Full text: Hessenland (15.1901)

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verfertiget hatte, von verschiedener grosse, item 
einen Atlantern, welcher noch nicht völlig cornplet 
wäre, gefunden; Jhro Hoch-Fürstl. Durchl. kanfften 
zwar die Carten so er hatte vor 123 Dncati, 
miteinander, beym examiniren aber befanden 
Wir des folgenden tags, daß die von Italien, 
Griechenland, vom Nare Nelliterraneo Le sehr 
gut, hingegen die von Deutschen und Frantzösischen 
Provincien voller fehler waren. Er arbeitete eben 
an einem Italiänischen Pictionario, Pistorico- 
Ceographico, welches in 40 tornis in Mio be 
stehen, und davon alle 3 monate ein tomu8 
herauskommen soll. Drey Mianteo waren all- 
bereits gedruckt, und lit. A noch nicht vollkommen 
drinnen. Beim Durchblättern rernarczuirte ich, 
daß er Hassia ins A, Assia gesetzt, und in des 
Hessenlandes beschreibung viele grosse fehler ein 
geschlichen waren." Daneben wurden, wo es ging, 
in den Galerien und Sammlungen Kataloge 
darüber erworben, auch finden wir die Reisenden 
in der deutschen Buchhandlung von Jakob Hertzen, 
„welcher der beste in gantz Venedig ist, und da 
man allezeit Compagnie hat, und etwas neues 
hören kan". 
Am 15. Juni, wie bemerkt, setzte Karl die 
Reise fort. Der erste Haltepunkt war Padua, 
wo man die Universität besuchte, einer Doktor 
promotion „etwas" zusah und dann „des Doctoris 
Molineti Anatomische demonstrationmit an 
gehört. Unser ßeMMedicus fand darin seines 
seel. Vaters wapen, weil er hiebevor daselbst 
Consiliarius Anatomicus gewesen". Dann ging 
es weiter über Vicenza, Verona, Mantua, Parma 
nach Modena. „Allhier hat der page Mardefeld 
Serenissimi verguldetes gesteck Messer mitzunehmen 
vergessen, ohnerachlet Er nun ein mille von der 
Stadt wieder umgewand, und den Wirth, so zu 
gleich Postmeister, hierüber besprochen, Ich ihme 
auch deshalb ein Italiänisches schreiben mit- 
gegeben, hat dieser dicke Böswicht doch, daß er 
oder die seinige es gesunden, nicht eingestehen 
wollen." Ein längerer Aufenthalt wurde in 
Bologna gemacht, wo namentlich in der Kirche 
St. Petronii die in dem Fußboden eingelegte 
Mittagslinie Eindruck machte. „Das rareste darin 
ist die Vorn berühmten Mathematico Cassini 
auf dem Boden hergezogene und mit einem 
messingenen Blech eines halben zolls dick be- 
merckte Mittags-Iini, wovon ich die gedruckte be 
schreibung und abriß mitgenommen, und hat Uns 
der Professor Matheseos Manfredus davon weitere 
information gegeben, daran Serenissimi Hoch- 
Fürstl. Durchl. ein sonderbares Wohlgefallen 
gehabt, auch den Entschluß gefastet, bey der 
glücklichen retonr in Dero Fürstl. Residentz 
an einem bequemen Orth dergleichen verfertigen 
zu lasten." Ob Karl selbst diese Absicht, etwa 
im Kunsthaus, auch zur Ausführung gebracht 
hat, ist mir nicht bekannt geworden; jedenfalls 
aber dürfen wir die im Bibliothekssaal des 
Museum Friderieianum gezogene, der erwähnten 
Beschreibung entsprechende Mittagslinie *) aus 
diese Anregung, wenn auch nur mittelbar, zurück 
führen. Das Interesse des Landgrafen an der 
Industrie bezeugt uns ein Besuch einer „Seiden- 
Mühle", d. h. einer Seidenfabrik, in der „durch 
gar künstliche, vom Wasser getriebene machinen 
bey jeder etliche 100 spulen gelber seiden gezwirnt 
werden", und wir gedenken dabei der, im 18. Jahr 
hundert auch in Hessen gemachten Versuche des 
Seidenbaus. Dann ging die Reise über Ravenna 
und Ccsena zum Fluß Pisatello, dem ehemaligeu 
Rubikon, der unter Erinnerungen an Cäsar 
mittelst einer Furth durchquert wurde. In Pesaro 
ließ der Landgraf in der Eile sein „güldenes, 
mit Diamanten besetztes Köcherlein" mit dem Zahn 
stocher liegen; er sandte einen Boten zurück, 
erhielt aber die Antwort, der Wirth habe es 
nicht finden können. Ueber Bologna, Loretto, 
Tolentino, den Apennin ltitb Spoleto führte als 
dann die Reise ltcid) Terni, wo der berühmte 
Wasserfall gesehen wurde, der aber aus Mangel 
an Wasser in Hessen nicht nachgeahmt werden konnte. 
Dann ritten Wartensleben, Klaute und der Mund- 
koch ans Postpferden voraus nach Rom, wo sie 
an der Piazza d'Espagna im Monte d'Orv ab 
stiegen, dann aber für den Landgrafen eine 
Wohnilng auf dem Monte Piueio, gegenüber der 
Kirche Trinita del monte mietheten und zwar das 
zweite und dritte Stockwerk nebst Küche lind 
Keller, einschließlich Küchen- und Tafelgeschirr 
und neun Betten (sein eigenes führte Karl bei 
sich) zunächst ans 14 Tage für 60 Skudi; am 
31. Januar kam der Landgraf ebenfalls in Roni 
an, entrüstet über die Plackereien der Donane, 
die er der Unachtsamkeit der vorausgeschickten 
Herren zur Last legte, wofür diese lebhaft ge 
tadelt wurden, doch legte sich Karl's Entrüstung, 
als er hörte, der Königin Christine von Schweden 
habe es nicht bester gegangen. Der römische 
Aufenthalt dauerte vom 1. bis 16. Februar. 
*) Vgl. ($ erlaub, Paul, Charles und Simon Louis 
Dir Nh. Stuttgart, 1895, S. 112. 
(Schluß folgt.)
	        

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