Full text: Hessenland (14.1900)

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Der Saldaterchandel in Hesse«.*) 
Die soeben erschienene Schrift unseres hochver- ! 
ehrten Herrn Mitarbeiters über den „Soldaten 
handel in Hessen" wird mit um so größerer Freude 
zu begrüßen sein, als sie über den so oft, aber 
nur selten in wirklich wissenschaftlicher Weise er 
örterten Gegenstand neue Aufklärungen bringt und 
so dazu beiträgt, unsere Kenntniß einer uns Hessen 
so nahe berührenden Angelegenheit zu bereichern. 
Immer wieder tauchen hier und da ls. Preser 
a. a. O. S. 1 — 5) hämische Angriffe gegen Land 
graf Friedrich II. auf, weil er mit England einen 
Allianz vertrag einging, nach welchem er ein 
„Auxiliär"-Corps von 12000 Mann gegen ent 
sprechende Entschädigung in englischen Dienst 
gab, um den Engländern zu helfen, den Aufstand 
in Nordamerika niederzuwerfen. Das hessische 
Hilfscorps stand unter dem Befehl ausschließlich 
hessischer Offiziere und sollte nach Möglichkeit nur 
als Ganzes zur Verwendung gelangen. Wir haben 
es mit einem in aller Form geschlossenen Allianz 
vertrage zu thun (s. dessen Wortlaut in deutscher 
Sprache bei Preser a. a. O. S. 50—56), der 
lediglich aus den damaligen politischen Verhält 
nissen heraus zu beurtheilen ist, oder wie Preser 
es ausdrückt (S. 56): „Was nun den Krieg an 
betrifft, für welchen Großbritanien sich in diesem 
Vertrage die Hülfe des hessischen Landgrafen 
sicherte, so kommt zu dessen Beurtheilung und 
somit auch zur Beurtheilung des Landgrafen der 
Eindruck in Betracht, unter welchem damals die 
politischen Anschauungen der europäischen Höfe, 
sowie die Mehrzahl der damaligen maßgebenden 
politischen Persönlichkeiten standen." Der Abschluß 
von Subsidienverträgen war damals etwas allent 
halben übliches. Der Landgraf handelte mit 
dem Abschluß des Subsidieuvertrages somit durch 
aus „im Geist seiner Zeit", wenn auch nicht 
geleugnet werden soll, daß, wie in England selbst 
so auch auf dem ganzen Kontinent, auch über die 
Kreise der französischen Encyklopädisten hinaus 
die Sympathie für die nordamerikanischeu Frei 
heitskämpfer sehr verbreitet war. Dessenungeachtet 
sind seitens der Gelehrten und Schriftsteller der 
damaligen Zeit völlig objektive Aeußerungen 
häufiger, als man in der Regel annimmt. Selbst 
verständlich scheiden die Fürsten und Staatsmänner 
der damals mit England verfeindeten, bezw. ihm 
mehr als kühl gegenüberstehenden Staaten aus der 
Reihe der objektiv denkenden Beurtheiler aus, vor 
allem König Friedrich der Große von 
Preußen, der, wie dies Friedrich Kapp in 
seinem Buche „Der Soldatenhandel deutscher 
Fürsten nach Amerika. Ein Beitrag zur Kultur 
geschichte des 18. Jahrhunderts", 2. Aufl., Berlin 
1874, mehrfach klipp und klar auseinandergesetzt 
hat (s. Seite 156 ff., S. 176 f.), ganz ausschließlich 
sein eigenes Interesse im Auge hatte. Nichts ist 
ungerechtfertigter als die Annahme, daß Friedrich 
ans Sympathie für die „amerikanischen Rebellen 
dem Landgrafen von Hessen feindlich gegenüber 
getreten sei". (Kapp S. 159.) 
Bekanntlich stellt sich Kapp im allgemeinen 
dennoch aus einen dem Landgrafen Friedrich und 
seinen Hessen ungünstigen Standpunkt, vornehm 
lich, weil er die in Deutschland heute allgemein 
gewordene Anschauung, daß die Subsidienvertrüge 
der deutschen Fürsten früherer Jahrhunderte jetzt 
glücklicherweise eine überwundene Erscheinung sind 
(s. Preser S. 49), auch schon für die Vergangen 
heit als maßgebend hinstellen möchte. 
Immerhin beruht sein Buch, wie auch Preser 
(S. 84) mit Fug und Recht betont, auf wissen 
schaftlicher Grundlage, mithin ist von einer 
Gegenschrift, welche die gleiche Anerkennung für 
sich beansprucht, zu verlangen, daß sie Schritt 
für Schritt an der Hand der Quellen ihm ent 
gegentritt. Und von Preser ist im Gegensatz zu 
anderen von hessischer Seite ausgehenden Ver 
öffentlichungen zuzugestehen, daß er dementsprechend 
vorzugehen bestrebt ist. 
So mannigfach die Angriffe auch heute noch 
auf unsere Väter niederhageln, die sich wie 
„Ochsen, Schafe und Schweine" hätten verkaufen 
lassen, besonders aber aus „den gewissenlosen 
Seelenschacher" des Landgrafen, — sorgfältige 
Zusammenstellungen der diesbezüglichen neuesten 
Auslassungen giebt Oberbibliothekar Dr. Edward 
Lohmeyer in seinem jährlich den Mittheilungen 
*) Carl Preser. „Der Soldatenhandel in Hessen." Versuch einer Abrechnung. Marburg (N. G. Elwert) 
1900. VII, 98 S. 8 °.
	        

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