Full text: Hessenland (14.1900)

') vgl. „sieffenlcmb" 1899, ßeft \G, 22. 
Bitter aus Hrlscnland. ' 
v. 
Meißner. 
t. 
Mich bannt Dein eigenart’acr Reiz, 
Bergkönig Hessenlands, 
Um den so Sag' als Märchen sticht 
Den blütbenreichen Kranz. 
Fran Holle banst mit ihrem Hof 
Dort im Frau Hollenteich, 
Lin Sonntagskind mir sie vermag 
Zu schau'n in ihrem Reich, 
Wenn sie in Mittagssonnenglnth 
Als rninnigliche Frau, 
Sonst unsichtbar, geheimnißvoll 
Entsteigt der Fluchen Blau. 
„Frau Holle Flammen schürt im Berg! 
So meint das Volk in: Thal, 
Wenn Wolkennacht und Nebeldunst 
verhüllt den Sonnenstrahl. 
Schneeflocken wirbeln läßt im Sturm 
Frau Holle Tag und Nacht, 
So oft zum Schlummer sie zurecht 
Ihr schneeig' Lager macht. 
Tin sonnigheit'rer Garten prangt 
voll Duft und Blüthenschnee, 
Mist gold'nen Früchteil rings geschmückt, 
Tief drunten in dem See: 
Frau Holle forgfam mütterlich 
Drin kleine Rindlein hegt, 
Bis daß die „Eller" sie von dort 
Ili's Bett der Mutter legt. 
Dorfkinder lockt zur Mittagszeit 
Frau Holle nach dem Teich, 
Bestraft die trägen und belohnt 
Die arbeitsamen reich; 
Sie selber nur im Sonnenschein 
Entschwebt zur Felsenschlucht, 
Und jeden Wandrer sie beschenkt, 
Der nicht ergreift die Flucht. 
Einst auf dem Rasen vor dem Teich, 
Frau Holle's Heiligthum, 
Schlachtopfer wurden dargebracht 
Den Flammen, ihr zum Ruhm, 
von Weitem nur die Menge fah 
Sich kränfeln dort den Rauch, 
Wenn in die Fluth Frau Holle taucht' 
Und Scherg' und Priester auch. 
Aus ^ig'ner (Quelle ward gespeist 
Der Leich, darin sie schlief, 
Rein Senkblei bis zum Grunde drang — 
Das Waffer war zu tief. 
Nur durch die „Teufelslöcher" stoß 
Es unterirdifch ab, 
Wo fchon im bodenlosen Moor 
Manch' Reiter fand fein Grab.
	        

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