Full text: Hessenland (14.1900)

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Literatur.'^ 
[(Qe^chichte und 
M 24. 
XIV. Jahrgang. 
Kassel, 17. Prtrmbcr 1900. 
Unter dem Schnee. 
mit meiner Liebsten eingeschneit 
In trauter Waldeshütte, ; 
Du schöner Traum der Winterzeit, 
M werde wahr, ich bitte. 
Mir haben ja Wasser und Brot genug, 
Bis wieder Schneeglöcklein blühen 
Und über uns im Wanderzug { 
Die wilden Gänse ziehen. 
Und hier aus deinen Wangen blüh'n ( 
mir auch -im Winter die Rosen, 
Und deine rothen Lippen glüh',, 
Dom heimlichen Rüssen und Rosen. 
Und sehnst du dich nach den Veilchen der Au'n, 
So ruh' ich dir still zu Füßen; 
Da magst du in meine Augen schau',,, 
Die gleich den Veilchen dich grüßen. 
So sind wir ein glücklich menschenpaar, 
Wetteifernd in Uuld und Güte, 
Und streiten, wer das andre wohl gar 
An Liebe noch überbiete. 
Was draußen einander betrügt und prellt, 
Umschwärmt von Geiern und Raben — 
Fahr' wohl mit allem, du falsche Welt, 
Und bleib' in, Schnee begraben! 
fl. Crabert. 
Winter muss sein! 
Winter mit Tis und Schnee, 
Winter mit Ach und Weh, 
Winter muß sein! 
Wenn nicht der Winter wär', 
Wie könnten lang vorher 
Wir uns so freu',,? 
Wenn dann der Lenz beginnt, 
Wenn dann der Schnee zerrinnt, 
Wolken froh zieh',,, 
Wenn laut die Lerche singt, 
Wenn Wald und Flur erklingt, 
Wenn Veilchen blüh'n, — 
Schwindet bald Tis und Schnee, 
Schwindet bald Ach und weh, 
Schwindet das Leid; 
Schwindet die bange Nacht, 
Schwindet des Trübsinns macht. — 
Selige Zeit! 
# # j* * 
Hermann Haase.
	        

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