Full text: Hessenland (14.1900)

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Fulda gehen, Herr Oberst, vor all den Chikanen — 
und nun soll ich ans einmal vom Wasser in's 
Trockene, aus der Hölle in den Himmel — soll 
Hosbuch — kurfürstlicher Hofbuchhändler werden! 
wie ist das nur möglich! wie ist das nur möglich!" 
Er sprang auf und tanzte in der Stube herum, 
wobei es nicht viel gefehlt hätte, daß er den Ober 
stallmeister in die Arme geschlossen und mit ihm 
eine Tarantella riskirt hätte. . . . 
„Nun aber beruhigen Sie sich endlich", sagte 
der Oberstallmeister, als Heinrich in seinen Freuden 
bezeugungen unerschöpflich schien, „und hören Sie zu!" 
Als Heinrich aber immer noch weiter tanzen 
wollte, kommandirte er: „Stillgestanden!" und 
da stand der frühere Leibgardist wie eine Mauer, 
die Finger an den Hosennähten, da und blickte 
seinen alten Vorgesetzten stramm in die Angen. 
„Also — wie ich vorhin zum Kurfürsten komme, 
fängt Seine Königliche Hoheit selbst an, von Ihrem 
Fall zu sprechen, d. h. von Ihrem gestrigen Fall 
mit dem Hut, der ihn sehr belustigt haben mußte, 
da Sie so kuriose Sprünge gemacht hätten, wie er 
sie sein Lebtag noch nicht gesehen habe. Mynheer 
van Klischnig, der berühmte brasilianische Affe, sei 
nichts dagegen, meinte er huldvollst und fragte 
dann, ob Sie auch ein braver Soldat gewesen seien? 
Aus alter u 
Einige hessische Gedenktage 
aus der ersten Hälfte des Monats De 
zember. 
Am 2. Dezember 1813 schloß Kaiser Franz I. 
von Oesterreich in seinem eigenen und in Kaiser 
Alexander's l. von Rußland und König Friedrich 
Wilhelm's III. von Preußen Namen mit Kurfürst 
Wilhelm I. von Hessen einen Vertrag, iit welchem 
dem Kurfürsten der Besitz seines früheren Landes 
zugesichert wurde, wogegen sich derselbe zur Zahlung 
von 2'l‘2 Millionen Gulden zu den Kriegskosten, 
zur Stellung von 24 000 Mann (12 000 Mann 
Linientruppen und 12 000 Mann Landwehr), sowie 
zur Herstellung der früher den Ständen und Unter 
thanen zustehenden Gerechtsame verpflichtete. 
Am 3. Dezember 1637 wurde die Stadt Zicrcn- 
berg durch die Kaiserlichen geplündert. 
Am 3. Dezember 1699 erfolgte in Hessen-Kassel 
wie auch im übrigen evangelischen Deutschland 
von den Kanzeln in Gemäßheit des Beschlusses des 
Corpus evangelicum am Reichstage zu Regensburg 
vom 23. September 1699 die Verkündigung der 
mit dem 1. März 1700 bevorstehenden Abschaffung 
des julianischen Kalenders zu Gunsten der Ein 
führung des verbesserten Kalenders. 
Da ich dies mit gutem Gewissen bejahen konnte, 
fuhr der Kurfürst fort: ^Dacht' ich mir nach der 
Geistesgegenwart, die er gestern gezeigt . . . . 
Und die Stadt will absolut nicht?' Die Stadt 
oder die Buchhändler — .Einerlei,' unterbrach 
mich Seine Königliche Hoheit, ,weil er mir gestern 
einen so heitern Augenblick bereitet, will ich dem 
Heinrich helfen. Wollen die Väter der Stadt ihn 
nicht als gewöhnlichen Buchhändler, mach' ich, der 
Landesvater, ihn. zu meinem Hofbuchhändler. Das 
kann mir weder Gilde, Zunft, noch Stadt ver 
wehren, car tel est notre bon plaisir!'" 
„Hurra! Hurra!" rief Heinrich und warf seinen 
Bibi in die Lust, daß die Prismen des über ihm 
schwebenden Kronleuchters leise aneinander klangen. 
„Gemach, gemach," sagte der Oberstallmeister. 
„Verfahren Sie von nun an fein säuberlich mit 
Ihrem Cylinder, denn Königliche Hoheit meinte, 
daß Sie ihm, d. h. dem Cylinder, in erster Linie 
die glückliche Wendung Ihres Geschickes zu danken 
hätten." 
So wurde Heinrich Hofbuchhändler des letzten 
Kurfürsten, und deshalb der stets grußbereite 
Cylinder auf dem Ehrenstuhl im Laden. 
Viele Leute fanden es lächerlich. 
Er war aber doch dankbar, der Heinrich. 
5 neuer ¡Seit. 
Am 3. Dezember 1741 starb Ulrike Eleonore, 
Schwester König Karl's XII. von Schweden, Ge 
mahlin des Landgrafen Friedrich I. von Hessen und 
Königs von Schweden. 
Am 4. Dezember 1756 starb Amand von Buseck, 
erster Fürstbischof von Fulda. 
Am 5. Dezember 1337 erließ Landgraf Heinrich 
der Eiserne das Verbot, daß die Klöster zu Kassel 
nichts an liegenden Gründen und Gefällen kaufen 
sollten; Vermächtnisse der Art mußten binnen einem 
Jahre und sieben Wochen verkauft werden. 
Am 6. Dezember 1777 starb der bekannte 
hessische Geograph Regnerus Engelhard. 
Am 7. Dezember 1742 verlieh Kaiser Karl VII. 
dem Landgrafen von Hessen-Kassel unbeschränkte 
Appellationssreiheit. durch welche Berufungen an 
außerhessische Gerichtshöfe ausgeschlossen wurden. 
Am 7. Dezember 1800 starb der hessische 
Generalleutnant Wilhelm Reichssreiherr zu Jnn- 
und Knyphausen, geboren zu Lütetsburg in Lst- 
friesland am 4. November 1716, an den Folgen 
einer Augenoperation. Seit dem Jahre 1734 in 
hessischen Diensten zeichnete er sich im siebenjährigen 
Kriege aus, so bei Bergen im Jahre 1759, wo er 
verwundet wurde', und übernahm im Nordamerika-
	        

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