Full text: Hessenland (15.1901)

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noch heute vorhandenen Geschützthurm, dessen 
Thor mit seinem Namen geziert war. 
Bekanntlich hatte er im Jahre 1499 seinen 
Erstgeborenen nach Fulda in's Kloster gebracht, 
damit er dort für den geistlichen Stand erzogen 
werde, und die Flucht seines Sohnes hatte ihn 
lange Zeit mit heftigem Groll erfüllt. Um 1509 
war ein Studiengenosse desselben, Crotus, im 
Fuldaer Kloster als Lehrer thätig und fand öfter 
Gelegenheit, mit dem zürnenden Vater zu reden 
und für den Sohn zu wirken. Ein Brief des 
Crotus über diesen Verkehr an den jüngeren 
Ulrich von Hutten läßt einen merkwürdigen Ein 
blick thun in den Charakter des Vaters, doch würde 
es zu weit führen, hier näher darauf einzugehen. 
1510 schloß sich Ulrich von Hutten der Aeltere 
einmal wieder einer Fehde gegen Hanau an, 
die sein Vetter Dietrich von Hutten vom 
Zaune gebrochen hatte. Auf diese Angelegenheit 
dürften sich zwei Briefe an Dietrich von Hutten 
aus den Jahren 1511 (?) und 1513 beziehen, 
die Bücking in seiner Ausgabe der Werke 
Ulrich's von Hutten diesem zuschreibt, während 
sie zweifellos von der Hand Ulrich's des Aelteren 
sind, wie sich aus dem Folgenden ergeben wird. 
Zunächst sind sie von derselben Hand geschrieben, 
wie die beiden oben erwähnten Dienstreverse von 
1498 und 1499, ferner spricht in. dem vom 
Jahre 1513 Hutten von seinem Bruder Friedrich; 
einen Bruder dieses Namens hatte Ulrich der Aeltere, 
aber keinen Sohn. Bücking publizirt noch zwei 
weitere deutsche Hutten-Briefe, von denen der eine 
ohne Ortsangabe vom 31. Dezember 1513 datirt 
ist und die Mittheilung an einen unbenannteil 
Fürsten enthält, daß der Schreiber, Ulrich von 
Hutten, bereit sei, mit vier Pferden aus ein Jahr 
für 150 Gulden in seinen Dienst zu treten. Der 
andere aus Erfurt vom 22. August 1514 ent 
hält die Antwort auf ein fürstliches Schreiben 
betreffs eines in den bürgerlichen Streitigkeiten 
der Stadt eingekerkerten Mannes, Namens Andreas, 
für den er, Hutten, nichts thun zu können be 
hauptet, da sein Einfluß nicht so groß sei, wie 
man glaube. Hierzu stimmt der Bericht einer 
alten Erfurter Chronik, wonach um diese 
Zeit ein Ulrich von Hotten als mainzischer 
Kommissär in ungeduldiger und heftiger Weise 
gegen die infolge der bürgerlichen Wirren Ein 
gekerkerten und Angeklagten vorgegangen sei. Diese 
beiden Briefe weisen wiederum dieselbe Hand 
schrift auf wie die anderen erwähnten Schrift 
stücke und sind jedenfalls an Albrechtvon 
Brandenburg gerichtet, der Ende des Jahres 
1513 Erzbischof von Magdeburg und seit dem 
9. März 1514 auch Erzbischof von Mainz, also 
auch Landesherr zu Erfurt war. Ihr Ver 
fasser muß« Ulrich der Aeltere sein; erstens 
war sein Sohn 1513 noch in Italien, wahr 
scheinlich auch noch in der ersten Hälfte des 
Jahres 1514, denn die erste Kunde, daß er 
wieder in Deutschland war, haben wir von 
Erasmus Rotterodamus, der berichtet, daß er 
den Humanisten im Spätsommer 1514 in Mainz 
getroffen habe. Zweitens würde Ulrich der Jüngere 
zweifellos in seinen Briefen oder Werken eines 
Aufenthaltes in Erfurt, wo er ja schon früher 
(1506) gewesen, und einer Dienststellung bei Albrecht 
von Brandenburg um diese Zeit irgendwie Er 
wähnung gethan haben in Anbetracht der sonstigen 
vielfachen Beziehungen. Drittens ist es im höchsten 
Grade unwahrscheinlich, daß er als Gelehrter sich 
in Schreiben an einen Kirchenfürsten der deutschen 
Sprache bedient haben sollte, zumal sonst auch 
nicht ein einziger deutscher Brief von ihm existirt, 
der vor dem Jahre 1520 geschrieben ist. Wir 
müssen also sowohl die von Bücking publizirten 
Briefe, als auch die richterliche Thätigkeit in 
Erfurt Ulrich von Hutten dem Aelteren zu 
schreiben. Dann dürfen wir aber auch einen 
Schritt weiter gehen und in dem Richter Ulrich 
von Hutten, der am 1. September 1514 vor der 
Moritzburg zu Halle ben betrügerischen Juden 
Pfefferkorn zum Feuertode verurtheilen hals, 
ebenfalls Ulrich den Aelteren wieder erkennen. 
Auch hier handelte er natürlich im Dienste 
Albrecht's von Brandenburg. Ulrich der Jüngere 
soll bekanntlich diesen Vorfall, die Schandthaten 
und die gerechte Bestrafung Pfefferkorn's, be 
sungen haben, doch scheint es mir nicht ausge 
schlossen, daß die „Exclamatio in sceleratissimam 
Pepericorni vitain“ apokrhph sei, denn sie taucht 
erst in einer nach Hutten's Tode publizirten 
Gedichtsammlung auf, während eine Original 
ausgabe nicht nachzuweisen ist. 
Weitere Nachrichten von der Thätigkeit Ulrich's 
des Aelteren in mainzischen Diensten haben wir 
nicht, überhaupt hören wir nur uoch von ihm 
durch seinen Sohn, dem er infolge seiner Theil 
nahme an den Bestrebungen der Familie, die 
Ermordung des Hans von Hutten. durch Ulrich 
von Württemberg zu rächen, und auch wohl, weil 
er die Gunst des Erzbischofs Albrecht erfuhr, im 
Jahre 1515 Verzeihung gewährte. Er scheint sich 
von nun an auf Steckelberg zur Ruhe gesetzt p 
haben, sah seinen berühmten Sohn dort noch 
öfter bei sich und starb nach Mittheilungen in den 
Briefen desselben im Januar 1522. Er hinter 
ließ außer jenem Ulrich noch drei Söhne Frowin, 
Lorenz und Hans, welche ihm im Besitze des 
Steckelbergs folgten.
	        

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