Full text: Hessenland (14.1900)

63 
ordentliche Professur, für neuere deutsche Literatur- 
ist durch Professor Di-. Eugen Joseph aus 
Straßburg wieder besetzt worden. 
Mar bürg er Musenalmanach. Eine An 
zahl kunstsinniger Marburger Studenten hat sich 
zur Gründung eines ersten Marburger Musen 
almanachs zusammen geschaart. Diejenigen Jünger 
der alma mater Pbilippina, welche sich an der 
Herausgabe betheiligen wollen, werden gebeten, 
künstlerische Beiträge in Gestalt von Gedichten, 
Stndentenliedern, Skizzen, Novellen, Sinnsprüchen 
und Buchschmuck an den Herausgeber, stud. rer. 
nat. Wolsgang Lehmus in Marburg (Neu 
stadt 24 III), einzusenden, der auch zu näherer 
Auskunft gern bereit ist. — Die Vorarbeiten 
schreiten rüstig vorwärts und, nach den bis jetzt 
eingelaufenen Beiträgen zu urtheilen, darf der Mar 
burger Almanach die Konkurrenz mit den bisher 
bestehenden (Göttingen, Berlin, Leipzig) getrost 
wagen. W. 8. 
Anna Ritter. Am 16. Februar las die 
heimische Dichterin Anna Ritter in Marburg 
vor einem dichten Kreis von Verehrerinnen und 
Verehrern im Saale des Museums Proben aus 
ihren gedruckten und ungedruckten Dichtungen vor. 
Eingeleitet wurde der Abend in sinniger Weise mit 
einem „Gruß aws Hessenland", dem später weitere 
Heimathlieder folgten. Der Beifall des andächtig 
lauschenden Publikums war warm und herzlich. 
Besonderen Applaus fanden das jauchzende, tief 
schöne „Brautlied", das geniale Gedicht „Am Kamin" 
und die humoristischen Perlen „Gekränkte Unschuld", 
„Der neidische Mond," „Größenwahn," „Papa". 
Auch die Prosaskizze „Müthchen" (Scene aus dem 
Kinderleben) fand großen Anklang. Die Mitarbeiter 
des zukünftigen Marburger Musenalmanachs über 
reichten ihr im Namen der jungen akademischen 
Verehrer herrliche Blumenspenden. 
Am 23. Februar beging Frau Anna Ritter- 
unter reger Betheiligung der deutschen Schriftsteller- 
Welt ihren 35. Geburtstag. Auch aus der Heimath 
wurden ihr zahlreiche Glückwünsche dargebracht. 
W. 8. 
Todesfälle. Am 24. Februar verschied un 
erwartet zu Kassel im Alter von 68 Jahren Ober- 
konsistorialrath Theodor Roh de, einer der 
wenigen kurfürstlich hessischen höheren Beamten, 
welche zur Zeit sich noch im Staatsdienste be 
fanden. Nach der Einverleibung in Preußen, die 
ihn als Assessor der Polizeidirektion in Marburg 
traf, wurde der Verstorbene als Regierungsrath 
an das Polizeipräsidium zu Berlin versetzt, von 
wo er vor 27 Jahren als Mitglied des Kon 
sistoriums mit dem Titel Konsistorialrath in die 
alte Heimath nach Kassel zurückkam. Hier hat er 
bis an sein Lebensende namentlich in Sachen des 
Kirchenbaues thätig und erfolgreich gewirkt, indem 
er das Verständniß der Gemeinden für Schönheit 
und Schmuck des Gotteshauses zu erwecken wußte 
und so kunstgemäßer Herstellung und Ausstattung 
der neu erbauten wie ausbesserungsbedürstigen 
Kirchen die Wege ebnete. Schon länger leidend, 
ohne in letzter Zeit bettlägerig zu sein, hatte er 
noch zu Weihnachten den Schmerz, während er 
seine übrigen Angehörigen längst verloren hatte, 
seinen einzigen Sohn in der Blüthe der Jahre 
dahinscheiden zu sehen. Wie der Verewigte in 
weiten Kreisen allgemeine Werthschätzung genoß, 
so gedenken wir seiner in besonderer Verehrung, 
zumal er an dem „Hessenland" eifrigen Antheil 
nahm und uns bisweilen durch dankbar begrüßte 
Beiträge erfreute. Er ruhe in Frieden! 
Am 16. Februar starb in Fulda Domdechant 
Dr. Braun, geboren daselbst am 21. Oktober 
1835, Priester seit dem 23. Oktober 1858. Zuerst 
in Rückers bei Hünfeld thätig, kehrte er im Jahre 
1868 nach nochmaligem Studium in Würzburg 
als Dr. zur- nach seiner Vaterstadt zurück, wo er 
sodann eine Professur an der theologisch-philo 
sophischen Lehranstalt erhielt, der er selbst seine 
Ausbildung verdankte. 1873 wurde er Mitglied des 
Generalvikariats, 1882 Domkapitular, 1894 Dom 
dechant. Seine Lehrthätigkeit erstreckte sich seit 
Wiedereröffnung der Lehranstalt nach Beilegung 
des Kulturkampfes aus Vortrüge über Kirchen- 
und Eherecht sowie Pfarrverwaltung. Eine zuvor 
kommende, liebenswürdige und stets hilfsbereite 
Persönlichkeit ist in Dr. Braun dahingeschieden. 
Kessrsche Wucher schau. 
Spengler, Lorenz. Blüthen und Perlen 
der Musica sacra. 
Im Verlag von A. Freyschmidt (G. Dufayel) 
in Kassel erschien vor Kurzem eine sehr empfehlens- 
werthe Sammlung drei-, vier- bis achtstimmiger 
Gesänge, herausgegeben vom Königlichen Musik 
direktor Lorenz Spengler. Die Sammlung 
führt den Titel „Blüthen und Perlen der 
Musica sacra", enthält hauptsächlich Tondichtungen 
aus der Blüthezeit der altklassischen Kirchenmusik
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.