Full text: Hessenland (15.1901)

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als namengebenden ersten Ansitz Vermuthungsweise 
das Dorf Lütter vor der Hard im Kreis Gersfeld 
annehmen, das nur ca. 15 Kilometer ostnordöstlich 
von Neuhof entfernt liegt. Zu Großen-Lüder und 
den dort ansässigen Geschlechtern hat sich keinerlei 
Beziehung gefunden; die bezüglichen Versuche des 
Herrn Schäfer sind gänzlich mißlungen. 
Zn den genealogischen Tafeln, deren Kritik im 
Einzelnen hier zu weit führen würde, sei zusätzlich 
bemerkt, daß Diether, der Sohn des Henne und 
der Hausen'schen Erbtochter, abermals eine reiche 
Erbin heimführte. Es war Katharine von Isen 
burg, die Tochter des kurz vor 1504 verstorbenen 
Diether v. Isenburg und der Dorothea von Jossa 
zu Sailauf bei Aschaffenburg. Dieser Diether 
v. Isenburg, ein unächter Sproß des bekannten 
standesherrlichen Hauses, hatte mit Konrad Schenck 
zu Schweinsberg ein heimgesallenes, zwischen Hanau 
und Isenburg gemeinsames, Burglehen zu Assen- 
heim verliehen erhalten., in dem ihm seine Enkel 
Diether und Johann v. Lauter folgten. Eine 
von Schäfer behauptete Verwandtschaft zwischen 
Konrad Schenck und den v. Hausen ist nicht vor 
handen. 
Witzel und Herbord sind aus der Tafel II, als 
zum Geschlecht v. Großen-Lüder gehörig, zu streichen; 
die Tafel I ist völlig unhaltbar. 
Wilhelm v. Lutter führte 1406 als Helmschmuck 
einen, wie es scheint zweifarbigen, Halbmond mit 
Büschel (Orig. Urk. im Darmstädter Haus- und 
Staats-Archiv 8ud Wirberg); sein Schild stimmt 
völlig zu dem des Abtes Wilhelm von Schlüchtern. 
In Zweiselssällen wird, auch künftighin, die 
Zutheilung zu den genannten drei Familien bis 
in's 15. Jahrhundert hinein mit Sicherheit nur 
auf Grund der verschiedenen Wappensiegel möglich 
sein. Die Ausführungen des Herrn Schäfer, die 
für unsere Kenntniß der neueren Genealogie der 
von Lauter recht förderlich sind, haben darin nichts 
zu ändern vermocht. 
Man unterschätzt vielfach noch das Alter fester 
Familienwappen beim Landadel. 
(Wird fortgesetzt.) 
Selbstbiographie von Professor Dr. Franz Melde?) 
m ein Geburtsort war der vormals kurhessische, 
seit 1866 preußische Amtsort Großenlüder, 
zwei und eine halbe Stunde von Fulda entfernt, 
und zwar wurde ich daselbst am 11. März 1832 
geboren. Mein Vater, Ludwig Melde, stammte 
llicht aus Hessen, sondern war zu Dessau geboren 
und dort erzogen. Er trat als Lehrling in eine 
Dessauer Apotheke ein, um später als Apotheker- 
gehilfe verschiedentlich in Kondition zu gehen, 
wobei er schließlich nach Fulda kam und hier in 
einer Apotheke als Gehilfe und später als Ver 
walter derselben eine Stellung erhielt. Hier in 
Fulda lernte er seine spätere Frau Rebecka, eine 
geborene Hodes, kennen, deren Eltern einen 
Leinenwaarenhandel betrieben. Meine Mutter 
war katholischer Konfession, während mein Vater 
lutherisch war. Wir Kinder wurden alle in der 
katholischen Religion erzogen. Die Verheirathung 
meiner Eltern fand statt im Jahre 1822. Im 
Jahre 1825 wurde der Vater beauftragt, in 
Großenlüder eine Apotheke zu errichten und hing 
hiermit die Uebersiedelnng meiner Eltern nebst 
ihren in Fulda geborenen Kindern in den neuen 
Heimathsort Großenlüder zusammen. 
*) Der Abdruck dieser 1897 für die Fortsetzung der 
„Strieder'scheu Gelehrtengeschichte" verfaßten Aufzeichnun 
gen erfolgt mit Genehmigung der Angehörigen des Ver 
storbenen. (Amn. d. Red.) 
Es ist immer interessant, seine erste Erinnerung 
aus der Kindheit wach zu rufen, und besteht bei 
mir diese Erinnerung in einem ernsten Familien- 
ereigniß, nämlich dem Tod meiner ältesten Schwester 
Julie im Jahre 1836. Ich erinnere mich noch 
sehr deutlich, wie ich als vierjähriger Knabe um 
die Todtenlade herum ging und insbesondere auch 
die glimmernden Krönet: bewunderte, welche die 
vier Leichenträger aus ihren Mützen trugen. 
Eine weitere Erinnerung ist die an den Morgen, 
wo ich in die Dorfschule kam und nach den 
ersten Lehrstunden das „Bäumchen geschüttelt" 
bekam. Es wurde dies in unserem Garten vor 
genommen und bestand darin', daß für mich 
Zuckerzeug von einem kleinen Bäitmchen herab 
geschüttelt wurde. 
Mir war das Glück beschieden, in der Dorf 
schule einen ausgezeichneten Lehrer in der Person 
eines Mannes Konrad Schrimpf gehabt zu 
haben, der heute noch, nah an die Achtzig, gesund 
:md munter lebt und erst vor ein paar Jahren 
in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist. 
In der That, es ist ein Glück für das ganze 
Leben, wenn die erste Grundlage des Wissens 
und Könnens durch einen tüchtigen Lehrer gelegt 
wird. Ich blieb in dieser Schule bis zu meiner 
ersten Kommunion in meinem zwölften Lebens 
jahre Mid kam dann nach Fulda in's Gymnasium.
	        

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