Full text: Hessenland (14.1900)

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Thätigkeit Vilinar's auf germanistischem Boden 
zu geben. Was er allein hier geleistet hat, ist der 
höchsten Bewunderung und Anerkennung werth. 
Mag viel von seinen Forschungen heute als über 
wundener Standpunkt für den deutschen Philologen 
gelten: sein Name verdient einen ehrenvollen Platz 
in der Geschichte der Germanistik, nicht unter denen, 
die durch bahnbrechende Werke diese Wissenschaft 
als Meister energisch gefördert und weitergebracht 
haben, sondern unter denen, die den wüsten 
Grund der damaligen Wissenschaft zu ihrem be 
scheidenen Theil haben urbar machen helfen und 
die Liebe zu diesem Zweig der Wissenschaft zuerst 
in weiteren Kreisen geweckt haben. 
Melsunger Familiennamen bis 1626. 
(Fortsetzung.) 
D er Vogt (1463 Foydt, 1599 Voitt) verlangt 
schwere Buße vom Kistener (1437), weil dieser 
zur Herstellung seiner Kisten im herrschaftlichen 
Forste eigenmächtig Bäume gefällt hat. Der Kol er 
(1416—1626), der still hinter seinem Meiler saß, 
bemerkte Kistener's Frevel und zeigte ihn an. Der 
Kürschner (1484 Korsen er) und der Krämer 
(1421 Krymer; 1493—1577 Kremer) erbieten 
sich, Bürgschaft für den Freund zu leisten. Der 
Bogt nimmt die Bürgschaft an, und die drei 
Freunde wandern frohen Muthes zum Koch (1460) 
und lassen dessen Kunst Gerechtigkeit widerfahren. 
Der Müller (1406-84 Mo ln er, Mulner; 
1575 — 1626 Möller, Möller) winkt zu derselben 
Zeit den vorbeisprengenden Reuter (1470 Rüther; 
1575—1626 Reutter) heran und klagt ihm, 
daß übermüthige Studenten oder Schüler 
(1412 — 64) die Mühlräder und das Getriebe 
gewaltsam beschädigt haben. Der Reuter verspricht, 
daß es sein Vorgesetzter, der Schultheiß» 
(1484) erfahren soll, damit er es vor das Gericht 
bringt. Der angesehene S m e d oder Schmit 
(1377—1626) hat als Schöffe über das Vergehn 
der Schüler zu Gericht zu sitzen. Wie gern möchte 
der arme Schneider, den sie S c r o d i r oder 
Schröder (1429 — 1625) nennen, dieselbe Ehre 
genießen! Aber die Schaar der Tuchmacher und 
Walker (Tnker*) 1379 — 89) die in der ältesten 
und vornehmsten Melsunger Zunft, in der der 
Gewandschneider, vereinigt sind, läßt so leicht keinen 
andern emporkommen. Das hat auch der Töpfer 
(Ulner**) 1379 — 1470) erfahren, so geschickt 
er auch sein Handwerk betreibt, und so gern die 
reichen Leute der Stadt und Ilmgegend seine Waare 
kaufen. Wenn Ulner von dem nach ihm benannten 
Jlersbach auf dem Karlshagen (1470; 1577 
Eulersgraben) seinen Thon holt, dann ziehen häufig 
Weyner (1443—1577), der Wagenmacher, und 
*) F i ck S. 3 stellt Tuckermaim zum altdeutschen Namen 
Diutker. — 
**) F i ck S. 17 erklärt Uellner — ulnarius, Ellen 
macher. 
der Czim m erman (1432) mit ihm aus. Der 
letztere erhält freilich das meiste Bauholz vom 
Zimmer (1568) auf dem Schönberge. — 
Nach 1500 sind die Gewerbenamen noch mannig 
faltiger. Zur Ernährung der Bürgerschaft sind 
Becker (1575 — 1626) und Beinhawer (1626) 
oder Schlachter am wichtigsten. Auch dem Händler 
oder Deuscher (1626), dessen Namen die spätere 
Zeit erst in Deischer, dann in Diescher und endlich 
in Tischer verwandelt hat, muß die Hausfrau 
manchen Heller zuwenden. Am Feierabend kehrt 
der Haltsherr gern beim Dvrwirt (1626) ein, 
der höchst wahrscheinlich seine Gastwirthschast in 
der alten Post am Brückenthore hatte. Manche 
ziehen es vor, die Abendstunde beim Schankman 
(1607) zu verbringen; er hatte wohl den Wein- 
nnd Branntweinschank von der Stadt gepachtet und 
im Rathskeller war seine Stätte. Tie Junggesellen 
speisen mittags bei der G a r k o ch i n (1626). 
Bütten und Fässer liefern jetzt Budger (1626) 
und Faßhener (1575). Förster (1575) und 
Jäger (1576) verwalten des Landgrafen Waldung 
und Jagd. Der Grebe (1626) hatte ehemals 
einem Dorfe vorgestanden. Gülten er (1626) 
war zu einer Gülte, einer Abgabe, verpflichtet. 
Gultha (1626) scheint eine Kürzung desselben 
Namens zu sein. Hoffman (1569) ist ent 
weder der Verwalter eines herrschaftlichen Hofes 
oder ein unfreier Bauer, der zu einem solchen 
Hofe gehört. Neben dem Grobschmiede steht jetzt 
der Kleinschmit (1626), der feinere Arbeiten 
machte, also Schlösser, Sporen und selbst die 
Kirchenuhr. Ob Kloppe r (1626), woraus 
später Klepper wurde, einen Kobold bedeutet oder 
einen Schultheißen, der bei der Eröffnung des 
Märkerdings mit dem Gerichtsstabe aus den 
Tisch klopft*), oder endlich einen Handwerker, der 
viel zu klopfen hat, das mag dahingestellt bleiben. 
Der Linwebber (1626) verfertigt die viel be 
gehrte Schockleinwand. Von Leuchter (1575) 
*) Pott S. 76.
	        

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