Full text: Hessenland (14.1900)

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bleibt. Die übrigen Abweichungen gegen die ältere 
Urkunde enthalten Anordnungen, die entsprechend 
der im allgemeinen beobachteten Entwicklung des 
Zunftwesens aus Einschränkung jedweden anßer- 
zunstmäßigen Wettbewerbs hinzielten. Dazu ge 
hörte Folgendes: 
1. Den Kasseler Weinwirthen und Weinhändlern 
soll es zwar gestattet sein, einen Bender oder 
Küserburschen als Hausknecht anzunehmen, jedoch 
haben dieselben sich nicht nur aller neuen Faß 
binderarbeit, sondern auch des Abstechens der großen 
Fässer sowie des Ausputzens und Ausbrennens der 
leer gewordenen zu enthalten. 
2. Die Kauslente zu Kassel sollen zwar das 
Recht haben, ihre zu Münden und anderswo aus 
gepumpten Cartelen (dicke Bretter, Dauben) daselbst 
zu verkaufen, doch sollen sie weder außer Landes 
noch an anderen Orten Cartelen und Tonnen ver 
fertigen und diese nach Kassel bringen lassen dürfen. 
Arrs KeimcrtH 
Todestag des letzten Kurfürsten. Am 
6. Januar, dem Todestage des letzten Kurfürsten 
von Hessen, Friedrich Wilhelm's I., war das 
Grab desselben aus dem alten Friedhof zu Kassel 
wiederum mit Kränzen reich geschmückt. 
Geschichtsverein. Am 8. Januar hielt der 
Verein für hessische Geschichte zn Kassel eine 
außerordentliche Monatssitzung ab. Dr. Schwarz 
kopf regte die Ausschmückung des Platzes am 
Steinweg vor dem Naturalienmuseum durch Wieder 
ausstellung des am Brink beseitigten alten Brunnens 
von 1567 an, wozu das Ausschreiben des Ver- 
schönernngsvereins auf Veranstaltung eines Wett 
bewerbs behufs Ausschmückung des genannten Platzes 
durch ein architektonisches Bildwerk, einen Brunnen 
oder etwas anderes Geeignetes, den Anlaß bieten 
könne. Es würde sich wohl ermöglichen lassen, 
den alten Brunnen des Heilbronner Künstlers 
Jakob Bollinger dort wieder auszubauen und 
die drei Säulen desselben, die früher je eine Figur 
getragen hätten, an deren Stelle in neuerer Zeit 
die Säulen durch Kugeln gekrönt seien, mit den 
Bildnissen ehemaliger hessischer Regenten oder auch 
anderer berühmter Hessen zu schmücken. Der vom 
Verschönerungsverein ausgesetzte Betrag von 5000 M. 
sei nach Ansicht des Bildhauers Brandt völlig 
ausreichend, um ein hervorragendes Kunstwerk 
herzustellen. Der Vorsitzende Bibliothekar Dr. 
Brunner berichtigte einen Irrthum des Vor 
redners , daß der Brunnen in einer Scheune 
ebenso sollen sie auch die in Kassel ausgepumpten 
Cartelen nicht anderswohin schicken und die daraus 
verfertigten Tonnen wieder nach dort schaffen lassen 
dürfen. 
Und schließlich 3. soll den der Zunft ungehörigen 
fremden Böttchern, abgesehen von den Jahrmärkten, 
verboten sein, ihre Waaren in Kassel feilzuhalten 
und zu verkaufen, dagegen erlaubte man ihnen 
großmüthigst, ihre auf den Jahrmärkten unverkauft 
stehen gebliebenen Waaren bis zum nächsten Jahr 
markt an Ort und Stelle in Verwahrung zu 
lassen. 
Wir sehen, der Zunftgeist jener Tage war bereits 
ein recht engherziger, sodaß Landgraf Wilhelm VIII. 
alle Ursache hatte, am Schluß seines Bestütignngs- 
brieses sich und seinen Nachfolgern das Recht vor 
zubehalten, die „Zunft, Innung und Gilde nach.. . 
Gutbedünken, Willen und Wohlgefallen zu re- 
voeiren" . . . 
und I^ernöe. 
schlummere, derselbe oder vielmehr seine Ueberreste 
lagerten auf dem Hofe des städtischen Holzmagazins 
an der Weserstraße; es sei Hoffnung vorhanden, 
daß sämmtliche Bestandtheile noch zusammengelesen 
werden könnten. Redner berichtete sodann über 
die Abtragung des Brinkbrunnens und die vom 
Vorstand zur Erhaltung des Kunstwerks bezw. zu 
dessen Wiederausstellung an anderer Stelle gethanen 
Schritte. Alles sei aber an der Geldfrage ge 
scheitert, da dem Stadtrath Geldmittel zu diesem 
Zwecke nicht zur Verfügung gestanden hätten. Dem 
neugeplanten Vorhaben der Wiederanfstellung am 
Steinweg hätten ans Anfrage des Vorsitzenden 
bereits der Herr Regierungspräsident von Trott 
zu Solz wie auch Vieebürgermeister Sanitätsrath 
Dr. Endemann und Stadtbaurath Höpfner zu 
gestimmt. Sodann überreichte Dr. Schwarzkopf 
ein Packet Staatspapiere des Königreichs Westfalen 
nebst Coupons und Talons als Geschenk. Zum 
Schluß folgte der dritte Theil des Vortrags des 
Oberstleutnants a. D. von Stamsord über die 
Freiheitskämpse gegen die Römer im 
Jahre 15 n. Chr. Nach Beendigung des Vor 
trags verlas der Vorsitzende eine Erklärung des 
Gesammtvorstandes, in welcher derselbe sich dagegen 
ausspricht, die Forschungen und geistvollen Folge 
rungen des Herrn Oberstleutnants unter allen 
Umständen als gültig und bindend anzusehen. 
Eine weitere Erörterung der in Betracht kommenden 
Fragen wurde aus den nächsten am 15. Januar 
stattfindenden Unterhaltungsabend des Vereins ver 
schoben.
	        

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