Full text: Hessenland (14.1900)

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der Kreise Fulda und Hüufeld entfaltete sich 
eine rege Thätigkeit. Die meisten der zu den 
Außenseiten des Domes verwendeten Steine er 
folgten ans den im Thäte der Kemete unterhalb 
des Torfes Hauswurz belegenen Brüchen, die 
auch die zu den Gesimsen, Gewänden, Säulen 
und dergl. erforderlichen Quadern lieferten. Den 
Brecherlvhn für die Steine bezahlte die fürstliche 
Nentkammer. Die Anfuhr der Steine geschah 
theils für Geld, theils zur Frohnde, und es 
wurden mit Ausnahme von Hammelburg, Brücke 
nau und Herbstein alle Pflichtigen des damaligen , 
Fürstenthums Fulda zur Leistung von Frohn- 
fuhreu herangezogen. 
Auch mit dem Beschaffen des Gerüstholzes 
wurde bereits 1701 begonnen. Sowohl das Ge 
rüstholz wie das erforderliche Eichenbauholz 
lieferten lediglich die fürstlichen Waldungen, na 
mentlich die Forsten Kothen, Motten, Brückenau, 
Hattenhof, Nenhof, Niederkalbach, Dammersbach 
und Burghaun. Die Forsten bei Kothen und 
Motten lieferten die längsten Baumstämme. Auch 
das Bauholz wurde theils gegen Bezahlung, theils 
zur Frohnde angefahren, und zwar zunächst auf 
den vor dem damaligen Panlusthore befindlichen 
Zimmerplah. Sowohl zu allen Dachwerken wie 
zu den Thürmen wurde lediglich neues Eichen 
banholz verwendet. Die Eichenbaustämme waren 
zum Theil von außerordentlicher Länge, und 
Eichen wie die damals verwendeten sind jetzt in 
den Forsten der Umgegend Fuldas weder in 
solcher Länge noch in solcher Menge vorhanden. 
Tannenbauholz ist zu sämmtlichen Zimmer 
arbeiten des Domes nicht verwendet worden, und 
32 Tannenbaumstämme, welche die Fnldaische 
Nentkammer 1710 ans der Herrschaft Schmal 
kalden bezogen hat, sind zu anderen fürstlichen 
Bauwerken und nicht zum Dome verwendet wor 
den, denn die Zimmerarbeiten desselben waren 
1710 bereits ausgeführt. 
Der Neubau des Domes wurde nicht aus ein 
mal, sondern, wie ich jetzt ausführlich darlegen 
werde, stückweise und int Laufe mehrerer Jahre 
beschlossen. Dieses bestätigt meine Ansicht, daß 
Dientzenhöfser mit Rücksicht ans die damaligen 
Berkehrsverhültnisse ohne Beihilfe eines römischen 
Architekten und aus sich selbst die erforderlichen 
Pläne geschaffen hat. 
Als endlich 1704 der Ban begonnen wurde, 
war nur der Abbruch des alten Langhauses be- ! 
schlossen; die Vierung, das Onerschiff und der 
Westchor, sowie deren Bedachungen sollten beibe 
halten werden. Auch der Ostchor sollte bleiben, 
jedoch außen mit Quadern neu umkleidet werden. 
Es war 1704 ferner beschlossen, daß die St. 
Andreas- und die Taufkapelle erbaut würden; 
daß das Langhaus wegen Baufülligkeit hätte ab 
gebrochen werden müssen, ist nirgends gesagt; 
es war dieser Abbruch vielmehr deshalb noth 
wendig, weil es nicht möglich war, die in den 
unteren Theilen nur aus freistehenden dünnen 
Säulen bestehenden Mauern zwischen dem Mittel 
schiff und den Seitenschiffen als Stützen und 
Widerlagen der beabsichtigten Ueberwölbung zu 
verwenden; die nur mit ziemlich kleinen Fenstern 
durchbrochenen Mauern des Querschiffes und des 
Westchores gedachte man beizubehalten und durch 
pfeilerartige Verstärkungen, welche an der inneren 
Seite aufgeführt werden sollten, zum Tragen der 
beabsichtigten Ueberwölbung geeignet zu machen. 
Sodann sollte die ganze Kirche mit Backsteinen 
überwölbt werden. 
Der 1704 genehmigte Plan wurde jedoch 1705 
geändert, denn in diesem Jahre legte Dientzen- 
höffer einen neuen Riß zur Genehmigung vor, 
nach dem die Kirche im Ganzen länger und 
breiter werden sollte. 
Gleichzeitig legte der Baumeister Entwürfe vor 
über den Neubau des Westchores mit der Bvni- 
satiusgrnst, der Sakristei, des Kapitelhauses (b. i. 
der jetzigen Marienkapelle) sowie über vier Arten 
zur Ausführung der großen Kuppel. Da nun 
die Kuppel ohne eine neue Vierung nicht mög 
lich war, und eine solche nicht ohne ein neues 
Onerschiff, so werden die neuen Entwürfe sich 
auch auf diese Bautheile, obwohl sie nicht aus 
drücklich aufgeführt sind, bezogen haben, unb es 
scheint, als ob die Genehmigung zum Neubau 
dieser weiteren Bantheile auf Grund der 1705 
vorgelegten Pläne erfolgt sei. 
Endlich wurden dem Dientzenhöfser im Jahre 
1709 weitere Arbeiten an den beiden östlichen 
Thürmen übertragen; es werden solches die 
jenigen gewesen sein, durch welche diese Thürme 
ihre jetzige Gestalt erhalten haben. 
Der Bauherr entschloß sich hiernach nur all 
mählich zur gänzlichen Erneuerung des alten, 
ehrwürdigen Baues, sei es, daß er anfänglich den 
Hnnpttheil, als welcher der Westchor mit dem 
Grabmal des hl. Bonifatius zu betrachten ist, er 
halten wollte, sei es, daß er anfänglich das 
Können seines Baumeisters bezweifelte. 
Für den Baumeister entstand dadurch eine 
große Schwierigkeit, daß der Neubau erst nach 
und nach beschlossen wurde, und daß Theile vor 
handener Bauten bei dem Neubau benutzt wer 
den mußten, nämlich die östlichen Thürme zum 
Theil, und die östlichen Außenmauern des Kreuz 
ganges vom angrenzenden Kloster. (Der Vor 
tragende legte einen Grundriß vor, der die bei
	        

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