Full text: Hessenland (14.1900)

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fischen Kriegsraths Regnerus Engelhard"), 
welcher in der zweiten Hälfte des vorigen Jahr 
hunderts lebte, soll sie schon vor etlichen hundert 
Jahren unter dem Namen „der Sauerbrunnen" 
bekannt gewesen und vor ungefähr 70 Jahren 
mit einem neuen Fasse eingefaßt und in's Ge 
viert herum mit Quadersteinen umgeben und 
mit steinernen Bänken versehen worden sein. 
Einige wollten sogar das Vorhandensein der 
Quelle zur Zeit des Römers Plinius annehmen, 
da derselbe von tonten mattiaci rede und die 
Hauptstadt der alten Chatten, Mattium oder 
Mattiacum, nicht weit entfernt liege. Zu Leb 
zeiten Engelhard's wurde eine Ausbesserung des 
Brunnens nothwendig, denn er berichtet weiter: 
da der im Jahre 1769 angelegte neue Abzugs 
kanal eingefallen und der Brunnen dadurch in 
einigen Verfall gerathen, sei derselbe im Jahre 
1777 auf herrschaftliche Kosten wieder völlig in 
brauchbaren Stand gesetzt und neu gefaßt, auch 
zu mehrerer Dauer ausgebaut und gemeinnütziger 
gemacht worden. Die Anlage des Abzugskanals 
im Jahre 1769 erfolgte, als man höheren Ortes 
auf Bericht des als Brunnenmedikus be 
zeichneten Arztes Dr. Philipp Otto Cuntz zu 
Kassel, welcher bereits früher (schon 1764) den 
Brunnen untersucht hatte, an den Landgrafen 
Friedrich II. im Jahre 1768 die Bedeutung des 
Geismarischen Brunnens erkannte und für die 
Benutzung desselben Sorge trug. Z Derselbe 
wurde auf's Neue eingefaßt und bedeckt, d. h. 
mit Schutzdach gegen die äußeren Einwirkungen 
versehen; sodann wurde ein Haus gebaut, worin 
die Brunnengäste, welche sich in den benachbarten 
Orten Geismar und Züschen aufhielten, Unter 
kunft und Bequemlichkeiten finden konnten: endlich 
wurde zur Ableitung des sog. wilden Wassers 
des benachbarten Baches vom Brunnen der schon 
angelegte Abzugskanal erneuert. Darauf fand 
eine genaue Untersuchung des Brunnens durch 
den Apotheker Konrad Mönch zu Kassel statt, 
welcher die chemischen Bestandtheile des Wassers 
und sein Verhalten zu verschiedenen Gegenständen 
feststellte und das Ergebniß in einer kleinen 
Schrift niederlegte. 4 ) Der oben genannte Dr. Cuntz 
verfaßte auf Grundlage der von ihm vorge 
nommenen Kuren eine Abhandlung über die 
') Engelhard, Erdbeschreibung der hessischen Lande 
(Kassel, 1778), Th. I, S. 396 fg. Bergl. Kopp, Hand 
buch, Th. Ill, S. 138; Heß, Beiträge (Frankfurt a. M„ 
1787), Bd. II, S. 725. 
0 Beschreibung des Gesundbrunnens bei dem 
Dorfe Geißmar. Göttingen und Kassel, 1778. 
') Mönch, Beschreibung und chemische Untersuchungen 
des Dorf Geißmarischen Mineralbrunnens. Kassel. 1778, 
Wirksamkeit desselben. 5 ) Die von Apotheker Mönch 
gemachten und von Dr. Cuntz tut Wesentlichen 
gebilligten Ermittelungen bezüglich des Brunnens 
ergaben neben wirksamen Mittelsalzen, auflöslich 
alkalischen Erden und Eisentheilen eine aus 
Vitriol, Salzsäure und mit dem^Wasser innigst 
vereinigte saure Luft, welche Brunnengeist oder 
mineralisches Gas genannt wird, und;nach den 
damit in Gemäßheit der neueren chemischen Be 
zeichnungen vorgenvntlnenen Umwandlttngen Fol 
gendes : 
Die Mineralquelle zu Dorf Geismar, zu den 
erdigen Eisenquellen gehörig, hat eine 
Temperatur von 9 " R. und ^enthält in 16 
Unzen: außer freier Kohlensäure und kohlensaurem 
Eisenoxydul als vorwaltende feste Bestandtheile: 
3 Gramtn kohlensauren Talk und nicht ganz 
4 Gramm kohlensauren Kalk. °) 
Sodann wurde weiter festgestellt: 
„Der Geschmack des ganz frischen Wassers ist 
dem des Pyrmonter ähnlich, nämlich weinsäuer 
lich, schärslich angenehm, dabei stärker prickelnd 
wie das Wildunger, und stark perlend,^ohne den 
geringsten Schwefelgeruch, aber etwas vitriolisch 
oder gelind tintenhast mit einem sanften Zu- 
samntenziehen auf der Zunge, das Letztere bleibt 
eine Weile nach dem Trinken. Wettn das Wasser 
an die freie Luft gestellt wird, läßt es nach und 
nach einige gelbröthliche Theilcheni fallen und ver 
liert binnen 24 Stunden beinahe gänzlich seinen 
mineralischen Geschmack, alsdann zeigt sich aus 
seiner Oberfläche eine buntfarbige Haut. Bei 
seinem Ausfluß und an den Seiten des^Brunnens 
setzt sich eine gelbröthliche, etwas fette Ockererde 
an; das Wasser ist sehr spirituös, fodaß es auch 
starke Gefäße zerschlägt, bei Füllung der Flaschen 
muß man sie also eine dazu bestimmte Zeit offen 
lassen." 
Die Untersuchung wurde sehr gründlich vor 
genommen und es ergab sich bei Füllung von 
Gefäßen (s. g. Kapellen) mit dem Wasser u. A.: 
„Frisches und recht helles Kalkwasser wurde 
weißlich trübe, desgl. Silberglätt - Essig mit 
destillirtem Flußwasser verdünnt; Lakmustinktur 
wurde röthlich. — —" 
Man wollte sogar den Brunnen aus eilte Tiefe 
von 9 Schuh und 5 Schuh im Durchschnitt aus 
schöpfen lassen. Dies stellte sich jedoch als un 
ausführbar heraus, da man, obwohl drei Mann 
0 Cuntz, Nachricht von den Wirkungen und dem Ge 
brauch des Dorf Geißmarischen Gesundbrunnens. Kassel, 
1781. 
°) Osann, E., Physikalisch-medicinische Darstellung der 
bekannten Heilquellen der vorzüglichsten Bäder Europas, 
Th. 1 (Berlin, 1829), S. 287; Th. II (B., 1832), S. 655.
	        

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