Full text: Hessenland (14.1900)

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des güntzlichen Vertrauens, es werden Ew. Hoch- 
gräfliche Excellenz ihren rühmlichen Eyffer zu 
nutzen der vorermelten Glaubensgenossen weiters 
gnädig walten lassen unb also andern Protestirenden 
Potenzen mit so Christ-rühmlichen Eyffer vor- 
leüchten." Der Gras ließ sich durch die Worte 
Valkenier's aber nicht befriedigen, und auch, als 
’ von dem Mylord d'Albermarle die Nachricht kam, 
Jhro Königliche Majestät wolle als Statthalter 
der vereinigten Niederlande den Sohn des Grafen 
bei erster Vakanz mit einer Kompagnie zu Fuß 
bedenken, und ihn auch mit Dero Königlicher 
Protection beehren, erklärte sich zwar der Graf 
mit diesem Anerbieten zufrieden, wollte aber Art. 19 
doch nicht ändern, bis er die Kompagnie wirklich 
habe. Inzwischen verreiste Valkenier in die Schweiz, 
seine Frau aber konnte keine Auskunft geben; 
Mylord d'Albermarle wiederholte am 25. Febr. 1701 
das Versprechen, nachdem der Graf bedenklich ge 
worden war, weil der König auf die Bitte um 
Uebernahme der Gevatterschaft bei seinem Sohn 
nicht geantwortet hatte. Der Bankier Jsaac 
Behaghel in Frankfurt, ein tüchtiger Geschäfts 
mann, verständig, erfahren, dabei christlich und 
warm liebevoll, durch dessen Hand die holländischen 
Kollektengelder gingen, wandte sich auch nach 
Holland wegen des Grafen Sache und berichtet, 
daß der König jetzt gar zu viel mit Parlaments- 
Affaires zu thun habe. Die lange Verzögerung 
ließ den Graf daran denken, selbst nach Holland 
zu dem König zu reisen. Endlich aber fertigte 
der Statthalter der vereinigten Niederlande, König 
Wilhelm von Großbritannien, am 16. August 1701 
das Patent für den Sohn des Grafen als Kapitän 
(Hauptmann) einer Kompagnie Fußvolk im 
Regiment des Oberst von Waas (später Neppel- 
fnchs) aus?) Nachdem nun das Versprechen des 
Herrn Valkenier eingelöst war, bestätigte der Graf 
am 2. Juni 1702 die Gültigkeit des Art. 19, 
wie er auf Ansuchen von Valkenier und der Ge- 
*) Ferdinand Maximilian IT. trat zwar nie in den 
Dienst, bezog aber den Gehalt bis zur Auflösung der 
Kompagnie, die von dem Graf besoldet werden mußte. 
(Brief des Grafen an den Heere Perkelbach, Solliciteur im 
Haag, vom 10. Dez. 1701; Brief des Obriften von Waas, 
Mastricht den 30. Dez. 1701, mit der Bitte um schleunige 
Zusendung des Soldes und der 10—12 Mann Rekruten) 
Die Kompagnie lag Anfangs abwechselnd in Mastricht 
und Stevenswerth in Garnison. Später wurde sie nach 
Portugal und Spanien geschickt und dort im Jahre 1707 
in der Schlacht bei Almanza, in welcher Karl I II. von 
Spanien, der spätere deutsche Kaiser Karl VI., durch die 
vereinigten Spanier und Franzosen eine schwere Nieder 
lage erlitt, völlig aufgerieben. Dort fiel auch der Stell 
vertreter des jungen Grafen in der Führung derselben, 
Kapitän (Pieder) von Nimwegen. Simon, Geschichte des 
reichsständischen Hauses Psenburg und Büdingen, Band U, 
S. 388. 
meinde ausgesetzt war: daß also die Waldensberger 
vollkommen frei sein sollten, gegen 1-4 Gulden 
Steuer von jeder Familie. Im Jahre 1718 
wurde die Steuer folgendermaßen vom Graf fest 
gesetzt: Die Besitzer zahlen für das Hans und 
die anderen Rechte 2 Gulden und für jeden 
Morgen Land Gulden. 
Der Vermögens st and war verschieden. 
Etliche hatten einiges Geld mitgebracht, die 
Meisten waren ganz arm. Schnell konnte es in 
Waldensberg nicht auswärts gehen, denn die 
Arbeitskraft war gering. Viele waren krank und 
schwach, das bebaute Land zuerst noch wenig, der 
Boden viel Arbeit fordernd und wenig Ertrag 
gebend; dazu kamen noch Mißernten. Im Jahr 
1710 mußte die Gemeinde um Erlaß des Zehnten 
bitten, der ihr gewährt wurde; aber die nach 
gesuchte Verlängerung der Steuerfreiheit wurde 
ihr nicht bewilligt. Im Jahr 1717 bat sie 
wieder um Erlaß des Zehnten, da sie für die 
Bauten so viel habe ausgeben müssen, aber da 
dieser für den Unterhalt des jungen Grafen in 
Halle bestimmt war, konnte ihre Bitte nicht erfüllt 
werden. Die Strumpfweberei, die immer Mehrere 
betrieben, brachte baares Geld in das Dorf, aber 
auch von dem Bauer und Wirth Jean Jullien 
schreibt Pfarrer Lumière im Jahr 1717, daß er 
etliche hundert Louisdor gutgemacht habe. Um's 
Jahr 1730 aber pflanzten die Hälfte der Ein 
wohner nicht so viel Korn, daß sie ein halbes 
Jahr davon backen konnten; die Strumpfweber 
aber bekümmerten sich überhaupt nicht viel um 
den Ackerbau. Das Korn mußten die Waldens 
berger auf der Weierhöser Mühle mahlen lassen, 
wenn aber dieselbe kein Wasser hatte, sollten sie 
in Neuenschmidten mahlen. Der Gemeindevorstand 
gab dagegen zu bedenken: „Wenn ein armer 
Mann sich in der Wetterau Korn kauft und 
soll's aus seinem Buckel bis Neuenschmidten tragen, 
welche Arbeit wäre das!" Ja, den Tod könnte 
es Manchem bringen, behaupteten sie. Der Müller 
sollte das Korn holen und das Mehl bringen, 
wie es in allen Ländern Sitte sei; nach Neuen 
schmidten trügen sie jedenfalls ihr Korn nicht. 
Brot wurde von Bäckern in Büdingen und 
Wolferborn nach Waldensberg gebracht. Außer 
Korn wurde gebaut Hafer, Haidekorn, Gerste, 
auch, wie es scheint, etwas Weizen. 
Um's Jahr 1720 wurde nach verschiedenen 
Vormundschafts-Rechnungen bezahlt für ein Haus, 
Scheuer und Hof 60 fl., für die Güter (24 Morgen), 
Haus, Scheuer lind Hofraithe des Pfarrers Roman 
260 fl.; für eine Kuh 15 fl., ein paar Strümpfe 
1 fl. 6 Albus, ein Hut 1 fl. 10 Albus, ein paar 
Schuhe und Strümpfe für ein achtjähriges Mädchen
	        

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