Full text: Hessenland (14.1900)

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Der Schah aus der St. Michaels-Kirche ;u Fulda. 
Wie unseren Lesern aus den Tageszeitungen 
bekannt geworden sein wird, ist vor über zwei 
Jahren — im September 1897 — beiRenovirungs- 
arbeiten in der Krypta der St. Michaelskirche zil 
Fulda ein großer Münzfund gern acht worden. 
Dieser wurde aus Ersuchen des damaligen Kultus 
ministers Excellenz Bosse au das Königliche 
Museum nach Berlin gesandt, wo er von der 
ersten Autorität in der deutschen Numismatik, 
Herrn Professor I)i-. Menadier bearbeitet worden 
ist. Die Resultate der Untersuchung sind in der 
Berliner Zeitschrift für Numismatik XXII 1899 
S. 103 — 198 veröffentlicht, wo auch das goldene 
Armband sowie über 300 Münzen (Vorder- und 
Rückseite) abgebildet sind. Wir entnehmen dem 
Aussähe Folgendes. 
Der Fund bestand aus einem massiv goldenen 
Armband, dem Stücke eines Silberbarren, wie 
man sich deren im Mittelalter zu größeren Zahlungen 
bediente, unb über 2000 Silberpfeunigeu. Der 
ganze Schatz war in zwei irdenen Töpfen ver 
wahrt. Er ist, wie die Untersuchung der Münzen 
ergeben hat, nach 1114, dem Jahre des Regierungs 
antritts des jüngsten im Schatze vertretenen Münz 
herrn, des Abtes Erlholf von Fulda, und wahr 
scheinlich vor 1118 an dem Fundorte verborgen 
worden, also unter der Regierungszeit Kaiser 
Heiurich's V. Von wenigen Ausnahmen — so ein 
zelnen Pfennigen Heiurich's II. und Heiurich's III. — 
abgesehen, sind diejenigen Münzen, die den Namen 
des Münzherren tragen, etwa in den Jahren 
1070 — 1115 geprägt, iiitb demselben Zeitraum 
werden wir auch die Pfennige, die den Namen des 
Münzherren nicht angeben, zuzuschreiben haben. 
Menadier hat folgende Pfennige bestimmt: 
Fulda (1018 Stück; als Münzherr auf einem 
Stücke wird Abt Erlholf genannt), Hers f eld (59), 
Erfurt (117; Müuzherr:Adalbert I. von Mainz 
1111 — 1137), Bamberg (22). Würzburg 
(31; Meinhard II. 1085-1088), Ostfr änkische 
geistliche Münzstätte (8), Neustadt a. S. 
(3; Eginhard von Würzburg 1088— 1104), 
Ostfränkische weltliche Münzstätte (3), 
Regens bürg (7; Kaiser Heinrich IV., Bischof 
GebhardIV. 1089—1106), Mainz (381; Kaiser- 
Heinrich IV., Erzbischöfe Wezilo 1084 — 1088, 
Rudhard 1088-1109, Adalbert 1111 — 1137), 
Worms (45; Kaiser Heinrich II., III. und V., 
Bischöfe Eppv 1090—1103, Arnold II. 1110 — 
1120), Münzstätte bei Worms (13), 
Lorsch (1), Spei er (9), pfälzische geistliche 
Münzstätte (18), St. Gallen (6), Schweizer- 
weltliche Münzstütte(l), Verdun (2; Richers 
1089-1107), Metz (1; Bischof Poppo 1070- 
1107), Trier (3; ErzbischofEgilbert 1079—1101), 
Koblenz (4; Erzbischof Bruno v. Trier 1102 — 
1124), Köln (3; Erzbischof Hermann III. 1089 — 
1099), Duis b ii r g (2), Nieder r h eint s ch e 
M ü n z ft ä t t e (34), M a e st r i ch t (9). Fla u- 
drische Münzstätte (3), Utrecht (14; Erz 
bischof Konrnd 1076—1099), Deventer (1; der 
selbe), Leeuwarben (29; derselbe), Staveren 
(6; derselbe), Zütpheu (6; Graf Otto st 1103), 
W e st f ü l i s ch e Münzstätte (22), M ü n ft e r 
(52; Bischof Burchard 1097 — 1118), Dort 
mund (1; Kaiser Heinrich IV.), Herford (2; 
derselbe), Recklinghausen (1), Goslar (43; 
König Hermann von Salm 1081 — 1088, Kaiser- 
Heinrich IV. und V.), Quedlinburg (2; Aebtissin 
Agnes), Magdeburg (2), Dänemark (1). 
Der Werth des Fuldaer Schatzes besteht für die 
Münzkunde in dem reichen Materiale, das er für 
eine Zeit bringt, ans der bis heute außerordentlich 
wenig bekannt ist. Hat mau doch vor noch nicht 
langer Zeit an ein Aussetzen der Münzthätigkeit 
in dieser Periode geglaubt. Künstlerisch stehen die 
Münzen allerdings aus der denkbar niedrigsten 
Stufe. A Schnitt tft wk und unbeboUen. die 
Prägung schlecht. Das Münzblech ist so oünu, 
daß das Gepräge der einen Seite durch Durch 
schlagen das der anderen häufig zerstört und un 
kenntlich gemacht hat 
Um so höher steht das schöne Armband, das 
wohl ein Juwel romanischer Edelschmiedekunst 
genannt zu werden verdient. Es ist mit großen 
mit Rankenwerk gefüllte Rauten verziert, die aus 
aufgelötheten, gekerbten Drähten hergestellt find, 
eine Technik, die in unseren Landen zuerst an den 
schönen goldenen Scheibenfibeln der fränkischen 
Zeit auftritt. 
Hoffen wir, daß es gelingt, den Fund der 
Provinz zu erhalten. X.
	        

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