Full text: Hessenland (15.1901)

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in Marburg, 79 Jahre alt. Er gehörte, gleich 
seinein Oheim Engelschall, dem Marburger Mnsen- 
kranz an und unterhielt zahlreiche Beziehungen 
zu dichterischen Persönlichkeiten. Er war ein Nach 
ahmer Klopstock's und Hölty's. 
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Universitätsnachrichten. Die philosophisch 
historische Klasse der Berliner Akademie der Wissen 
schaften hat dem Rektor der Universität Marburg, 
Herrn Professor Dr. Niese, zu einer Reise nach 
Italien zum Zweck der Vergleichung von Hand 
schriften des Strabon 1500 Mark bewilligt. — 
Dem Privatdozenten der Psychiatrie an der Uni 
versität Marburg Dr. .Buchholz ist das Prädikat 
„Professor" verliehen worden. — Am 1. April beging 
der Professor in der philosophischen Fakultät der 
Universität Gießen Dr. Th a er sein 50jähriges Doktor- 
jubiläum, zu dem ihm zahlreiche Ovationen zu 
gingen. — Der Privatdozent in der theologischen 
Fakultät Marburg, Dio. Dr. phil. Kraetzschmar 
wurde zum außerordentlichen Professor dortselbst 
ernannt. 
Verlobung im l andgräsli ch en Hause. 
Eine freudige Osterbotschaft kommt uns aus dem 
landgräslichen Hanse Hessen. Die 27 jährige 
Prinzessin Bertha von Hessen-Philipps- 
th al-Barch seid hat sich mit dem ältesten Sohne 
des Grafregenten von Lippe-Detmold, dem 30jähri- 
gen Grafen Leopold zu Li pp e - Biesterseld, 
vermuthlichen Thronfolger in Lippe, verlobt. 
Prinzessin Bertha ist eine Tochter zweiter Ehe 
des 1890 verstorbenen Prinzen Philipp, eines 
Bruders des Landgrafen Alexis von Hessen. Bei der 
Theilnahme, die der Streit um die Thronfolge 
im Hause Lippe allenthalben in Deutschland her 
vorgerufen hat, und den zwischen der Landgrafschast 
Hessen und der Grafschaft Lippe früher bestandenen 
Beziehungen*) insbesondere, wird man diese Kunde 
bei uns gewiß mit unverhohlener Freude begrüßen. 
*) Die Grafen von Lippe-Detmold waren Vasallen der 
Landgrafen von Hessen, von denen sie Schloß und Stadt 
Blomberg wie die Schlösser Lipperode, Brake und Varen 
holz. sämmtlich mit allen Zubehörnngen, zu Lehen trugen. 
Vgl. Ledderhose, Kleinere Schriften. Bd. l. 1897. 
S. 179—192. — Auch au verwandtschaftlichen Beziehungen 
zwischen beiden Fürstenhäusern fehlte es bislang nicht. 
Vgl. z. B. „Hessenland", l. Jahrg. S. 9 ff., 20 ff. und 
31 ff. 
Spohr' s Geburtstag. Der Geburtstag 
Louis Spohr's wurde diesmal, da er ans einen 
Charfreitag fiel, durch die Ausführung des Ora 
toriums „Des Heilands letzte Stunden" in der Hos- 
Am 13. April 1634 unglückliches Treffen Me- 
lander's bei Herford gegen [ine Kaiserlichen, in 
welchent die hessischen Obersten von Kratzenstein 
und von Dalwigk gefangen genommen wurden. 
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irnö Irremöe. 
und Garnisonkirche zu Kassel besonders feierlich 
begangen. Am Charfreitag Morgen hatte Herr 
Kapellmeister Dr. Beier mit dem versammelten 
Vorstand des Orchesterverbandes einen Kranz an 
der Gruft des Meisters aus dem dortigen Friedhof 
niedergelegt. Wie man an maßgebender Stelle 
bemüht ist, Spohr^s Andenken im Wandel der 
Zeiten ausrecht zu erhalten, hat erst neuerdings 
wieder die von Dr. Beier unternommene Bearbeitung 
der „Kreuzfahrer" bewiesen, deren Aufführung ein 
neues Ruhmesblatt in der Geschichte des Kasseler 
Hoftheaters bedeutet. 
Jahrzehntsest des Hessenabends in Berlin. 
Die zwanglose Vereinigung geborener Kurhessen 
zu Berlin beging am 21. März d. I. in den 
Festsälen des Hotels Saxonia die Feier ihres zehn 
jährigen Bestehens. Im Oktober 1890 gegründet, 
um gebildeten Landsleuten in gesicherter Stellung 
die in der Weltstadt sehr erschwerte Möglichkeit 
gemüthlichen Verkehrs zu gewähren, hat sie sich 
rasch entwickelt. Rund fünfzig Mitglieder mit 
ihren Familien bilden heute den Stamm der Ver 
einigung. Ihre Versammlungen am ersten Mitt 
woch des Monats im Heidelberger (Centralhotel) 
werden im Durchschnitt von zwanzig Mitgliedern 
besucht; jeder in Berlin gerade weilende Hesse ist 
dort bestens willkommen. Ihre Feste (Kirmes in 
Schwarzenborn, „Fünftausend Meter unter dem 
Herkules", Errichtung eines .Thurmes auf dem 
Knüll, ein echt hessischer Schlachtekohl u. a.) haben 
auch in hessischen Zeitungen „ und in weiteren 
Kreisen der Heimath Beachtung gesunden. 
Das heurige Jubelfest, welches wegen schwerer 
Erkrankung des ersten Vorsitzenden, Oberlehrers 
F. Wolfs, vom 2. März auf den 21. verlegt 
war, trug schon wegen dieser Verlegung auf einen 
Abend, der erst zehn Tage vorher mitgetheilt 
werden konnte, einen vergleichsweise einfachern 
Charakter. Die siebzig Festgäste, die trotz aller 
Hindernisse der Einladung des Ausschusses (Hellwig, 
Hofsmann, Uckermann, v. Stiernberg) gefolgt waren, 
hielten in dem Bewußtsein, nur dem Verein die 
engen Freundschaftsbande zu danken, die viele 
unter ihnen umschließen, eine Art Danksagungssest 
für die Begründer und seitherigen Leiter des Bundes
	        

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