Full text: Hessenland (14.1900)

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Messerschmidt; Voitt Ebertt (1599) — Eber- I 
hard Vogt; Ackerhen (1626) ----- Johann 
Ackermann; Specktrine (1626) — Katharine 
Speck; ■ Strokunna (1626) — Kunigunde 
Stroh. Das sind Anzeichen, das; der Berufsname 
noch nicht die volle Festigkeit eines Familien- ! 
namens erlangt hatte, aber von den Urkunden- ! 
schreibern doch schon einem solchen gleich geachtet 
wurde. Aehnlich steht es mit einer Garkoch in 
(1626), die ohne Vornamen und sonstige Beifügung 
in der Bürgerliste genannt wird. In dem oben , 
erwähnten Eiserheintz hat aber eine derartige 
Namenbildnng Jahrhunderte überdauert. 
Mit einiger Wahrscheinlichkeit erhält man dem- j 
nach in den Gewerbenamcn ein Verzeichniß der 
Berussarten, die in Melsungen in älterer Zeit 
vertreten waren. Später, als die Zuwanderung 
von außen her stärker wurde, und auch die Ge 
schlechtsnamen fester hafteten, darf man aus ; 
diesen Namen keine Schlüsse mehr ans das ge 
werbliche Leben det kleinen Stadt allein ziehen, 
sondern ans das des ganzen Landes. 
Wir wollen uns zunächst in die Zeit vor 1500 
versetzen. Wenn wir uns da in die Melsunger 
Felder, Wälder und Werkstätten begeben, dann 
sehen wir alle die regsamen Bürger bei ihrer Arbeit. 
Der Ackerman (1463— 1568) sät Roggen, 
und die Hoffnung ans reichliche Ernte stärkt ihn 
stets wieder zu schwerer Arbeit. Oben ans den 
sonnigen Hügeln wächst Wein, und die Bürger 
haben hierfür und für andere Zwecke Ge 
fäße nöthig, darum werden Fässer über Fässer 
beim Bender (1561—1626, auch Benner; 
1389 Doliator*) bestellt. Fleißig ist auch der 
Büttner bei der Arbeit, den die Melsunger 
Bvdener (1435, 1571; 1534 Bottener; 1568 
Bvttners Berg; 1575 Bettener) nennen. Ter 
Ferber (1439 — 70) gießt farbiges Wasser in 
die Fulda und verdirbt den Flachs, der darin 
ausgewässert wird, und tobtet manchen leckeren 
Fisch. Tief muß er in den Beutel greifen und 
dein Fischer (1435—60), der des Landgrafen 
Fischerei gepachtet hat, und dem Flachsbauern (?) 
oder Fleffer (1449) Entschädigung zahlen. 
*) Doliator aus Melsungen sind irte 138!) in Heidelberg. 
Die Studenten hatten die leidige Gewohnheit, ihren guten 
deutschen stamen in's Lateinische zu übersetzen oder ihm 
wenigstens ein leichtes lateinisches Mäntelchen umzuhängen 
man denke an Josa ui uns dir. 21, S. 209, Anin.). 
So kommen noch folgende lateinische Uebersetzungen von 
Melsunger Familiennamen vor: Fäberus (1549 in Er 
furt, 1550 in Marburg) — Schmidt; Ferrarius (1570 
Mark».) — Eiserheintz; Piscatoria (1550 Wittenberg» 
— Fischer; Leo (1563 Marb.) — Löwe; Sutellius 
(1537 Wittcnb.) — Schuhmacher: 'l'cxtor (1490 Leipzig, 
1574 Marb.) — Weber. Für Corravius (1596 Marb.), 
Lujtulus (1572 und 77 Marb.) und Reinanus (1548 
Marb.), die sich ebenfalls Melsunger nennen, ließen sich 
die entsprechenden deutschen Familiennamen nicht auffinden. 
Vielleicht stammen sie nicht aus der Stadt selbst, sondern 
aus der Umgegend. So bezeichnet sich auch Johann Seuttcl 
aus Altmorschcn in seiner Studentenzeit als Melsunger. 
(Fortsetzung folgt.) 
Der Hexenmeister. 
Karl Münch ans Kassel, welcher bereits vor 
längerer Zeit nach Berlin übergesiedelt ist, hat 
neuerdings ein Sperubuch versaßt, welches so eigen 
artig erscheint, daß es von Interesse sein dürfte, 
den Inhalt desselben in kurzer Fassung mitzutheilen. 
Das einaktige Libretto betitelt sich „Ter Heren 
ni eiste r", und der Titelheld ist Adam Riese, der 
sprüchwvrtlich gewordene Rechenkünstler. Die 
Handlung spielt im Rathhause eines Städtchens in 
Oberfrauken im Herbst 1521 und zwar in einem 
als Schulstube eingerichteten Zimmer. Die weisen 
Rathsherren halten in Gegenwart des jungen Grasen 
Theobald von Schöneborn Schulprüfung, und der 
neunundzwanzigjährige Riese läßt die Kinder zeigen, 
was sie Neues bei ihm gelernt haben, indem sie singen: 
„Eins und eins ist zwei. — 
Tie Henne legt ein Ei. 
Tie Henne legt noch zwei dabei, 
Tas sind zusammen drei —" u. s. f. 
Ta den Vätern der Stadt nicht sonderlich an 
der Volksbildung gelegen ist. denn „schickt Ihr das 
Volk zur Schul' hinein, wird jeder wollen Raths- 
herr sein", so beschließen sie, daß die Schule nicht 
mehr länger im Rathhause gehalten werden könne, 
da sie das Zimmer für einen andern Zweck ge 
brauchten. Als der wohlgesinnte Graf aber dreißig 
Gulden jährliche Miethe für das Schulzimmer in 
Aussicht stellt, „ist's billig nicht zurückzustehen" 
und Riese darf im Rathhaus weiter unterrichten. 
Seinem Schutzherrn Schöneborn aber vertraut Riese, 
daß er bei der Prüfung erbärmlich betrogen habe. 
Beim Singen, Schreiben und Lesen sei zwar alles 
ehrlich zugegangen, 
„Toch beim Ncchnen. das die Tröpfe 
Nimmer kriegen in die Köpfe. 
Ta hab' ich mich unterfangen 
Und Euch schmählich hintergangen; 
Alles war zur Prüfung heut' 
Eingedrillt und eingebläut." 
Um den Grasen, der sich über diesen Betrug 
sehr entrüstet zeigt, möglichst zu versöhnen, vertraut 
Riese sich ihm ganz an. „Drei Monde sind's, daß
	        

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