Full text: Hessenland (14.1900)

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Landgraf Philipp's Zug vom Jahre 154 6 
noch lange im Gedächtniß der Zeitgen offen. 
Bezugnehmend aus den Aufsatz „Landgraf Philipp 
im Feldzug des Jahres 1546 und die Volksdichtung" 
in Nr. 14, S. 174 ff. des laufenden Jahrgangs 
vom „Hessenland" theilt ein Freund des Blattes 
mit, daß nach einem ihm im Original vorliegenden 
umfangreichen Zeugenverhör vom 2 7. Juni 159 7 
ein um seine Personalia befragter Zeuge sich wie 
folgt äußerte: „Ad 1. Antworttete Zeug, er heiße 
Greten Andres, vngeferlich vmb 70 Jahr allt, habe 
56 Jahr zu Burckhards, alda er noch wone, hauß 
gehalten, alß sein Herr der Landgrass zu 
Hessen vor Ingolstadt gelegen, fei er 
Zeug mitgewesen, vff 200 fl. reich, ernere 
sich von seinen Eckern vud Biehe, sitze Jtzo in der 
dritten Ehe." Nach mehr als fünfzig Jahren war 
sonach die Erinnerung an diesen Feldzug bei dem 
erwähnten Theilnehmer so lebendig, daß er mit 
gewissem Stolz dies vor dem kaiserlichen Kammer- 
gerichtskommissar zu Protokoll gab, obwohl er nicht 
darnach befragt und dieser Punkt auch zu den 
Gegenständen des Verhörs in keinerlei Beziehung 
stand. Es handelte sich damals um Beschwerden 
des Städtchens Wenings gegen den Grasen Wolf- 
gang Ernst I. von Mnburg wegen verschiedener 
angeblicher Uebergriffe, u. A. Einführung des 
reformirten Gottesdienstes, Vertreibung des lutheri 
schen Geistlichen rc. . Ss. K. 
Ein unbekannter Albus des Landgrafen 
Wilhelm V. zu Hessen-Kassel. Im Früh 
jahr entdeckte ich in der Münzsammlung der Uni 
versität Leipzig einen meines Wissens gänzlich 
unbekannten hessischen Albus. Die soeben erschienene 
Nr. 10 der Blätter für Münzsreunde, herausgegeben 
von Di-. H. Buchenau, bringt eine vortreffliche 
Abbildung dieses interessanten Stückes auf Tafel 139 
und beschreibt es folgendermaßen: 
Hs. WILHELM • D • G • LAND • HASS 1627, 
Rosette. Helmkrone, darüber zwei mit je 5 Schellen 
stäbchen besteckte Büffelhörner, oben Rosette. — 
Rs. I (zwischen Rosetten) ALDUS -1 REICHS • | 
THALER • | SILBER • | Monogramm von T 8 
(Terentius Schmidt) zwischen Rosetten. — Original 
in der Leipziger Universitätssammlung, Taf. 139, 9, 
zuerst, jedoch ohne Abbildung, besprochen von 
P. Weinmeister, Num. Anz. Hannover I960, S. 34. 
Leipzig. Weinmeifter. 
Aus KeimcrtH und gfremde. 
Verein für hessische Geschichte und 
Landeskunde. Tie Monatssitzung des Ver 
eins für hessische Geschichte und Landeskunde zu 
Kassel vom 26. November war die letzte, welche 
im Saale der Oberrealschule, wo dieselben seit 
25 Jahren abgehalten wurden, stattfinden konnte, 
weil die Stadt Kassel beschlossen hat, sämmtlichen 
Vereinen, welchen die Benutzung städtischer Schul- 
räume für ihre Zwecke gestattet war, die bislang 
gewährte Erlaubniß vom 1. Januar 1901 ab zu 
entziehen. Ter Vorsitzende des Vereins. Ober- 
bibliothekar Dr.^Brnun er, gab seinem Bedauern 
darüber Ausdruck, daß der Verein von dieser 
Maßnahme betroffen sei. Wo die nächste Sitzung 
stattfinden könne, vermöge er noch nicht anzugeben. 
Hoffentlich lasse sich die Anordnung noch rück 
gängig machen, bezw. andere Abhülfe schaffen. 
Ter Vorsitzende begrüßt zunächst den anwesenden 
Oberpräsidenten Excellenz Graf von Zedlitz- 
Trützschler und Frau Gemahlin, theilte daun die 
seit der letzten Sitzung eingetretenen Veränderungen 
im Mitgliederbestände mit und gab eine Uebersicht 
über die eingegangenen Geschenke. Hieraus hielt 
Dr. med. K a r l S ch w ar z k o p s den angekündigten 
Vortrag über die Belagerung Kassels im 
siebenjährigen Kriege vom 15. Februar bis 
28. März 1761 durch die Verbündeten unter Graf 
Wilhelm zur Lippe, den berühmten Artilleristen des 
18. Jahrhunderts. Dem allerseits verehrten Redner, 
dessen fesselnder Vortrag über Kassel im 30 jährigen 
Kriege erst in den letzten Nummern dieser Zeit 
schrift den Lesern im Wortlaut unterbreitet wurde, 
gelang es wieder, die äußerst zahlreiche Versamm 
lung durch seine überaus anschauliche Schilderung 
mit sich fortzureißen, namentlich trugen dazu die 
mit großem Geschick eingeflochtenen Mittheilungen 
ans dem Tagebuche seines Urgroßvaters, des 
Kriegs- und Domänenrathes Kulenkamp, sowie 
Auszüge aus dem Briefwechsel des Landgrafen 
Friedrich II. mit Herzog Ferdinand von Braun 
schweig über die Behütung der Karlsaue vor den 
etwaigen Folgen der Beschießung der belagerten 
Stadt bei. Lebhafter Beisall ehrte den Redner, 
dem der Vorsitzende den besonderen Tank des 
Vorstandes auszusprechen nicht ermangelte. 
Vilmar. Tie Grabstätte von Aug. Friedr. 
Chr. Vilmar aus dem Todtenhofe zu Marburg 
war am 21. November, seinem 100. Geburtstage, 
mit prächtigen Blumen- und Kranzspenden reich 
geschmückt. Am Vorabend ließen Freunde und Ver 
ehrer des Verstorbenen an dem Hause, in welchem
	        

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