Full text: Hessenland (15.1901)

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Ulrich von Hutten der Keltere. 
Von C. Kr ollmann. 
D er Vater eines Mannes wie Ulrich von 
Hutten verdient gewiß schon um seines be 
rühmten Sohnes willen eine gewisse Beachtung. 
Bereits Strauß hat in seiner Hutten-Biographie 
einiges, was sich aus den Werken seines Helden 
schöpfen ließ, über den älteren Ulrich berichtet. 
Es dürste sich aber wohl verlohnen, diese spär 
lichen Mittheilungen zu ergänzen, zumal es sich 
in unserer Zeit herausgestellt hat, daß ein sehr 
wichtiger Punkt in der Lebensgeschichte Ulrich's 
von Hutten durch eine Verwechselung mit seinem 
gleichnamigen Vater bisher stets falsch dargestellt 
worden ist. 
Ulrich von Hutten der Vater, wir wollen ihn 
zur Vermeidung von weiteren Verwechselungen 
mit seinem berühmten Sohne den Aelteren 
nennen, war der dritte Sohn des 1411—1498 
lebenden Ritters Lorenz von Hutten und 
seiner Gemahlin Veronica .von Thüngen. 
Lorenz war zu Gronau, Ramholz, Vollmerz, 
Schwarzenfels u. s. w. begütert und hatte als 
Vertreter der sogenannten Gronauer Linie der 
weitverzweigten Familie derer von Hutten einen 
Antheil an der Ganerbenburg der Familie, der 
Steckelburg, in welchem der einzige ritterliche 
Wohnsitz auf der räumlich ziemlich beschränkten 
Burg inbegriffen war. 
Ulrich scheint bedeutend jünger gewesen zu sein 
als seine Brüder; während diese bereits unter den 
Fahnen Friedrichs des Siegreichen von 
der Pfalz fochten, Ludwig bei Pfeddersheim 
(1460) und Friedrich bei Wachenheim (1474), 
erfahren wir von ihm zum ersten Mal in den 
siebziger Jahren, als Lorenz eine Theilung seiner 
Güter mit seinen Söhnen traf. Hierbei fiel 
Gronau an Ludwig und Ulrich. Dort hatte 
Ulrich in Gemeinschaft mit seinem Bruder die 
erste seiner zahlreichen Fehden auszufechten, indem 
ihr Vetter Neidhard von Thüngen einen 
nächtlichen Ueberfall auf die Burg Gronau in's 
Werk setzte, der aber mißlang (1480). Ueber den 
Ausgang dieser Fehde ist nichts bekannt. Zwei 
Jahre später erhielt Ulrich bei einer anderweitigen 
Theilung der Familiengüter von seinem Vater 
eigenen Besitz zugewiesen, und zwar den Burgsitz 
in der Vorburg zu Schwarzenfels und die sämmt 
lichen Güter im gleichnamigen Gerichte. Diese 
Besitzungen waren Hanauische Lehen, ebenso wie 
Schloß, Dorf und Gericht Vollmerz nebst Ram- 
holz, welche Ulrich für den Todesfall seines Vaters 
als Erbe in Aussicht gestellt wurden. 
1483 trat Ulrich in den Dienst des Grafen 
von Hanau, gegen die sehr geringe Besoldung 
von 14 Gulden, was darauf schließen läßt, daß 
er einerseits selbst sich noch nicht ausgezeichnet 
hatte, andererseits nicht in der Lage war, für 
seinen Dienst die üblichen Knechte mitzubringen. 
Indessen verheirathete er sich spätestens 1487 
und nahm feinen Sitz zu Steckelberg, denn dort 
schenkte ihm seine Gattin Ottilie, eine Tochter 
Hermanns von Eberstein zu Brandenstein, 
am 22. April 1488 seinen ersten Sohn Ulrich, 
jenen Helden, der den Namen Hutten unsterblich 
machen sollte. 
Bald darauf trat Ulrich in die Dienste des 
Landgrafen Wilhelm des Mittleren von 
Hessen und machte 1490 unter dessen Truppen 
den Feldzug König Maximilians in Ungarn mit. 
Er zeichnete sich nach Dilich's Bericht u. a. bei 
der Erstürmung von Stuhlweißenburg aus, ver 
schmähte es aber, wie die Mehrzahl der hessischen 
Adeligen, sich deshalb zum Ritter schlagen zu 
lassen. Durch diesen Feldzug trat Ulrich in ein 
festes Verhältniß zum Landgrafen, zu dem seine 
Familie schon durch alte Ziegenhainische Lehen zu 
Neuengronau u. s. w. Beziehungen gehabt hatte. 
Die Freundschaften, welche Ulrich mit hessischen 
Rittern während dieses Feldzuges geschlossen hatte, 
sollten bald ihre Früchte tragen. Im Jahre 1491 
geriethen seine Brüder Friedrich und Llldwig mit 
ihrem Lehnsherren, dem Grafen Philipp von 
Hanau, in Streit, weil letzterer den Huttischen 
Hörigen, den sogenannten Königsleuten, im Ge 
richte Schwarzenfels ebenso wie den anderen 
Einwohnern ein Schlaggeld auferlegt hatte. Die 
Hutten versuchten es lange mit Verhandlungen, 
setzten auch eine Tagung zu Marburg vordem 
Landgrafen Wilhelm durch, aber der Graf
	        

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