Full text: Hessenland (14.1900)

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Der frühere und jetzige Dom zu Fulda. 
Vortrag des Herrn Geh. Bauraths Ho ff mann, gehalten im Fuldaer Geschichtsverein 
am 17. Januar 1900. 
(Schluß.) 
Mn einer 1826 über den Dom erschienenen, sonst 
werthvollen Schrift werden die Kosten vom 
^| Rohbau des Domes zu 100,000 fl. und die 
gesummten Kosten zu 170,000 fl. angegeben. Hier 
aus ist die Sage entstanden, daß der ganze Dom 
nur 100,000 fl., also eine unglaublich niedrige 
Summe, gekostet habe. Allerdings war zur Zeit 
der Erbauung des Domes der Werth des Geldes 
ein viel höherer; es betrug z. B. der Tagelohn 
eines Steinmetzen etwa 80 Pfg. und der eines 
Handlangers etwa 40 Pfg. Es sind aber bei der 
oben angegebenen Schätzung der Baukosten sehr 
viele Leistungen gar nicht veranschlagt, wie der 
Werth der Frohnden, das Eichenbauholz, Kalk 
und Sand, das Fußbodengeplütte, die sämmt 
lichen Schreiner-, Schlosser-, Glaser- und' An 
streicherarbeiten, und die Kosten der meisten Aus- 
stattnngsgegenstünde. Denn es fehlen die Kosten 
der Orgelgehäuse, der Chorgestühle, des kostbaren 
aus Marmor und Alabaster bestehenden Altars 
der Gruft und vieler anderen Altäre. Bei rich 
tiger Veranschlagung aller dieser Leistungen 
würden sich ganz andere Summen ergeben, und 
zwar solche, welche einigemale größer sind, als 
die angegebenen Summen von 100,000 und 
170.000 fl. 
Der Johann Dientzenhösser bekam als fürst 
licher Baumeister ein jährliches festes Gehalt, 
wofür er.alle fürstlichen Bauangelegenheiten zu 
besorgen hatte. Am Dom war er aber nicht nur 
Architekt, sondern auch Unternehmer und hat als 
solcher zu verschiedenen Malen Theile der Bau 
arbeiten übernommen. Er war wohl ein großer 
Baukünstler, aber er war nicht in demselben 
Grade ein guter Geschäftsmanu. Denn als 1711 
der Dom in der Hauptsache vollendet war und 
er mit der fürstlichen Rentkainmer abrechnete, 
stellte es sich heraus, daß er etwa 7000 fl., 
welche ihm zu viel gezahlt waren, wieder hätte 
herausgeben müssen. Es wurde ihm jedoch durch 
den Fürstbischof Adalbert I. von Schleifras dieser 
Passivrezeß erlassen. Trotz seines Fleißes und 
seiner Geschicklichkeit hatte Dientzenhösser nicht 
nur nichts erübrigt, er hatte auch noch Schulden 
in Fulda machen müssen, zu deren Tilgung ihm 
der Fürstabt Konstantin von Buttlar, der Nach 
folger des 1714 verstorbenen Adalbert I. von 
Schleifras, durch die fürstliche Rentenkammer noch 
1000 fl. anweisen ließ. Noch später, nämlich 
1722, ließ der Fürstabt dem Dientzenhösser aus 
dessen Nachsuchen ein Zeugniß über seine Thätig 
keit in Fulda ausstellen. In diesem Zeugniß 
wird gesagt, daß Dientzenhösser bis 1711 in 
Diensten des Fürstabtes gestanden, daß er sich in 
dieser Zeit treu, rechtschaffen ltnb fleißig ver 
halten, auch die ihm anvertrauten Gebäude, wie 
die hohe Stiftskirche, das Schloß und andere 
Gebäude in einen solchen Zustand gebracht habe, 
daß Se. Hochfürstlichen Gnaden ein sattsames 
eontonto darob geschöpft, und daß Dientzenhöffer 
auf sein Nachsuchen der hiesigen Dienste in 
Gnaden entlassen worden wäre. 
Dientzenhösser war, wie es scheint, bereits 
1711 und vor der 1712 erfolgten Einweihung 
des neuen Domes wieder nach Bamberg zurück 
gegangen, wo er bei größeren Bauten eine seiner 
Kunst entsprechende Thätigkeit fand. Er wurde 
daselbst 1722 als fürstlicher Baumeister angestellt, 
als welcher er 1726 verstarb. 
* * 
Wir kommen nun zum Schlüsse unserer Be 
trachtung über den hiesigen Dom. Die Formen 
desselben gehören der Renaissance an. Die 
Leistungen aus der späteren Zeit dieses Stils 
werden unterschieden als Barock-, Nococo- und 
Zopfstil, welche jedoch so ineinander übergehen, 
daß sich eine scharfe Grenze zwischen ihnen nicht 
ziehen läßt. Der Stil unseres Domes wird von 
neueren Kunstschriststellern römischer Barock- oder 
auch wohl Zopfstil genannt. Der Dom zu 
Fulda ist aber frei von den Ausartungen, welche 
andere gleichaltrige Bauten dieses Stils zeigen, 
und die Kunstschriststeller sind darin einig, daß 
er eines der edelsten und hervorragendsten Bei 
spiele der Kirchenbaukunst seiner Zeit in Deutsch 
land ist.
	        

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