Full text: Hessenland (14.1900)

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beziehen Kirche und Bürger die Wachslichter. 
Die Eichenwälder des Schönebergs versehen den 
Lob er (1544—1626) mit der nöthigen Lohe zur 
Gerberei. Der Marsteller dient im Marstalle 
des Fürsten. Hinter dem Pfluge ging der 
Pflueger (1575), dessen Namen man bald in 
Pflügt (1639) abkürzte. Eines Priesters Nach 
komme war Pfass (1575-85). Der Schaffer 
(1575; Schefser 1626) trieb die zahlreichen Schafe 
auf die Weide.*) Als Schützer und Fechter be 
währte sich Schirmer (1575). Mit Bart und 
Haar wußte der Scherer (1569—1626) wohl 
umzugehn. Das Holz der landgrüflichen und 
städtischen Forsten zerschnitt der S ch n e i d e m v l l e r 
(1626), und der Schreiner (1626) verarbeitete 
es dann weiter. Schneider (1575) und Schu 
macher (1626) durften auch uicht fehlen. 
Seuttel, Sutel oder Sutellius (1518 — 68) war 
ein „kleiner Schuhmacher", der seinen Namen in's 
Lateinische übersetzt hatte. Mit Klempnerarbeiten 
gab sich der Spengler (1608—21) ab. Der 
Truchseß oder Drost (Trost 1626) wartete bei 
Tische auf.*) Die Töpferei stand noch immer in 
Blüthe, auch nach auswärts versandte der Topper 
(1535) sein Geschirr. Bon allen Handwerkern 
übertraf ihn nur der Weber (1544—1626), 
dessen Tuche guten Absatz fanden. Melden er 
(1607—26; jetzt Weltner) wirkte als Waldauf 
seher. Hinter W e h r m e i st e r (1626; ahd. 
werahmeister) verbirgt sich ein Werk- oder Bau 
meister. Unter Wepler (1626) versteht der 
Eine einen Beamten, der die zollpflichtigen Waaren 
mit einem Wappen abstempelt**), der Andere sieht 
darin einen waffenführenden Adligen, welcher 
noch nicht Ritter war.ch) Beide Erklärungen sind 
aber anfechtbar. 
*) Andresen, Konkurrenzen S. 97. Heintze S. 214. 
**) Hoffmann von Fallersleben S. 22. 
t) Vilmar, Namciibüchlcin S. 26. — Vgl. jedoch 
*) Das Milsunger Saalbuch von 1575 schreibt stets 
Schaffer und Schafftrifft, — Heintze S. 196 erklärt 
Schaffer nur als Schaffner oder Verwalter. 
Vilmar, Idiotikon S. 449: gewepel — eine Menge 
Kleidungsstücke übereinander. 
(<5in die „Beinamen im engeren Sinne" behandelnder Abschnitt folgt im nächsten Jahrgang.) 
Ium Kaufungcr Urkundenbuch. 
B ereits in Nr. 18 dieses Jahrgangs (S. 238) konnte 
aus den soeben erschienenen ersten Band des 
Urkundenbuchs des Klosters Kausungen 
von Hermann von Roques empfehlend hin 
gewiesen werden, mit dem, dank dem Fleiße des 
Herrn Bearbeiters, die hessische geschichtliche Literatur 
bereichert ist. Als erstes niederhessisches Urkunden- 
bnch der Neuzeit kann das werthvolle Werk, dessen 
2. Band wohl nicht mehr lange aus sich lvarten 
lassen wird, der wärmsten Aufnahme sicher sein. 
Zwar kann man nicht sagen, daß die Urkunden 
gerade viel Material für die äußere Geschichte des 
Klosters bieten; dagegen sind sie angefüllt mit 
kulturgeschichtlichem Stoffe aller Art. Inhaltlich 
haben die meisten derselben, wie überall, den Besitz, 
diese Grundlage jeder irdischen Existenz, zur Ber- 
anlassnng und zum Zweck. Unter diesen treten 
ganz besonders hervor die Schenkungsurkunden 
Kaiser Heinrich's II. für das Kloster Kausungen, 
12 an der Zahl, denen Kaiser Heinrich III. dann 
noch eine Marktverwilligung hinzufügte. Diesen 
schließt sich eine Reihe gerichtlicher Urkunden an, 
die das gebrochene Recht wiederherzustellen oder das 
angefochtene zu schützen bestimmt waren, auch einige, 
welche von der Gerichtsherrlichkeit des Klosters 
Zeugniß geben. Eine dritte Reihe berührt die 
innere Seite des kirchlichen und klösterlichen Lebens. 
So charakterisirt der Herausgeber selbst in seiner 
ausführlichen lesenswerthen Einleitung, aus die be 
sonders hingewiesen sei, die einzelnen Bestandtheile 
des Urkundenbuches. 
Dasselbe beginnt mit drei Urkunden, die der Zeit 
vor Kaiser Heinrich II. entstammen, aus denen sich 
ergiebt, daß dort bereits vorher (und zwar um 850) 
eine Kirche (ecclesia in Kapungun) vorhanden war, 
und daß dieselbe sich aus dem Gebiete der Grafen 
Bennit und Amalung ans dem alten Geschlechte der 
Bittunger befand, die, obwohl aus edlem sächsischen 
Blut entsprossen, doch in engem Anschluß an den 
Frankenherrscher ihren Bortheil gefunden hatten. 
Schon diese Billnnger scheinen für ansehnliche 
Ausstattung der Kansnnger Kirche Sorge getragen 
zu haben, wennauch nur eine einzige Urkunde von 
ihrem Wirken in diesem Sinne Kunde giebt (Nr. 3). 
Schon zur Zeit der letzten Karolinger bestand in 
Kausungen ein Frauenkloster, dessen Aebtissin zwischen 
880 und 889 Frau Alberat war, die ebenfalls 
dem Geschlecht der Billnnger angehörte (S. 4, 5). 
Das Billnnger Kloster verschwindet alsbald aus 
der Geschichte, möglicherweise ist es von den Ungarn 
(etwa im Jahre 933) zerstört worden (Roques, 
S. XVII). Nach den ältesten Urkunden des Kaufnnger
	        

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