Full text: Hessenland (15.1901)

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Ean wäis ean Jörgeliwigshaus 
Fier oale Zaires schu gespukt — 
D'r Jörg b' Len d's Vieh beheaxt. 
Wann he nor ean d'r Stall geguckt. 
Do endlich, 's ging schu groad off Äls — 
Schu off drai Stonn b'eineh g'seasse, 
Schu draimol hat e jeder sich 
D's Paifche ean die Stob gekloabt. 
Die Kapp g'rucht^H, ean frefch gestoabt — 
Die Schoul, däi woar vergeasse. — 
Do säht d'r Liwig: „Voarer, saht 
Wäi willt ihrsch da nu mache?" 
D'r Voarer säht: „Ja, met Verstand 
Verleas emol däi Sache". 
D'r Liwig nuhm d's Bloat ean läiß, 
D'r Peter Wölk' off Wolke bläiß, 
D'r Houste krikt d'r Hansekob, 
He honst ean fpeaf 30 ) oach ean die Stob. 
E' goure Viertelstonn ging rimm, 
Es wollt kenn Mensch woas sah, 
Do säht d'r Peter: „Saht, woarimm 
E naue Last z'trah?" 
„Doas meen ich oach," säht Hansekob, 
„Däi Herrn, däi hu gout schwätze, 
Däi 's ganze Johr ean eärer Stob 
Ean naue Kläret 4 ) seätze, 
Däi hu mei ßeabte 32 ) nit gefragt, 
Wäi hause^o) sich d'r Bauer plogt; 
Ean weil se kenn Verstand davo, 
Drimm fangest so Bosse o 34 )." 
D'r Peter reakt die Belzkapp rimm, 
„Joa fahr ich schu, ean sahn ich drimm, 
Ois Jonge brache wäi däi Herrn 
Nit alles Fixfaxzeug z' lern ; 
Ich ean mei Oale, Goat getrist' se 3 ^) — 
Wäi mir ois sealmols hu glömme 3 "), 
Mir moachte nor drai Kreuze 3 J, siehste 
Ean sei doach dichtig fiero komme, 
Drimm sahn 33 ) ichs, wäi ichs deanke groad: 
Eans Doars g'hiert kenn Avvegoad 33 ). — 
Starrende 43 ) lost mir ean d'r Stoad, 
Da wer z'viel g'lernt ean Koab, 
Demm stitt nachher die Erwet oab 44 ), 
Drimm korz g'redt, d'r vo geschwaßt 43 ): 
Enn bennige 43 ) Beschluß gefaßt — 
,Doas Fortbeldswease — lehn' m'r oab‘." 
„Doas dou m'r" — säht der Hansekob — 
„Mer lehnes oab." 
Droff klonbt sich jeder 's Paifche aus 
Ean ftreabt 44 ) die Belzkapp ean die Ohrn —. 
Wäi däif d'r Schnäi, wäi koalt eas daus. 
Die Fortbeldong — eas eang'srorn. 
Nanzhausen. Keinrich Hlaumann. 
A n m e r k u n g e n. 
’) Brief, 2 ) Petroleum, 3 ) Das die paar Stündchen 
nöthig wäre, 4 ) bekam den Zettel, °) suche, 6 ) haben sonst 
nichts zu thun, h jagen sie alle Fingerslang, alle Minuten, 
8 ) dann liest er, 9 ) wo soll sie hin?, )°) Ludwig, ") tarn, 
12 ) las, * * 1S * * * * * * 22 ) sagte er, ") nur sollen, '") an zwei Abenden, 
'°) Falten, 'h geht, ") bestellt ihr den Eemeinderath und 
sagt ihm, ") der Heinrich Hanse (Hosnaine) Johannes 
Jakob, 2 °) Hosname —Rothenpeters Peter, 2 ') Zapfenwirth, 
22 ) vom tiefen Schnee, 23 ) Handel, 24 ) der Ferkel kaufte 
und der sie abnahm, 2 h Schnupfenzeug, 26 * ) von der 
Mundfäule und vom kalten Brand (Blutvergiftung), 
2 h frisch besprochen (das „Besprechen" von Krankheiten 
ist auf dem Lande noch heute hie und da üblich und beruht 
auf einem alten Aberglauben), 28 ) vor alten Zeiten, 2 °) die 
Mühe gerückt, 30 ) spukte, 3I ) in neuen Kleidern, 32 ) mein 
Lebtag, 33 ) draußen, 34 ) fangen sie solche Possen an, 
3B ) Gott getroste sie, 30 ) als wir uns selbigmal geheirathet 
haben, 3 H als Namenszeichen, weil sie nicht schreiben und 
lesen konnte, 3 ") sage, 32 ) Advokat, Bezeichnung für einen 
Gelehrten, 4 °) Studenten, 4 H denn wer zu viel gelernt in 
den Kopf, dem steht nachher die Arbeit ab, 42 ) drum kurz 
geredet und geschwätzt, 43 ) einen bündigen, 44 ) strippt, zieht. 
Wom Kasseler KoftHeater. *) 
(Nachdruck verbaten.) 
Auf dem Gebiete der Oper herrschte in den 
Monaten Mürz und April des Italieners Bnon- 
jiorno Oper „Das Müdchenherz" oor, die bei 
ihrer Erstaufsnhrnng hier bei uns einen starten 
Erfolg erzielte, der allerdings nicht ganz einwand 
frei war, da eine starke Claqne das Werk scheinbar 
tlm jeden Preis durchdrücken wollte. Bei den 
*) Anmerkung der Redaktion. Unter diesem 
Titel werden wir von heute an unsern Lesern in angemessenen 
Zwischenräumen längere oder kürzere Berichte über das 
Kasseler Theater vorführen und hoffen dadurch brauchbare 
Beiträge zur neuesten Geschichte des heimathlichen Theater 
wesens zu liefern. Die Bearbeitung ist einem bewährten 
Kritiker auf diesem Gebiet übertragen worden. 
folgenden Anssührnngerl flaute daher der Erfolg 
auch bedeutend ab, und jetzt schon kann man mit 
ziemlicher Bestimmtheit voraussehen, daß die Oper 
infolge ihres durchaus unzulänglichen Textes und 
mangelnder Originalität der Musik ebenfalls den 
Weg finden wird, den ihre Vorgängerin hier in 
Kassel, Tschaikowsky's „Eugen Onegin", scheinbar 
schon gegangen ist, nämlich in die Tiefen des Archivs. 
Da durch den bevorstehenden Abgang des Fräulein 
Fischer wir wieder einer jüngeren Koloratur 
sängerin bedürfen, bewarb sich Fräulein Albert 
ans Frankfurt^ a. M. um dieses Fach als Gilda 
im „Rigoletto", jedoch mit solch geringem Erfolg,
	        

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