Full text: Hessenland (14.1900)

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er als Professor der Theologie von 1855 bis 1868 j 
gewohnt hat, Renthosstraße 4, eine Gedenktafel 
anbringen. Verfertiger ist Bildhauer Paffrath. 
Hessische Künstler draußen. Ein hohes 
Können, ein glanzvolles Blühen in unserer Kunst! 
Man streicht dahin, bewundernd und glückvoll. 
Was läßt sich darüber sagen — singen müßte 
man, denn das Feine, das Letzte, das, was lins 
die Seele klingen macht, ist doch nicht in Worte 
zu pressen. 
Deshalb nur — weil Sie es wünschen: Dem 
Heinrich Otto in Düsseldorf ist der Weg aus 
der Modellirklasse des seligen Hassenpflug bis zu 
seinen Sachen im Glaspalaste wahrhaftig nicht 
leicht geworden. Ein bischen schwer, derb, ganz 
ungenial, hat er sich immer arbeitend herausgemacht. 
In Düsseldorf im kleinen intimen Kreise An 
regung und erst auch wohl Beeinflussung findend, 
giebt er jetzt ein Bild voll schlichter Wahrheit und 
ernster Selbstständigkeit. Sehr liegt ihm auf die 
Arbeit mit dem Stifte; ein farbiger Steindruck — 
der goldene Herbsttag, die gelben Bäume in der 
Sonne hochaufleuchtend — ist direkt bedeutend. 
Adolph Lins, der in Paris durch Verleihung 
einer Medaille geehrt ist, hat sein großes Stallbild 
ausgestellt, von Berlin her bekannt. Dann noch 
einige neue kleinere Sachen, unter denen ein 
Sommerfrühabend — der Mond lugt lichtlos 
durch die Weiden — das Beste ist. . 
Frieda Menshausen in Berlin wächst sich 
immer mehr in seiner Eigenart aus, weiblich, liebe 
voll. Sie hat ein Pastell da, dem vorjährigen 
Oelbildc in Absicht und Durchführung verwandt. 
Wieder bringt sie das weiche Kinderköpfchen, un 
beleuchtet und lichtumgeben interesstrt, und wieder 
giebt sie das sehr schön. Dann zeigt sie noch ein 
Genrecheu (das mehr als Genre ist), ein kleines 
Mädel in kurzem Röckchen, das, aus die Zehen 
gehoben, das Rüschen in die Blumen steckt, die 
aus dem Tische stehen, sehr lustig und fein. 
Otto Ubbelohde, der sich in Goßfelden bei 
Marburg seine Hütte gebaut hat, geht ganz in 
herbstschöner hessischer Landschaft auf und schildert 
sie — hessisch. 
Ein Lichtproblem, das oft behandelt ist, hat sich 
Fritz Rhein (in Rom) gestellt. Mutter und 
Kind im ganz dämmerigen Raume, nur vom Ofen- 
seuer angestrahlt; ein gutes Bild, nur an seine 
Portraits reicht's nicht heran. 
Ernst Neu mann stellte nur Sachen seiner 
seinen Stistkunst aus: Kinderstudien — aus 
gezeichnet —, eine farbige Zeichnung mit dem Mond 
im Wasser von verblüffender Wirkung. Dann aber 
auch Holzschuitte, die nichts sind als bizarre Scherze. 
Die Radirungen von Hans Reumann sind 
sehr malerisch und sein Schabklinstblatt eines 
Alten sehr intim. 
Wie mit der Literatur, so geht's mit der Malerei. 
Das Eine liegt uns, das Andere nicht — lind 
wäre es auch nur durch die Art, wie es ausge 
sprochen wird; durch das, was man in der Malerei 
mit „Technik" bezeichnet — immer natürlich nur 
von dem gesprochen, was mau eigentlich unter das 
„Kunstwerk" rangiren kann. Die Technik nun soll 
man am Kunstwerke gar nicht oder doch zuletzt 
bemerken — sie soll selbstverständlich sein wie 
beim reproduzirenden Musiker. Hans Fehren 
berg, der bei Basse in Kassel mit feiner Samm 
lung uns so große Eindrücke gab, in seinen beiden 
Bildern, die er in der Seccession hängen hat 
— als der einzige Landsmann — da ist er seiner 
selbstverständlichen Malweise nicht ganz treu ge 
blieben, seine breite, flüssige Art ist hier zu flüssig 
geworden. Aber aus ein paar ineinandergeschobenen 
Hütten, dem bischen Wasser und einem Stückchen 
Ferne holt er eine Poesie, wie das nur der 
Dichter kann. 
Es fehlen Viele, denen man wieder mal gerne 
begegnet wäre, aus Kassel ist gar nichts da. 
München, 27. Oktober 1900. 
A. S. 
Die Zeitschrift „Der Burgwart", aus welche 
im „Hessenland" schon mehrfach hingewiesen ist, 
bringt unter der Ueberschrift „Burgenschau" 
regelmäßig Mittheilungen über gefährdete Bau 
denkmäler der Vorzeit wie über zum Zweck der 
Wiederherstellung von solchen geschehene Schritte. 
Darunter befinden sich nicht selten Mittheilungen, 
die auf Hessen bezw. das angrenzende Gebiet Bezug 
haben; so wird in Nr. 2 des zweiten Jahrgangs 
vom August dieses Jahres berichtet, daß Direktor 
Dr. Schuchhardt aus Hannover aus der Lippvlds- 
burg im Jlksthal bei Lippoldshausen bei Hannov.- 
Mündeu — nicht zu verwechseln mit dem strom 
abwärts von Münden an der Weser gelegenen 
Lippoldsberg — bei Gelegenheit von im Austrage 
des historischen Vereins für Niedersachsen dort 
veranstalteten Ausgrabungen die Mauern der alten 
Burg zum Theil bloßgelegt habe. Funde, welche 
der Altersbestimmung dienen könnten, wurden nicht 
gemacht. 
Aus der Marksburg bei Braubach in der 
ehemals hessischen Grafschaft Katzenellenbogen wurden 
nach Nr. 3 der genannten Zeitschrift kürzlich unter 
Leitung des Architekten Bodo EbHardt Aus 
grabungen und Untersuchungen vorgenommen, welche 
die Wiederaufdeckung des alten Thorgrabens zur 
Folge hatten. Bekanntlich ist die Ruine Marksburg
	        

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