieblingsdichters durch 
Vorträge seiner bekanntesten Lieder und Balladen, 
denen sich, von Künstlerhand geleitet, herrliche 
lebende Bilder anschlossen. Wer von den noch 
Lebenden, die das wunderholde Bild „Das Mädchen 
aus der Fremde" damals erblickten, wird es je 
vergessen haben? Mindestens steht es, das Bild, 
in feiner entzückenden Lieblichkeit dem alten „Namen 
losen" wieder vor Augen, wenn er den Enkel 
„In einem Thal bei armen Hirten" au§toeubig 
lernen hört. 
Ein Paragraph der Statuten jener jungen Gesell 
schaft, die sich an dem denkwürdigen Schillertage zu 
idealem Streben verband, lautete: „Jedes Mitglied
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.